BARON VON FEDER: Abhängig vom Einkommen

BARON VON FEDER

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„Abhängig vom Einkommen“

Quelle: Eigenes Denken

Lebensqualität und Lebensweise hängen von den Gestaltungsmitteln ab. Schon ein kleiner Tapetenwechsel in eine andere Stadt, eine andere Gegend oder wenigstens raus in die Natur wirken wie eine Horizonterweiterung. Das ist nicht jedem vergönnt. Die Standortkommandantur hat gesagt: Ortsabwesenheit ist sowieso nur zur Aufnahme einer sozialversichreungspflichtigen Beschäftigung erlaubt. Ob das stimmt, lassen wir hier mal dahin gestellt sein. Es kann auch sein, dass die per Schnellkurs geschulten Sachbearbeiter die Gletscherspalten auf den eiskalten Höhen der Sozialgesetzgebung gar nicht begriffen haben können, weil auch sie benso wenig dazu in der Lage sind wie die Opfer am unteren Ende des Schreibtisches. Viele gibt es, die hatten vor kurzem auch noch Anträge in eigener Sache ausfüllen müssen. Jetzt sind sie die etwas besser gestellten KAPOs im selben Würdegefängnis. Sie haben lediglich ein paar prekäre Befugnisse mehr. Ein Fehler oder eine menschliche Regung – und schon kann das Privileg futsch sein und der Sachbearbeiter wieder Antragsteller.

Unabhängigkeit vom Einkommen gibt es nur auf zwei Arten: Alles oder Nichts. Wer soviel hat, dass er es nie im Leben verbrauchen kann, hat ausgesorgt. Emsig und diskret arbeitet eine Vermögensverwaltung dafür, dass die Familie immer auf indestens zwei Generationen voraus finanziell unantastbar ist. Man darf nur nicht seine Vermögensverwalter verärgern. Solcher Ärger endet, wie manch Krimi zeigt, in Mord und Totschlag. Die andere Form der Unabhängigkeit ist die Freiheit von jeglicher Habe. Wenn ein Dichter sich erstmal den Ruf erarbeitet hat, Rechnungen in Hotel und Restaurant mit einem Gedicht oder idealerweise mit einem Fortsetzungsroman zu bezahlen, genösse auch der ärmste Poet eine fürstliche Horizonterweiterung.

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