REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das 130. Flugblatt – August 2018 – ist fertig

Liebe Leserinnen und Leser, Das Flugblatt für August 2018 ist fertig

 

Hier ist es

Das Flugblatt Nummer 130 01-08-2018

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FEUILLETON-REZENSION:

Rezension „Die Daten die ich rief“

 „Und wenn sie wissen, wohin ich schaue?“

 Als 1998 die Möglichkeiten der heutigen Informationssammlungen über Menschen noch in den Kinderschuhen steckte, war es das lächerliche Marketing mit Bestellkatalogen, von dem man leichtsinniger weise dachte, es wäre wirklich nur die Werbung, die Interesse daran hätte, Kundenwünsche zu erfüllen oder zu erkennen, bevor der Kunde sie kennen würde. Neulich schloss ich mein Fahrrad an, um in einer Einkaufspassage was zu erledigen. Ich hatte niemandem gesagt, was ich wollte, aber ich muss gesehen worden sein. Beim Bäcker sagte die Verkäuferin: „Ich hab den Kaffee schon da hin gestellt“; aus dem haushaltswarenladen schoss die Bedienung hervor und meldete: !Ihre Bestellung ist da“. Harmlos, aber zunehmend unerfreulich. Wenn früher jemand eine Dienstleistung regelmäßig in Kauf nahm, war es normal, sich vorher zu vergewissern: „Einmal wie immer?“ Abe so harmlos ist das alles gar nicht mehr. Facebook, Google und Twitter sind schuld daran. Bei der Nutzung des Internets will ich Nachrichten suchen und finden, die mich interessieren, und nicht beim Lesen von einem eingeblendetem Fenster unterbrochen werden, auf dem steht: „Kunden, die diesen Artikel gelesen haben, lesen auch diesen hier“ oder einfach der Hinweis: „Auch interessant: Kuck mal hier“. Darum hat Katharina Nocun im Lübbe-Verlag das Buch „Die Daten, die ich rief. Wie wir unsere Freiheit an Großkonzerne verkaufen.“ Es muss als gar nicht mehr wundern, dass es Unternehmen gibt, die alles über Menschen sammeln, was sich algorithmisieren lässt. Wenn einer alle Schnipsel zusammen setzt, dann hat der vermutlich ein gottgleiches Wissen über die gesammelten Daten eines Menschen und verdient womöglich saumäßig viel Kohle, wenn er die Daten an einen Endnutzer verkauft. Ich frag mich manchmal. ob man die Bitte nach einer Unterschrift nicht einfach mit dem Hinweis abschmettern kann: Meine Unterschrift ist so teuer, dass Sie sich die gar nicht leisten können.“ Eine Schutzgebühr für Daten und Unterschriften – dass wünscht man sich, wenn man das Buch von Katharina Nocun gelesen hat. Aber man vergisst dabei: dann hat man zwar die Schutzgebühr, die Datensammler sind aber noch lange nicht an ihrem Treiben gehindert. Statt dessen erlebt man, dass Daten selbst in vremeintlich überwachungsfreien Gebieten und ohne jegliche Vorwarnung erhoben werden. Das tun Überwachungskameras. Der Trend geht dahin, sie auch dort anzubringen, wo ein Mensch die allerintimsten Handlungen verrichtet. „Das ist der ultimative Kontrollverlust“, schreibt die Autorin. Kurz danach beginnt eine andere Frage heran zu schleichen: Kann man sich den Datensammlern entziehen, wenn man fast keine Technik oder Apps für das verfluchte und gesegnete Smartphone benutzt. Erste Teilantwort: Die Daten würden niemandem nützen oder schaden, sondern sein wie der wehende duft eines vorbei kommenden Parfums, wenn niemand sie auswerten könnte. Dafür braucht man dann Werbepsychologen, die meist besser ausgebildet sind als die, welche Menschen mit Konsumverursachten Störungen helfen sollen. Diese Leute können aus Einkaufslisten Profile erstellen. Die Listen bekommen sie von der Kaufhalle. Ein Zettel reicht nicht, es müssen viele sein. Mich hat Amazon als Onlinekunden mal abgelehnt, weil ich immer wieder ein neues Kundenkonto angelegt hatte. Nur die Mailadresse blieb gleich. Amazon schrieb mir: Wir lehnen weitere Beziehungen zu Ihnen ab, weil wir über Sie kein Profil erstellen können. Ich hab es mir dann doch verkniffen, zu schreiben, genau das war ja auch die Absicht. Ein wenig selber denken tut auch Konzernen gut. Wenn wir schon sonst nicht viel gegen „die da“ ausrichten können. Die Autorin stellt fest: „Die Trennlinie zwischen Daten, die wir als harmlos erachten, und unserer Intimsphäre ist fließend.“ Und ehe man sichs versieht, ist der Rubikon überschritten.

Dann aber kommt, was die Datensammler des Marketings vorbereitet haben: Der ungenierte Zugriff aller Staaten auf die Daten der Bürger unter öffentlichem Bruch verfassungsrechtlicher Grundsätze. Wenn das Gute an der Demokratie einfach nur die im gleichen Atemzug genannte Meinungsfreiheit und der Schutz der Privatsphäre ist, dann ist das Stichwort Demokratie ein Wert an sich, der durch das Große Datengeschäft in der Reduktionskurve auf Null entlang schrammt.

(Katharina Nocun, „Die Daten, die ich rief“, Bastei Lübbe, Köln 2018)

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BARON VON FEDER: Briefe vom Arbeitsmarkt (August 2018)

BARON VON FEDER

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„Briefe vom Arbeitsmarkt (August 2018)“

Liebe Gefährtinnen und Gefährten aus der Hartz-Vier-Klasse, der Markt ist kein Sanatorium und duldet keine Kranken. Das ist ein Glück für Chefs, denn wenn Unehrlichkeit oder Unaufrichtigkeit schon Krankheiten wären, wären sie raus. Wenn man ein ganzes Jahr gearbeitet hat, hat man den Vorteil, dass einem das Amt nicht auf die Bedürftigkeit kuckt. Denn die Ansprüche entstanden ja gerade durch Arbeitslosen-Versicherungsbeiträge. Kennt Ihr das? Kommt ein ein Arbeitsloser zum Arbeitsamt und trifft einen Sachbearbeiter auf dem Flur. „Was wolln Sie? ALG 2 ist andere Etage“ „Nee, ich komme wegen Alg 11. Ach so . Na dann kommen Sie mal rein. Nehmen Sie Platz, ich bin gleich für Sie da.“ Komisch, wa? Einkommenslos ist einkommenslos, aber das die Einkommenslosen trotz vergleichbarer, also ähnlicher lage noch in ihrer Wertigkeit abgestuft werden, ist Verachtung, aber ganz hilfreich, wenn man zu den einjährigen Arbeitslosen gehört. Schön ist das alles nicht. Von fünf Bewerbungen eines Monats kamen zwei Absagen. Eine wegen mangels an Personalbedarf und eine wegen Schließung des Zeitfensters zur Abgabe der Bewerbung.Die anderen sind noch offen. Einmal suchten sie einen mit Bootsführerschein Binnengewässer, der Kontrollen auf Flüssen und Seen macht und für die Umweltschützer Biber und Eisvögel zählt. Das wäre der ideale Job: Leise gleitet der Kahn am Gestade entlang, der Skipper grüßt freundlich die Runde, und hat, wen er grüßt, dann den Skipper erkannt, gibt er gern Auskunft und Kunde. Und der Skipper sitzt dann im Büro und kümmert sich um die Bedürfnisse der Schöpfung.

Ehrlicher als der Umgang mit mancherlei Chefs und damit gesünder für Nerven und Geist, Körper, Seele, wäre die Fauna allemal. Vor ein paar Tagen erst traf ich einen damaligen Kollegen. Ihm haben die Chefs den Vertrag verlängert und wirt tratschten ein wenig. Ich hatte teils das Gefühl, froh sein zu können, dass ich wegen der blöden Erkrankung erhobenen Hauptes den Laden verlassen habe statt mir das Ausredestigma der Unfähigkeit anpappen zu lassen. So viele Mitarbeiter – und nur fünf Verträge wurden in unbefristete umgewandelt. Der Rest kam mit ein wenig Glück in die zweite Verlängerung.

 

„Es kann der Frömmste nicht im Frieden leben,
wenn es dem Bösen Nachbarn icht gefällt“

(Friedrich Schiller, „Wilhelm Tell“)

 Haltet durch

Euer Baron von Feder

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FEULLETON-KULTURBETRIEBLICHES: Das unruhige Raubtier an der Leine

FEUILLETON-KULTURBETRIEBLICHES

 „Das unruhige Raubtier an der Leine“

 Der Staat hat Leben, Recht Gesundheit und Wohl seiner Bürger zu schützen. Er hat die Bürger deshalb auch davor zu schützen, dass zu viel Daten über sie gesammelt werden, die per se oder wenn sie ungeschützt in unbefugte Hände gelangen zum existentiellen Nachteil der Bürger ausgenutzt werden können. Insbesondere sind dies Daten aus der Privatsphäre und der Intimsphäre, die nur den einzelnen Bürger etwas angehen, ihn aber in Ruf, Ansehen und erfolgreicher Berufsausübung behindern, wenn jeder zum Beispiel weiß, welche sexuellen Praktiken Vorgesetzte, Chefs, Richter, Amtspersonen bevorzugen oder wenn in Schülerkreisen Fotos von einem Lehrer oder einer Lehrerin bei den morgendlichen Verrichtungen im Bad kursieren. Um derlei und anderen Missbrauch zu stoppen, gibt es den Datenschutz. Bürger können verlangen, zu erfahren, wer was über ihn gespeichert hat bzw. wer welche Informationen zu welchem Preis über den Bürger an jemand anderen – juristisch: „einen Dritten“, weitergeben hat.

Seit dem 25. Juni 2018 gilt europaweit die sogenannte „Datenschutzgrundverordnung“. Sie ist so ungenau formuliert, dass sich alle von der Verordnung Betroffenen fragen: Was ist der Sinn der Unverständlichkeit?

Der Sinn könnte sich aus dem Zusammenhang mit drei weiteren Bestimmungen ergben: Urheberrecht, Leistungsschutzrecht und der Anwendungspflicht von Uploadfiltern. Es ist, als zöge ein Magier einen Panther aus dem Sack und ließe das fauchende, gereizte und beunruhigte Tier an der Leine zwar, jedoch vor der dem versammelten Publikum auf und ab spazieren. das Gesetze könnte im schlimmsten Fall einen scharfen Biss in den Hals der Meinungsfreiheit in Verbindung mit einem Ratsch der Krallen, welcher das grundgesetz für die Bundesrerepublik Deutschhland, hier insbesondere Artikel 5 und Artikel 20, zerreißt als wäre es eine Akte der Staatssicherheit, an deren Inhalt sich niemand je wieder erinnern soll. Nun ist es im Prinzip so, dass die Natur des Internets aus den Verbindungen besteht, die zwischen den einzelnen Seiten bestehen. Im Normalfall kann im Interetnet keine Seite für sich alleine bestehen. Jede hat mindestens einen Link auf eine andere Seite. eine seite, die nirgends hinlinkt, treibt ortlos im Nichts. Wer aber eine Informationsseie betreibt, muss ja von irgendwo seine Informationen beziehen. Die holende Seite kann von der liefernen seite Inhalte referieren, also mit eigenen Worten wiedergeben, oder sie kommentieren, das heisst, kritisch mit dem Stoff der Wiedergabe umgehen oder einfach nur zitieren. Die Grundverordnung mit ihren angeschlossen Folgeverordnungen oder Bestimmungenkann folgendes tun: Sie kann verlangen, dass ihr vor der veröffentlichung vorgelegt wird, was veröffentlicht werden soll, und sie kann zum Teil jetzt schon Einfluss auf Formulierungen nehmen. Kein Artikel über Monsanto könnte mehr so erscheinen, wie er anhand von Rechercheergebnissen erscheinen müsste. Eventuell besteht sogar die Gefahr für kritische Umweltschützer, dass sie recht früh im Leben unter die Knollen geraten. Im Grunde lässt das derzeitige Presserecht schon zu, dass der Beschriebene in einem Artikel das Geschriebene korrigieren darf. Aber nur inhaltich-sachlich. Die Meinungsebene bleibt in einer von Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt beseelten Gesellschaft tabu.

Und nun zeigt sich, dass jeder Satz und jedes Wort auf der Grundlage der Datenschutzverordnung mittels des technischen Durchsetzungswerkzeugs „Uploadfilter“ vor dem Erscheinen am Firmanent des World Wide Web auf Einwände hin überprüft und dann erst zur Veröffentlichung freigegeben werden darf. Kritiker sagen: Alle Fotomontagen, die in der guten alten Absicht der Politiksatire verändert werden, sind dann bei immens hohen Strafen oder Durchsetzung der technischen Verbreitungsunmöglichkeit von der Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit ausgeschhlossen. In Bezug auf die Meinungsvielfalt klingt das wirklich nach Herstellung eines Meinungsmonopols durch Reinigung des Gesagten mit den Meinungsfiltern. Aber Zensur findet nicht statt, steht im Grundgesetz. Ist das dann nicht schon doch Zensur? Der letzte Winkel, in den das Licht dieses Beitrag fallen muss, ist das Thema Leistungsschutzrecht. Es besagt, dass Suchmaschinen für die Auflistung eines Suchtreffers dess Inhaber Geld zu zahlen haben. Wenn jeman nach einem Begriff sucht, muss die Suchmaschine dann alle Webseitenbetreiber bezahlen, deren Inhalte in Minimalform als Ergebnis angezeigt werden. Damit kann man ganz bequem selber bestimmen, was Suchende zu einem bestimmten Suchbegriff gerade nicht finden sollen, obwohl es im Internet frei verfügbar ist.

Hierzu erschienene öffentliche Informationen:

 „Umgehung des neuen Leistungsschutzrechts durch Links auf Google-suchen“, TELEPOLIS, 25. Juni 2018

 „Uploadfilter sorgen für Proteststurm über Parteigrenzen hinweg“, FAZ, Samstag 30. Juni 2018

 „weg frei, um Uploadfilter zu verhindern“, digitalcourage, NEDWSLETTER Donnerstag 5. Juli 2018

 „Überwachung im Interent:Bis das letzte Bild gescannt ist“, Süddeutsche Zeitung, Donnerstag 05.Juli 2018

 „Uploadfilter und Leistungsschutzrecht: Die dunkle Technikhörigkeitder Ahnungslosen“, Spiegel Online, Dienstag 04. Juli 2018

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FEUILLETON-ZEITGEIST: NATO, Frontex, Krieg

Feuilleton-Zeitgeist

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„NATO, Frontex, Krieg“

 Ende Juni, Anfang Juli berichteten Print-,Web- und Fernsehmedien über einen weißen Hai, der vor der Küste Mallorcas gesehen wurde. Ungefähr eine Woche später hatte ein sogenanntes soziales, aber in der Verwendung durch seine Nutzer zum Teil verantwortungsloses Medium einen blutigen Informationshappen daraus gemacht. Es hieß plötzlich, dass sich Naturschützer darüber freuen, dass es im Mittelmeer wieder Haie gäbe. Die Anwesenheit der Haie sei aber auf die Anwesenheit der Flüchtlinge zurück zu führen. Die Haie, so hieß es in den Medien, fänden ja inzwischen genug Futter im Mittelmeer. Selbst gebildete gutsituierte Menschen nahmen diese Meldung für bare Münze, obwohl die Anwesenheit von Haien im Mittelmeer für Meeresforscher und wesensähnliche Berufsgruppen bestenfalls deshalb ein Grund zum Hurra rufen ist, weil der Forschungsgegenstand so dicht vor der Haustür schwimmt, und damit seinen Beitrag zur Kostensenkung bei Expeditionen leistet.

Haie machen eher selten gezielte Jagd auf Menschen. Immerhin muss man nicht zu ihnen schwimmen, wenn sie gerade Hunger haben. Gezielte Jagd auf Menschen findet durch andere Lebewesen statt: Menschen im Auftrag von Regierungen und den ihnen Weisung gebenden Wirtschaftsunternehmen. Zufällig zeitgleich mit der Haifutter-These der sozialen Medien und ihres Nichtnachdenkenden Teiles der Nutzer hatten Horst Seehofer deutscher Innenminister, Sebastian Kurz, österreichischer Bundeskanzler, und Victor Orban, ungarischer Ministerpräsident, Europa zur geschlossenen Festung erklärt. Auf dem Mittelmeer sollen schwerbewaffnete Schiffe mit dem Feinsten der bis heute verfügbaren polizeilichen und militärischen Überwachungstechnik gegen Schlauchboote mit entkräfteten Menschen und humanitäre Schiffe operieren, die einfach nur Leben retten. Leben zu retten ist das Einzige, was getan werden kann. Denn das Nötige, was noch getan werden muss, wenn die Geretteten innerhalb der Europäischen Union ankommen, wird ja zum Teil nicht mal für die Einheimischen getan: Arbeit und Einkommen. Trotzdem: Im Falle einer Völkernot hat man die Grenzen weit zu öffnen oder völlig außer Betrieb zu nehmen, damit sich die Ankommenden möglichst ohne Beschränkung des Bewegungsfreiraums verteilen können. Das nimmt zunächst mal den Druck, den Stress und die Enge aus der nun nicht mehr nationaen Gesellschaft eines Ziellandes oder den nationalen Gesellschaften der verschiedenen Zielländer, sondern im Idealfall auch aus der infolge der Globalisierung in Bewegung geratenen Weltgesellschaft. Stattdessen sieht sich Ungarn als den selbstlosen Helfer gegen griechische Grenzdienstpflichtvergessenheit. „Wir schützen unsere Südgrenze und halten damit Tausende Flüchtlinge ab, die sonst nach Deutschland weiterreisen würden.“ Orban soll bei Merkel vorgebracht haben, sein Land würde diejenigen Fliehenden registrieren, die Griechenland einfach durchließe.

Um ankommende Fremde lückenlos zu registrieren, sollen sie nach dem Seehofer-Plan in Transitzentren untergebracht und dort systematisch erfasst werden. Daumen hoch – Weg frei ins „Gelobte Land“, Daumen runter – Rückweisung. Um alle zu erfassen, hat Bayern an der Österreichischen Grenze seine landeseigene Grenzpolizei aus der Reserve geholt. Das sollen derzeit 500 Mann sein. Während der trügerischen Freiheit der Schenen-Zeit wurde sie Teil der Landerspolizei. Aus der trügerischen Freiheit scheint eine untrügliche Unfreiheit geworden zu sein.

Das Wort „Transitlager“ ist übrigens mindestens zur Hälfte falsch. Lager stimmt, Transit im Sinne von Durchfahrt ist nicht. Denn die Regel soll Abweisung heißen. Im Grunde handelt es sich um Internierungslager. Wo genau sollen sie errichtet werden?

 Seit Monaten wird das Säbelrasseln der NATO nicht leiser. Derzeit heißt die Losung Hochrüstung. Rüstung bleibt Rüstung. Da hilft auch keine Beschönigung. Die Bundeskanzlerin erklärte Anfang Juli, es sei ja nur eine bessere Ausrüstung der Bundswehr geplant. Das könne man nicht aufrüsten nennen. Ich denke, man kann. Man kann es deshalb, weil die Erhöhung der Wehretats mit einer neuen sicherheitspolitischen Gefahrenlage begründet werden. Die NATO hat sich im Baltikum bis an Russland heran gewanzt und wundert sich, das der russische Bär brummt.

Ausgerechnet Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, der noch als Aussenmininster vor dem Süäbelrasseln warnte, fordert von Deutschland einen höheren Beitrag an die NATO. Geld oder Kanonenfutter? „Europa muss sich im Klaren darüber sein, dass sich nicht nur die Sicherheitslage in Europa verändert hat, sondern auch das transatlantische Verhältnis und damit die Rolle der USA innerhalb der NATO.“ Verständlich wäre der Satz, wenn er gesagt hätte, dass das transatlantische Verhältnis die Sicherheitslage in Europa verändert hat. Aber so hat er es eben nicht gesagt. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg ließ die Katze aus dem Sack, aber sie sieht seltsam bekannt aus: 2 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung soll Deutschland locker machen und nicht nur 1,5 Prozent. Spiegel Online hat in einem Artikel vom 07. Juli heraus gefunden, dass das bis 2024 ungefähr 80 Milliarden Euro für die Kriegsführungsfähigkeit wären. Und die Kanzlerin sagte: der Sparkurs und die technologische Erneuerung machten die Ausgabenerhöhung nötig. Sie hätte gerne auch erwähnen dürfen, dass damit die Vorbereitung auf den Cyberkrieg und der Einsatz ferngesteuerter Drohnen zum bequemen Töten gemeint sind. Die geplante Qualität der kommenden großen Kriege wird aber nicht ohne die herkömmlichen auch schon im Kalten Krieg sattsam geübten Wege und Formen der militärischen Mobilmachung auskommen. Im Gegensatz zur digitalen Cyberkriegsvorberetiung ist die konventionelle Kriegsvorbereitung anhand hinterlassener Spuren ablesbar. Das amerikanische Militär sprach bereits bei den deutschen vor, sie mögen doch bitte Brückenhöhen und durchfahrtsbreiten vergrößern, damit die dicken Dinger von Onkel Sam über die Straßen der Städte und Dörfer Deutschlands rattern können, um rechtzeitig zum geplanten Morden im Baltikum einzutreffen. Manchen kann es gar nicht schnell genug gehen.

 

Das Handelskriegspäludium

 

Mitunter kommt man nicht drum herum, in der Strafzölle-Dummheit zwischen USA und China einerseits in USA und Europa andererseits die unmittelbare Vorstufe zu den geplanten Kriegen um Rohstofflieferungen und sichere Handelswege zu sehen Sichere Handelswege sind eine Beschönigung. Man könnte auch sagen: ungestörte Beuteverbringung. Leider hat nicht nur der Kapitalismus als Wirtschaftsordnung mit den Handelskriegen ein Problem. Sonst könnten sie es unter sich ausmachen und uns Bescheid sagen, wenn sie fertig sind. Stattdessen ist es jämmerlich unklar, ob sich durch hitzköpfige Profitvielfraße das Niveau von Renten, Löhnen, Gesundheitsversorgung und Wohnmöglichkeiten noch weiter verringert als es die neoliberale Globalisierung schon vorbereitet hat.

 

Hierzu erschienen öffentliche Informationen:

NATO

“Führende Rolle: für Deeutschland: NATO plant Eingreiftruppe mit 30.000 Soldaten, N-TV, Samstag, 02.Juni 2018

 

“Mehr Verantwortung übernehmen”: Steinmeier fordert höheren Beitrag für NATO, N-TV, Sonntag 08. Juli 2018

 

“Zusagen an die NATO: Bundesregierung müsste Militärausgaben verdoppeln”, Spiegel-Online, Samstag 07. Juli 2018

FRONTEX

“FRONTEX-Chef: Spanien ist derzeit meine größte Sorge”, FAZ Samstag, 07.Juli 2018

 

“Ein neues Grenzregime: Die Einigung im Wortlaut”, N-TV Dienstag, 03. Juli 2018

“Flüchtlingspolitik: So ist die Lage an der Grenze zu Österreich”, Süddeutsche Zeitung, Donnerstag, 5. Juli 2018

 

“Asylpolitik: Ungarn sieht sich als Grenzwächter im Dienste Deutschlands”, Süddeutsche Zeitung, Donnerstag, 5. Juli 2018

 

“Flüchtlinge: Italien will keine im Mittelmeer geretteten Migranten mehr aufnehmen”, Süddeutsche Zeitung, Sonntag, 8.Juli 2018

 

“EU-Pläne für Flüchtlingslager in der EU und Afrika: Weggesperrt, verteilt oder abgeschoben”, Süddeutsche Zeitung, Sonntag, 01. Juli 2018

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für Juli 2018 ist fertig

Liebe leserinnen, lieber Leser, das Flugblatt für Juli ist fertig un d das für den August wird entweder am 27. fertig oder es kommt mit Verspätung.

Viel Freude beim Lesen

 

Das Flugblatt 129-01-07-2018 neues Layout

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BARON VON FEDER: Verbale Hiebe im Titeletikett

„Verbale Hiebe im Titeletikett“

 Sprachlich neu wäre es, wenn man aus dem Begriff „Schlagzeile“ das Wort Schlag und alle seine Synonyme heraus nimmt. Dann hätte auch dieser Text eine andere Überschrift. Der Ausdruck „Verbale Hiebe“ käme dann nicht vor. Denn es geht ja nicht darum, jemanden zu schlagen, zu erschlagen oder einfach nur zu verprügeln. Es geht um die Sorgfalt beim Umgang mit der Sprache und Grafisch wäre es etwas neues, wenn man die Form der Überschrift als eine Art Stempel-Etikett des nach der Überschrift folgenden Themas behandelt. Zum Teil wäre es aufwendig. Aber es könnte verdammt gut aussehen, wie ein Visum im Reisepass zum Beispiel. Behördliche Absage oder Genehmigungsstempel kommen als Vorlage nicht so gut in Frage, weil diese Art von Stempel eine geringere Aussagevielfalt von Visum-Etiketten hat. Oberste Zeile: Titel des Textes im Wortlaut. Mittlere Zeile: Herkunft des Textes nach Verfasser und Publikationsort. Unterste Zeile: Wer ist der Adressat des Textes. Es ist nämlich nicht immer ganz deutlich, warum ein Manager die Politik vor eventuellen Folgen warnt ohne klarzumachen, wer eigentlich konkret bedroht ist. Der Manager und sein Konzern sind es es meist nicht. Wenn man Hartz Vier erhöht, bedroht das lediglich das Kleinhaltungspotential gegenüber der verfügbaren Arbeitsmasse. Wenn die Arbeitsmasse erfährt, dass sie selbst gar nicht bedroht ist, wenn sie das Potential bedroht ist, welches sie klein halten soll, würde die Arbeitsmasse vielleicht etwas stutzig werden. Eventuell würde zunächst ein klein wenig Anarchie ausbrechen wie nach dem plötzlichen Freiheitseinbruch nach der Grenzöffnung zum Westen am 9. November 1989. Na und? Die Euphorie damals wich auch schnell einem neuen Ernst des Lebens, der darin bestand, den eigenen Hintern ins Trockene zu bekommen. Wenn jeder Leser weiß, was für ihn geschrieben ist, und dann Seins mit dem Andern vergleicht, dann wird vieles klar, wahrscheinlich auch der Grund Einteilung von Lesern in Klassen durch den simplen Zusatz „Plus“ zur Lektüre. Soll die Einführung von Lektüreklassen die Einführung oder Verfestigung von Bildungsklassen unumkehrbar machen? Dann ist Bildung das einzige Mittel, was die Herrschaft der derzeit Herrrschenden gefährden kann. Die Herrschenden sind nicht unbedingt ausschließlich die sichtbar Gewählten. Sondern Bertelsmänner, Bilderberger, IT-Teufel und Leute, die glauben, die Finanzbranche sei ehrbar, nur weil da das Wort Industrie mit drin steht. Schauen Sie sich die Rohstoffindustrie an, dann wissen Sie, was Industrie mit Ehrbarkeit zu tun hat. Wer erkennt, dass das Gerede von Migration keine Gefährdung der Lebensweise sein muss, es sei denn, sie wird nur in gefährdender Form ermöglicht, der lässt sich auch nicht vor den Karren von Leuten spannen, die Alternativen zu Rechtsstaat und Demokratie suchen. Nebenbei bemekt: Demokratie ist schon ganz gut, aber per se noch keine Menschlichkeit, trotz des Bekenntnisses zu den Allgemeinen Menschenrechten. Da haben doch Bildung, hat der Erwerb von Wissen durch Erfahrung eine lohnenswerte Denkaufgabe. Bildung gefährdet die Dummheit.

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ZUEIGNUNG: Überlegungen zu Schlagzeilen

„Überlegungen zu Schlagzeilen“

 Nein, nicht das gewalttätige Wort Schlag in Schlagzeile ist der Aufhänger dieses Beitrags. Aber wie kann ich nachweisen, dass in der Themenauswahl ein Vorrang von Wirtschaft, Sport und Promiklatsch auch in bisher als seriös geltenden Medien manipulativ tätig ist? Hat das Treffen von Dick und Doof irgendwelche Auswirkungen auf die gackernden Hühner im Landkreis Dahme –Spree sowie die Hofbewohner, die ihnen Stall und Hahn gewähren, um täglich frische Eier zu haben? Das kann im Primat der Wirtschaft nicht jeder von sich sagen. Kann es überhaupt ein Themenprimat geben? Und warum muss dann das Leitthema Wirtschaft freigehalten werden von Sport, der vom Leitthema bezahlt wird, und Promis, die sich zum Leitthema äußern? Seltsam ist es, dass dann das Buch „Die Abschaffung des Bargeldes“ wieder voll zum Thema passt, weil davon auch Hühnerhalter im Landkreis Dahme-Spree betroffen sein werden. Brauchte man schon immer statistische Mittel oder deren neue Form, die Algorithmen der künstlichen Intelligenz, um herauszufinden, was von all den Dingen und Dummheiten des täglichen Geschehens tatsächlich eine ernsthafte Auswirkung auf einen selbst haben kann? Theoretisch kann sich jeder seinen eigene Informationszeitung basteln. Praktisch ist eine kritische Meinungsvielfalt ganz hübsch zu selbstkritischen Eigenkontrolle. Und trotzdem: immer bleibt etwas ungesagt, was erhört zu werden verdient. Manchmal scheint mir, eine Zeitung müsste das Abendblatt der Schöpfung sein, die ihrer anmaßenden selbsternannten Krone kommunikativer Partner ist, der still und leise aus den untauglichen Vorgaben des Chefs das macht, was nötig ist, ohne viele Worte zu verlieren. Der Rest steht notfalls zwischen den Zeilen oder im Kulturteil.

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FEUILLETON-ZEITGEIST: Strafzölle und Vergeltungspatente

Feuilleton-Zeitgeist
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„Strafzölle und Vergeltungspatente“

Der Onkel aus Amerika und seine kesse berliner Nichte stritten sich. Onkelchen fand nämlich, dass Familie nicht gleichbedeutend ist mit Selbstlosigkeit, und wenn die kesse berliner Göre weiterhin ihr vorlautes Mundwerk nicht halten würde, würde er, Onkelchen, einfach den Preis für die Erdnussbutter auf Nichtchens Frühstückssemmel erhöhen, zur Strafe eben. Über den Preis könne man sich ja dann einigen, wenn man sich über das Prinzip klar sei. Oder ob sie, die preußische Pflanze, das etwa anders sehe?
Ja, sagte die preußische Pflanze kess. Sie sehe das anders. Aber sie sagte dem Onkel erst mal noch nichts. Sie wartete noch. Ihre neue Liebe war noch beim Onkelchen. Er war ein französischer Student, der sich niedlich bemühte, nicht nach ihrer Pfeife zu tanzen, aber irgendwie nie seinen eigenen Takt fand. Obwohl er sich wirklich sehr bemühte. Er hatte sogar dem Onkel versprochen, mit der Nicht noch mal über die Butter zu reden. Die Nichte hatte inzwischen auch eine Idee. Das war etwas ganz Feines aus den Tiefen der Geschichte, was die Nichte da für den Onkel parat hatte. Damit keiner was bemerkt, ließ sie velauten, sie arbeite ihrerseits auch an Strafzöllen. Es wurde schon berichtet, dass sie Listen führe über alle Zölle, die dem Onkel weh tun könnten. So eine kesse berliner Nichte war die Nichte, dass sie der Schmerzen nicht achtete, die sie ihrem Onkel bereiten würde. So ein undankbares Engelchen war das kleine Lieschen aus Berlin. Der einzige, der wirklich ahnte, was sie vorhatte, war ihr ehemaliger Portemonnaiehüter. Der kannte aus der Geschichte die Möglichkeit, ausländische Patente unter Verwaltung zu stellen. Der völkerrechtliche Fachbegriff hiess Vergeltungspatent. Wenn der Onkel der Nichte den Handelskrieg ansagt, nimmt die Nichte die Patente von Landsleuten des Onkels in ihrem Land und friert diese ein. Im Zweiten Weltkrieg tat dies das Reichskomissariat für die Verwaltung feindlichen Vermögens, uns personell kamen die Verwalter aus den Oberfinanzdirektionen des Reiches. Wenn sie das schafft, wird der Onkel ganz klein mit Hut, denkt die Nichte und freut sich darauf, dass ihr kleiner französischer Student noch richtig was lernen kann von ihr.

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Der Rügener Fotojunge berichtet: Der Todessturz des Kögigsstuhls

03-06-2018 Der Todessturz des Könisstuhls

 

Der Todessturz des Königsstuhls

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Sie haben es längst beschlossen, dass eines der weltweit schönsten Natur-Denkmäler, der Kreidefelsen auf der Insel Rügen, mehr Profit einbringen muss – und das gleichzeitig die Besucherzahl von jährlich 300.000 Touristen gedrosselt werden muss.
Ob Regierung, Tourismusverband, die Stadt Sassnitz, National Park oder WWF – sie brauchen alle Geld – und wie (fast) immer hört bei Geld jede Freundschaft auf und wenn es „nur“ um die Natur geht, gibt es „natürlich“ auch keine Rücksichtnahme! Noch nicht einmal der NABU hat dagegen Stellung bezogen.
Ein mit langer Hand vorbereiteter Alternativ-Bauplan (zur nicht finanzierbaren Treppe) wurde aus dem Ärmel gezaubert, der ein – schon abgestimmtes – und bewilligtes Volumen von 7 Millionen Euro umfasst, natürlich von Steuergeldern (genannt Fördergelder), da sie vor allem deren Verschwendung fördern.
Der Nationalpark Jasmund, um den es hier geht, kann stellvertretend für den „Missbrauch der Natur“ stehen. Der herrliche Buchenwald ist wegen der Verkehrssicherheit großzügig abgeholzt worden. Und jetzt kommt der Angriff (staatlich sanktioniert) auf die Kernzone dieses National-Parks. Angriff ist das richtige Wort, weil danach nichts mehr so ist, wie es war. Ein riesiger – über 40 Meter hoher Abspannmast hält die Seile, die einen 90 Meter langen und 19 Meter breiten Laufsteg tragen. Die technischen Parameter, die ich hier nennen muss, sollten jedem Normalverbraucher, Häusle-Bauer und Naturliebhaber den Schlaf rauben! In den lehmartigen Untergrund der Kreideküste werden nun 60 Meter tiefe Bohrlöcher getrieben, die von schwersten Erschütterungen begleitet werden. Niemand weiß, ob dadurch nicht das ganze Kreidemassiv ins Rutschen kommt und der Königsstuhl als Mure in die Ostsee stürzt. Käme es dazu, wäre „natürlich“ niemand verantwortlich. Notfalls geht man in Insolvenz.

ganzer Beitrag: http://www.sorgenkind-ruegen.de/plattform/bruecke_kkoenigsstuhl_2018.html

 

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