BARON VON FEDER: Berufswunsch Dissident

BARON VON FEDER

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„Berufswunsch: Dissident“

In den 80er Jahren waren Dissidenten in der DDR sehr geschätzte Gesprächspartner aller zuständigen Organe vom Rat der Stadt oder des Kreises, die Abteilungen Wohnraumlenkung, Energieversorgung und der Staatliche n Versicherung bis hin zu den Kulturabteilungen im Kulturbund und seinen Sektionen. Mittendrin tummelten sich die Deutsche Volkspolizei, die Abschnittsbevollmächtigten, und erst, wenn diese nicht mehr klar kamen, die gehobenen Fallmanager der besonders wachsamen Beobachter des BBKF. BBKF heißt “Bitterböser Klassenfeind“. Alle diese Organe mit ihren jeweiligen Teilbereichszuständigkeiten hätten keine der ihnen gestellten Aufgaben ohne Mitwirken der Dissidenten erfüllen können. Immer, wenn die vielen Zuständigen in ihren Zuständigkeitsbereichen nicht mehr weiter wußten, besuchten sie die Dissidenten. Sie besuchten sie beim Lieben, beim Teetrinken, beim Schwimmen im See, beim Singen und Gitarrespielen auf einem Zeltplatz und auch bei der Arbeit am Arbeitsplatz. Händeringend baten sie die Dissidenten um Begleitung zur Klärung eines Sachverhaltes. Ohne Dissidenten ging damals gar nichts. Kein Sachverhalt hätte je geklärt werden können ohne die Mitarbeit von Dissidenten.

Viele hätten es für sich wunderbar gefunden, auch einmal so gefragt zu sein wie die Dissidenten. So entstand der Berufswunsch Dissident. Das Berufsbild des Dissidenten zeigte Experten, die Tabellen und Diagramme zu Zustand der Natur lesen konnten. Vereinfacht gesagt: Die Laborbefunde des Patienten Umwelt waren für die Dissidenten lesbar, während die zuständigen Organe die Dissidenten fragen mussten, woher die Daten stammten und was sie ausdrücken können. Das Berufsbild Dissident zeigte darüber hinaus Fachgutachter und Sachverständige. Sie alle verstanden Dinge, die die Zuständigen Organe zur wahrnehmung ihrer Zuständigkeit hatten verstehen müssen. Sie aber, welche verstanden, waren nicht zuständig, und wer nicht zuständig ist, dem ist das Handeln im Zuständigkeitsbereich untersagt.

Es gibt keine Ausbildung zum Dissidenten. Eines Tages ist man es oder nicht. Kein Dissident kann weder Befragern noch sich selbst erklären, wie er Dissident wurde.

Man wird nicht als Dissident geboren. Man wächst da hinein, wenn die Umstände diese Entwicklung begünstigen. Dissident zu sein ist eine Charaktersache, die mit Zivilcourage zu tun hat.

Wenn man merkt, dass man Dissident ist, hat man die stufe der Unzufriedenheit schon längst hinter sich gelassen und eine Fülle von Ideen, Vorschlägen oder Handlungen vorzuweisen, die sich konstruktiv kritisch mit Möglichkeiten zur Reparatur von Schäden an der Gesellschaft vorzuweisen.

Weil Dissidenten freie konstruktive Kritik liebten, hatten sie meistens ein Faible für FKK.

Am 26. Oktober 2020, 18.30 Uhr, waren wieder NATO-Flugzeuge im Tiefflug über Neustrelitz zu sehen, die den nächsten Überfall auf Russland übten. Der Himmel soll frei von Mordgeräten sein.

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