Literatur

Ab Freitag dem 18.12. bestellbar

Horizonterweiterungen

Leseprobe:

Kapitel 1: Auf den Flügeln des Flirts ins Paradies

 Die Frau im zweiten Wagen des Richtung Küste fahrenden Zuges reist alleine mit einem Wochenendticket. Sie hat die Schuhe ausgezogen. Die nackten Füße liegen auf der gegenüberliegenden Sitzbank. Die Frau sitzt in Fahrtrichtung und liest ein Buch. Ab und zu lächelt sie, manchmal runzelt sie die Stirn, weil ihr Lieblingsautor mal wieder Sätze geschrieben hat, die kompliziert oder unverständlich sind. Auf fünf mal Lächeln kommt eine gerunzelte Stirn. Das Verhältnis fünf zu eins läßt darauf schließen, dass der Frau das jüngste Werk aus dem Schaffen ihres Autors gefällt.

Während sie liest, führen ihre nackten Zehen eine Art Morgengymnastik durch. Dass der Schaffner das Abteil betritt, bemerkt sie nicht. Er seinerseits traut sich erst nicht, sich bemerkbar zu machen. Aber ewig kann er auch nicht fremder Frauen nackte Füße betrachten. „Sie haben aber gelenkige Zehen“, sagt der Schaffner. „Was ist?“, fragt sie zurück und schaut den Schaffner mit Augen so sanft wie das Meer bei leichter Dünung an.

Spielen Sie damit auch Klavier?“, fragt er und zeigt auf die Zehen.

Nee, nee, nee, das sind bloß die Sonnenstrahlen, die kitzeln so schön“.

Aber aus dem musischen Bereich kommen Sie trotzdem, oder?“

Klar, das ist mein Naturell – denn das Naturell der Frauen ist so nah mit Kunst verwandt“.

Puh, Heine. Den mocht ich schon in der Schule nicht“

Das war Goethe“

Ups“ Betreten schweigt der Schaffner und kuckt die Frau an.

Sie kucken so komisch, was wollen Sie denn?“

Ich muß noch Ihre Fahrkarte kontrollieren und stempeln“

Dann zeigen Sie mir mal Ihren Stempel und ich zeig Ihnen meine Fahrkarte“, lacht die Frau. Der Schaffner hat ein paar Schwierigkeiten, das Blatt Papier, welches Fahrkarte heißt, zwischen die Backen seiner Stempelzange zu bekommen. „Gehts nicht?“, fragt die Frau. „Doch, doch“, murmelt der Schaffner. Dann reicht er ihr den gestempelten Fahrschein zurück. „Ist ja kaum was zu sehen, ist die Tinte schon alle?“ Jetzt sagt der Schaffner nichts, aber leichte Schweißperlen treten auf seine Stirn.

Sie müssen noch unterschreiben“, preßt der Mann von der Bahn hervor. Er reicht der Frau seinen Kugelschreiber. „Nixie Hüftschwung“, unterschreibt sie auf der Rückseite des Fahrscheins. Die Bahn will das so haben, weil sie Angst davor hat, ein Wochenendticket könnte mehrfach den Besitzer wechseln und dem Unternehmen den ungeheuren Verlust von 35 Euro bescheren. Der Schaffner bleibt noch etwas stehen. „Haben Sie vor, den Rest der Fahrt in meinem Abteil verbringen?“ „Ich muss ja weiter“. „Schade“. Den Schaffner schauert es. Er sieht die nackten Füße mit den tanzenden Zehen. Er streckt seine Hand aus, um die Fußsohlen der Frau zu berühren. Sie blinzelt ihn an. „Ich hab die Schuhe nur ausgezogen, weil sie so drückten“, sagt sie. Der Schaffner zieht erschrocken die Hand zurück. Die Frau kichert leise. „Verstehen Sie was von Fußreflexzonenmassage?“ „Ich bin nur der Schaffner, Masseure stellt die Bahn nicht ein“. „So ein Pech“, lacht die Frau.

Mit wackligen Knien verläßt der Schaffner das Abteil. Es kann aber auch sein, dass er nur wegen des Rütteln des Zuges so schwankt. Frau Hüftschwung schaut dem Schaffner hinterher, als er seinen Kontrollgang fortsetzt. Wie schon oft staunt sie über ihre Wirkung auf Männer. Ein bisschen fühlt sie sich geschmeichelt, obwohl sie es gar nicht auf die Reaktion des Schaffners abgesehen hatte. Darum legt sie nun das Buch ihres Autors weg und stellt sich vor, sie hätte erst ihre Füße in die Hände des Schaffners fallen lassen können und dann sich selbst in seine Hände. In der Phantasie geht so etwas, da kann man das Vertrauen als Grundbestandteil himmlischer Sexualität voraussetzen. Weil sie in der Phantasie keine Angst zu haben braucht, kann sie sich in der Phantasie auch hemmungslos fallen lassen. Die Vorstellung, der Schaffner könnte ihre Füße massiert haben, ist ihr so angenehm wie das Kitzeln der Sonnenstrahlen an ihren Zehen. Alles könnte sie rings um sich her vergessen, nur den Moment gelten lassen, und leben. Gut, die Massage wäre nicht mit einem Stromschlag vergleichbar, aber wenn die Seele ein Saiteninstrument wäre, hätte es im Lust-und Glückszentrum des Gehirns „Binnngg“ gemacht. Wie früher, als alles noch schön war. Früher: das war, als das Prickeln noch frisch war. Als Freund und Freundin noch an eine gemeinsame Partnerschaft dachten. Seitdem das Prickeln Mittagspause hält und friedlich vor sich hin schnuffelt, zieht Nixie einen traurigen Flunsch. Heiße Tränen wecken den Schläfer nicht und laute Worte sind Nixies Sache nicht. Daher empfindet sie den zärtlichen Schläfer als zugewehtes Glück. Sie hat es trotz flüchtiger Ansätze nicht ausgraben können. Nicht einmal Emanuel Weinlaub kann ihr als Archäologe des verwehten Glückes helfen, obwohl der Vieles kann: Zuhören, Witze machen, sie zum Lachen bringen, ihr fröhliche unbeschwerte Stunden bereiten, ohne dabei in das Verhaltensschema fast aller anderen Männer zu fallen. ‘Mit Emanuel könnte ich in ein und demselben Bett schlafen, ohne Angst vor Übergriffen haben zu müssen. Und er hat immer so schöne prickelnde Ideen, die kann ich woanders hin mitnehmen, hihi. Beides mach ich aber nur, wenn das nötig ist, weil kein zweites Bett da ist und der Fußboden zu kalt ist, dass ich es Emanuel nicht zumuten kann, sich auf dem kalten Stein zu verkühlen. Hart genug hat er es ja schon selber. Aber ohne Notwendigkeit? Hm, wer weiß…immerhin…nee lieber nicht’, denkt die barfüßige Frau, die ihren Fahrschein mit Nixie Hüftschwung unterschrieben hat. ‘Am Besten, ich schick ihm gleich mal eine SMS’. Nixie Hüftschwung greift zum Handy…

Bestellung: hannesnagel@yahoo.de

 

Wenn Sie sich die Mühe machen, die beiden Ausschnitte zu lesen, darf ich Ihnen bestimmt auch mitteilen, dass ich alle beiden Manuskripte überarbeite und erweitere. Sie müssen halt der weiterentwickelten Realität angepasst werden (grins)

Leseprobe
“Omelett oder Rührei“
Verlag: Book on Demand, Norderstedt, Januar 2008
ISBN:9-78383007589

 

Armut beunruhigt zunehmend die ehemaligen Wohlfahrtsstaaten. Politische Instrumente scheinen nicht mehr tauglich zu sein, um die Verarmung aufzuhalten. Zumal das beste Mittel dagegen – Arbeit und Einkommen aus Arbeit – nicht mehr vorhanden ist. Ein nicht vorhandenes Werkzeug kann auch nicht eingesetzt werden. Die Gesellschaft muß nach Jahren des Wohlstands mit der Armut leben lernen. Sie muß es, weil sie sich darauf einstellen muß, daß die reichen Jahre für wahrscheinlich drei bis fünf Generationen unwiederbringlich vorüber sind. Ergibt sich also die Frage: Kann die Gesellschaft von Franziskus von Assisi einen würdevollen Umgang mit der Armut lernen? Es geht hier darum, aus der Vorlage einer klösterlichen Gemeinschaft eine Alternative für die übrige Gesellschaft zu finden. Insbesondere erscheint dies als eine interessante Denkübung, weil einerseits immer mehr Menschen in Armut sinken und andererseits keine praktikablen und menschenwürdigen Modelle bestehen, diese Armut als lebenswerte Daseinsform anzunehmen. Zurzeit ist der offensichtliche Verarmungstrend nicht zu stoppen und nicht erwünscht. Erwünscht ist lediglich der Reichtum Einiger; aber daß der Reichtum der Einen mit der Verarmung der Anderen zusammenhängt, wird „in der Politik“ fast schon ideologisch-neurotisch ausgeblendet. Noch etwas wird ausgeblendet: Die Passivität „der Gesellschaft“. Immer nur auf die Politik zu schimpfen ist genauso dumm wie das Warten auf eine Putzfrau, weil der Flur mal gewischt werden müßte. Wenn doch aber keine Putzfrau kommt? Irgendwer muß ihr doch sagen, daß der Flur gewischt werden muss? Und weil eben keine Putzfrau kommt, um den Flur zu wischen, und von der Politik auch nichts mehr viel Gutes zu erwarten ist, muß es Möglichkeiten geben, „das Leben“ selber in die Hände zu nehmen, das heißt, es genau dort menschenwürdig zu gestalten, wo Verwaltung, Wirtschaft, Behörden und Gesetzgeber versagen…

Das komplette Buch können Sie für 9,80 Euro bei Book on Demands bestellen

Leseprobe
Übrigbleibende Wege“
Verlag: Book on Demand, Norderstedt, Juli 2008
ISBN:9-78383-053449

Das Volksgefängnis, auf das moderne Staaten zusteuern, ist eine seit dem Ende des 18. Jahrhunderts existierende Vision eines Mannes namens Jeremy Bentham. Es gibt für alles, was ist und erforscht wird, Fachausdrücke. Für die vorauseilende Anpassung des Verhaltens infolge eines unbestimmten, nicht nachweisbaren Beobachtungsgefühls heißt der Fachausdruck Panoptismus. Im großen Fremdwörterbuch des bibliographischen Institutes Leipzig stand 1977 das Adjektiv „panoptisch“. Es bezieht sich auf das von Jeremy Bentham erfundene „panoptische System“: Funktionslösung im Gefängnisbau, die es ermöglicht, von einem zentralen Punkt aus alle auf einer Ebene strahlenförmig angeordneten Flure zu überblicken. Auch Bentham verfolgte nur das an sich edle Ziel, Kriminnalität zu verhindern und die Menschen zu erziehen. Wie sieht Ihrer Meinung nach ein mündiger Bürger aus? So, also „panoptistisch“ erzogen? Oder doch anders, zum Beispiel „zivilcouragiert“? Das staatliche Volkspanoptikon soll es nun der Polizei ermöglichen, jeden Bürger zu jeder Zeit lückenlos kontrollieren und gegebenenfalls bestrafen zu können. Das wäre die Perfektion der Sicherheitspolitik. Perfektion ist einer der Trends der gegenwärtigen Entwicklung der Gesellschaft. Also kann es in der Sicherheitspolitik nur um freiheitsbeschränkende Maßnahmen gehen Foucault meinte sogar, daß körperliche Gewalt des Mittelalters als Bestrafung „heutzutage“ (Foucault starb 1984) von psychischer Gewalt abgelöst ist. Daher kann geschlußfolgert werden, daß die Fernsehgewalt in der Annahme gezeigt wird,den Bürgern eine Art „Ersatzgewalt“ zu zeigen, weil sie sich ja nicht mehr an öffentlichen Auspeitschungen, Rädern, Scheiterhaufen, Quälereien jeglicher Art bis zum finalen Abhacken des Kopfes „ergötzen“ können. Foucault schrieb, so wie da öffentliche Zerlegen des lebendigen Körpers die medizinischen Kenntnisse der Anatomie vorangebracht hätte, so diene der moderne Strafvollzug der Erforschung dessen, was einem Menschen seelisch angetan werden könne….
Das komplette Buch können Sie für 9,80 Euro bei Book on Demands bestellen

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