TAGESBEMERKUNGEN: Schon der große Kurfürst sprach…

Manchmal murrt das Volk über die Entscheidungen der Entscheidungsträger, worauf die Entscheidungsträger sagen:

„Es ist den Untertanen verboten, den Maßstab ihrer beschränkten Einsicht
an das Handeln der Obrigkeit anzulegen“.

Sie zitieren, selbst wenn sie diese Worte nur denken, ihren Urheber, den Brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, dessen Zeitfenster von 1620 bis 1688 geöffnet war. Der Kurfürst gab diese Anordnung am 29. Oktober 1685 im Edikt von Potsdam bekannt. Aber enthält dann diese Forderung des Kurfürsten nicht zugleich auch die Aufforderung, etwas gegen die beschränkte Einsicht der Untertanen zu unternehmen? Zur Zeit ist das Gefühl verbreitet, dass die Beschränkung von Einsichten sogar erwünscht ist, um der Kritik am behördlichen Handeln die Kompetenz durch Einsicht zu versagen. Wer sagen will, was ihm missfällt, muss erstens „etwas zu sagen haben“ und zweitens „Kompetent sein für den Ruf“, den der Kritiker erschallen lassen will, weil er den Ruf für seine Pflicht hält. Zu DDR-Zeiten titelte mal jemand mangels Papier auf eine Hauswand: „Zu sagen haben, was bedrückend ist, und kompetent zu sein für einen Schrei…“. Dann war die Farbe alle. Kritik verstummte mangels Material. Daher brauchen Dissidenten von heute Papiervorräte, Kopierstfte, Schreibmaschinen und Schreibbänder und ein analoges Leben. Und die Kompetenz, das Handeln der Obrigkeit am Maßstab der Gesellschaft zu messen.

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BARON VON FEDER: “Amtlich als wertloser Fresser eingestuft”

BARON VON FEDER

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„Amtlich als wertloser Fresser eingestuft“

Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund

Wenn jemand körperlich beeinträchtigt ist, also schwerbehindert mit Merkmalsbuchstaben ist, dann kann er womöglich noch in einem angepassten Arbeitsverhältnis tätig werden und der Idee von Selbstverwirklichung durch Arbeit anhängen. Wenn man aber Hartz-Vier-Opfer ist, dann hat man auch kein Recht mehr, durch einen Job auf einen Arbeitsplatz zu gelangen. Wenn ein Hartz-Vier-Opfer Reha-Leistungen beantragt, die die Aufgabe haben, die verbliebene Arbeitsfähigkeit festzustellen, unm darauf aufbauend einen geeigneten Job zu finden, dann ist es eine Verhöhnung, wenn er ohne ärztliche Untersuchung von Leistungen ausgeschlossen wird, weil , Zitat:

„Leistungen nur gezahlt werden können, wenn die Minderung der Erwerbsfähigkeit abgewendet werden kann

Heißt: es ist teuer, einem -jährigen Menschen behilflich zu sein, einen Job zu finden, der seinen nach gesundheitlicher Beeinträchtigung verbliebenen Fähigkeiten entspricht. Wenns nicht besser werden kann, wirds gar nicht erst versucht. Aber wieso setzen diese Leute sich über ärztliche Gutachten des Hausarztes hinweg?

Im Klartext: Wenn die Beweglichkeit des Körpers zwar nicht schneller wird, die Kreativität des Geistes aber noch voll vorhanden ist, MUSS eine Leistung erbracht werden, um die kreativen Fähigkeiten zu erhalten. Wenn dies von Amts wegen abgelehnt wird, dann steht zweifelsfrei fest, dass das Amt jegliche geistige Kreativität ersticken will.

Und übahaupt: Leistung muss sich lohnen, also ooch die Leistung, die Sie von uns wollen. Aba wenn Sie zu schwach sind fürn Marathon, kriegen wir Sie ooch nicht als Lagerarbeiter bei Amazon unter. Kreativität ist kein Nutzen, da könnt ja jeder kommen“

So nicht, werte Gesellschaftliche Falschspieler. Ihr wollt ein Tänzchen wagen? Wohlan, Freunde, ich spiel Euch auf.

gezeichnet Paganini, Teufelsgeiger

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für April ist fertig

Liebe Lerinnen, liebe Leser, lasst es euch gut gehen, bleibt übrig und freut Euch des Lesens

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BARON VON FEDER: Erzwungene Besinnung

„Erwungene Besinnung“

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Ich lebe wieder DD-ehrlich
kauf nicht mehr nach 18 Uhr ein
Kaufe nur, was unentbehrlich
Kann vom Hamsterrade frei sein

Ich spür den Körper neu gesunden
im Verlauf des Tätigseins.
Niemals hätt ich je empfunden
Nähn und Nähmaschinen wären meins

Aber jetzt.wos DRK rief
„Nähn Se Masken, helfen Sie“
da spürte ich, wies durch mich durch lief:
Nützlich sein ist leicht wie nie.

Notfallplanen oder Mundschutz
Zusammenhalt und Selbstvertraun
Solidarität, Gemeinnutz
Gemeinsam heißt, was eignes Aufbaun.

DD-ehrlich ist nicht übel
wenn man nur das Schlechte weglässt
doch bevor ich weiter grübel
wünsch ich uns ein Hoffnungsfest

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TAGESBEMERKUNGEN 28.03.2020

DRK in Mecklenburg bittet Freiwillige zum Mundmaskennähen

Wer in Krisenfällen oder bei Katastrophen analog zum Zivilverteidigungskonzept irgendw etwas Nützliches für das Gemeinwohl tun will, kann sich in Mecklenburg bei TEAM MV registrieren, wo die freiwilligen Einsatzkräfte je nach Aufgabe und Befähigung zu aktuellen Aufgaben herangezogen werden und ihr Einsatz koordiniert wird.

Derzeit Aktuell: Mundmaskennähen.

Gegeben sind eine Bastelanleitung und eine Liste des Werkzeugs und der Materialien: Kochfeste Baumwolle, Draht, Schere und Nähmaschine.

Wo aber bekommt man Material und Werkzeug her?

Hier kommt noch die Information aus der Originalmail:

Um den Mund-Nasen-Schutz selbst herzustellen, benötigt ihr kochfeste Baumwolle, einen biegsamen Draht sowie eine Nähmaschine, eine Schere und ein Bügeleisen.

Wichtig ist: Der Baumwollstoff sollte dicht und atmungsdurchlässig und bei mindestens 60 °C waschbar sein.

Die Feuerwehr der Stadt Essen hat eine tolle Anleitung hierzu online gestellt: Nähanleitung https://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/0115_1/pressereferat/Mund-Nasen-Schutz__Naehanleitung_2020_Feuerwehr_Essen.pdf

Wer sich beteiligen und mithelfen möchte, kann per Mail Kontakt zu uns aufnehmen: team-mv@drk-mv.de .

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TAGESBEMERKUNGEN 26.03.2020

„Publizistik und Quarantäne“

Quelle: Wahrnehmungen aus dem Alltag

Überall wird man aufgerufen, „Corona-Tagebücher“ zu schreiben. Das ist im Prinzip gut. Denn alle Zeugenaussagen, die dokumentiert werden, sind für Historiker das chronologische Ausgangsmaterial ihrer Forschungen. Im Moment ist nur nicht klar, ob die Seuche das historische Ereignis ist oder die Werkzeugkiste, die das Repertoire der Mittel und Methoden enthält, mit denen auf diese Seuche reagiert wird.

Nur fängt es schon beim fotografieren an. Hältste Dich an Geprflogenheiten, kannste gegen den Willen des Hausherrn keine leeren Regale in der Kaufhalle fotografieren oder Schilder, auf denen Kunden der derzeitige Umgangston mit ihnen kommuniziert wird. („Abstand halten – Nur zwei gleichzeitig“). Beim Bäcker sollte man neulich noch zwei Meter Abstand vom Tresen halten, bis sie merkten, dass dann kein Brötchen mehr über die Theke geht. Jetzt wird man wieder an die Theke gebeten.

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TAGESBEMERKUNGEN: 19.03.2020 Täuschend echt wirkende Infos

Täuschend echt wirkende Infos

Wenn früher jemand gesagt hätte: “Das Jobcenter nimmt derzeit wegen Überlastung keine Anträge auf Leistungen entgegen und lässt vorliegende Anträge unbearbeitet” hätte fast jeder Hörer dezent mit dem Digitus den Schläfenlappen berührt. Heute würde fast jeder fast jedem fast alles zutrauen.

Der Grund dafür ist das fehlende Vertrauen. Zumindest in die politisch-gesellschaftlichen Gestaltungspersonen. Fast jeder hat fast jedes in ihn gesetzte Vertrauen rettungslos vergeigt. Fast jeder hält fast alles für möglich. Zumal sich die absurdesten politischen Witze, die klein Moritz immer so gerne gehört hatte, sich als Tatsachen erwiesen und selbst die brilliantesten Einfälle von Kabarettisten hinter den grotesken Einfällen von Politiktätigen hoffnungslos zurück bleiben.

Abgesehen davon: Wenn Klopapier Hamsterware wäre, gäbe es Klopapier in der Zoohandlung. Wenn es Klopapier in der Kaufhalle gibt, ist alles normal Wenn es dort aber kein Klopapier gibt, dann ist die Verbindung zwischen Politik und Gesellschaft im Arsch. Da hilft auch kein Klopapier zur Reinigung.

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TAGESBEMERKUNGEN: Maas macht mobil

Für 50 Millionen Euro Spesengelder will Außenminister Heiko Maas Landsleute aus dem Ausland heim holen, weil wegen Corona sonst keine gesicherte Heimkehr möglich sei.

Hilfe ist richtig. Trotzdem scheint einiges nicht zu stimmen. Erwartbar wären Meldungen über Einheiten der Zivilverteidigung, die als Empfangskomitee für Heimreisende notwendige medizinische Erstuntersuchungen vorbereiten und ermöglichen.

Kommt vielleicht noch. Im Nachrichtenticker ändert es sich ja spätestens stündlich. Dann kommt der neue Lagebericht raus.

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BARON VON FEDER: Abhängig vom Einkommen

BARON VON FEDER

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„Abhängig vom Einkommen“

Quelle: Eigenes Denken

Lebensqualität und Lebensweise hängen von den Gestaltungsmitteln ab. Schon ein kleiner Tapetenwechsel in eine andere Stadt, eine andere Gegend oder wenigstens raus in die Natur wirken wie eine Horizonterweiterung. Das ist nicht jedem vergönnt. Die Standortkommandantur hat gesagt: Ortsabwesenheit ist sowieso nur zur Aufnahme einer sozialversichreungspflichtigen Beschäftigung erlaubt. Ob das stimmt, lassen wir hier mal dahin gestellt sein. Es kann auch sein, dass die per Schnellkurs geschulten Sachbearbeiter die Gletscherspalten auf den eiskalten Höhen der Sozialgesetzgebung gar nicht begriffen haben können, weil auch sie benso wenig dazu in der Lage sind wie die Opfer am unteren Ende des Schreibtisches. Viele gibt es, die hatten vor kurzem auch noch Anträge in eigener Sache ausfüllen müssen. Jetzt sind sie die etwas besser gestellten KAPOs im selben Würdegefängnis. Sie haben lediglich ein paar prekäre Befugnisse mehr. Ein Fehler oder eine menschliche Regung – und schon kann das Privileg futsch sein und der Sachbearbeiter wieder Antragsteller.

Unabhängigkeit vom Einkommen gibt es nur auf zwei Arten: Alles oder Nichts. Wer soviel hat, dass er es nie im Leben verbrauchen kann, hat ausgesorgt. Emsig und diskret arbeitet eine Vermögensverwaltung dafür, dass die Familie immer auf indestens zwei Generationen voraus finanziell unantastbar ist. Man darf nur nicht seine Vermögensverwalter verärgern. Solcher Ärger endet, wie manch Krimi zeigt, in Mord und Totschlag. Die andere Form der Unabhängigkeit ist die Freiheit von jeglicher Habe. Wenn ein Dichter sich erstmal den Ruf erarbeitet hat, Rechnungen in Hotel und Restaurant mit einem Gedicht oder idealerweise mit einem Fortsetzungsroman zu bezahlen, genösse auch der ärmste Poet eine fürstliche Horizonterweiterung.

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FEUILLETON-REZENSION: Plädoyer eines Märtyrers

FEUILLETON-REZENSION

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„Plädoyer eines Märtyrers“

Die Chuzpe eines Austrofaschisten

Herr Peter Veran gönnt Herrn Engelbert Dollfuss in seiner Groteske „Plädoyer eines Märtyrers“ keine Geschichtsberater als Rechtsbeistand. Die historische Selbtverteidung nimmt der Angeklagte daher selber vor – wie damals Georgi Dimitroff im Reichstagsrandprozess. Der hat kausal zwar nichts mit der Geschichte von Paul Veran zu tun, wirkt aber wie eine Analogie, in der literarische Themen kein einsames Alleinstellungsdasein fristen. Immerhin beweist der historische Rückblick des Verblichenen von der Metaebene des Jenseits auf die Gegenwart mit der Hand am Puls der Zeit darauf hin, dass ein Geschichtsbeteiligter durchaus auch ein guter Berater in eigener Sache sein kann. Die zu verhandelnde Sache ist das Wirken des österreichischen Kanzlers Engelbert Dollfuss im Zeitfenster 1933 bis 1934, als es mit Macht und dem Ergebnis Tod für Engelbert Dollfuss geschlossen wurde. Herr Engelbert Dollfuss bemüht sich in seinem Plädoyer um die Einführung des Begriffs „entschuldbarer Notstand“ und zieht das vermeintliche Wissen der „hinterher Klügeren“ als Beleg hinzu. Das ist die Chuzpe eines Austrofaschisten. Man erkennt sie daran, dass die Verteidung zur Selbstenttlarvung führt – man muss sie bloss reden lassen. Die Faschistenführer Meuthen, Gauland und Höcke entlarven sich ja auch in der Gegenwart, wenn man ihnen die Gelegenhei. Wer aber war Engelbert Dollfuss? Die Vita kurz zusammengefasst: Ein Freund von Arthur Seyß-Inquart, der in Nürnberg beim Kriegsverbrecherprozess zum „Tod durch den Strang“ verurteilt und gerichtet wurde. Geboren am 4.Oktober 1892. Juli 1934 bei einem Putsch von österreichischen Faschisten untereinander erschossen. Als Kanzler, der sein Amt diktatorisch führte. Herrn Dollfussens Plädoyer aus dem Jenseits enthält im Anhang alle Hinweise, die man zur Einschätzung der Personen braucht, die im gleichen Zeitfenster der Geschichtsbetrachtung den Abstand zwischen den Rändern der Laibung den Weg kreuzen.

Der Autor des Buches heißt gar nicht wirklich Herr Peter Veran. Er heißt nach einer Information des Klappentextes Herr Werner Anzengruber und ist Jurist und Historiker. Seine Sprache weiß ein spitzes Florett zu fechten, Hut ab. Meint man gar nicht, wenn einer sonst nur als einer der profiliertesten Forscher der österreichischen Form des Nationalsozialismus in Österreich und des Widerstands dagegen gilt. Dieses Buch sollte in den Kreisen der ausgeirdeten Seelen gelesen werden und in den Salons, wo die sowwohl im guten wie im schlechten unsterblichen Seelen die Ewigkeit verbringen (Kann man die Ewigkeit eigentlich verbringen? Bedeutet Zeit verbringen nicht auch eine Endlichkeit dieser Zeit? Was hat eine endliche Zeit mit der Ewigkeit gemein?) Wenn aber dort in den Salons Kurt Tucholsky mit Erich Kästner über das Buch plaudert und beide grinsen sich einen, bis Kästner laut lacht, so dass George Bernhard Shaw stirnrunzelnd rüberkommt, dann ist es auch hier unten das richtige Buch zur Zeit.

Peter Veran alias Werner Anzenberger, Plädoyer eines Martyrers“, Promedia-Verlag, Wien 2020

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