BARON VON FEDER: Humor ist Ehrensache

BARON VON FEDER

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„Humor ist Ehrensache“

Am Sonntag, dem 16. August klingelte das Telefon. Die Stiftung Engagement und Ehrenamt war auf mich aufmerksam geworden. Ob ich wohl am Mittwoch, dem 19. August, zum Vorstellungsgespräch in Neustrelitz sein könnte? Eventuell hätte ich ja auch eine Webcam am Computer, dan könne mit man sich ja auch digital begutachten, sagte der Gründungsvorstand der Stiftung. „Nee, nee“, schmalzte ich zurück, „ich mags lieber real visavis.“

Ich also los an dem Mittwoch. Die Büros der Stiftung befinden sich, solange die Dienstvilla noch nicht bezugsfertig ist, in einem Gebäudekomplex, welchen sich Landratsamt, Arbeitsamt, Kraftfahrzeuggszulassungsstelle und Sozialpsychiatrischer Dienst teilen. Ich konnte aus dem Fenster des Büroraumes, in welchem das Gespräch stattfand, direkt auf den Schreibtisch meiner Sachbearbeiterin im Arbeitsamt kucken. Sie war nicht da, vermutlich wegen Corona. Aber ich bitte Sie: Corona ist doch kein Grund, ein Lineal auf halb acht liegen zu lassen statt es ordemtlich horizontal oder vertikal oder in einer dafür vorgesehenen Ablageschale abzulegen. Also bitte. Etwas Kultur tut immer gut. Das Gespräch jedenfalls lief betraf sogar schon den möglichen Starttermin, die avisierte Gehaltsvorstellung und die noch notwendigen, einzubeziehenden und mit dem aktuellen Dienstplan zu koordinierenden gesundheitlich anstehenden Termine. Das sei alles kein Problem sagte der Gründungsvorstand und äußerte sich noch über die erste Aufgabe, an der ich beteiligt sein würde. Es war wie ein Vorab-Briefing, damit zwischen Arbeitsvertrag und Jobbeginn keine Anfangsholpereien auftreten. Es wäre dann bloß noch das Gehalt zu klären (ungefähr 1.600 Brutto), der Arbeitsbeginn (Anfang Oktober) und die Tatsache, dass außer mir noch 799 weitere Personen diese Stelle ergattern wollten.

Schon am Samstag, dem 29. August, lag im EMail-Postfach ein Schreiben von der Stiftung. Mit einer Absage kann man leben, über Unhöflichkeit aber darf man sich mit ehrlichen und zum Teil humoristischen Formulierungen äußern. denn gerade in einer Stiftung für Engagement und Ehrenamt sollten sich Stiftungsräte, Vorstände und Schirmdamen-und Herren bewusst sein: Humor ist Ehrensache. Die Unhöflichkeit bestand darin, mich zuerst mit der Begründung einzuladen, dass die Bewerbung ausgesprochen gut in die Stellenbeschreibung passt und das Gespräch diese besondere Eignung aufgrund der politisch-konzeptionellen Kenntnisse der Umwandlung des Minilohnsektors in ein Ehrenamt mit Lebenserhaltungsaufwandsbonus noch ausdrücklich unterstreicht.

Das Arbeitsamt hat darauf angeboten, nach einer noch zu absolvierenden REHA zur Beseitigung der Erkrankungsfolgen, die die Arbeitslosigkeit erst verursacht hatten, mich systematisch nacheinander gegen Mindestlohn für jeweils ein Jahr in den „Partnerbetrieben“ des Arbeitsamtes unterzubringen.

Humor ist eben Ehrensache.

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