Baron von Feder: Die Strömung reißt, gemächlich reist der Mensch

„Die Strömung reißt, gemächlich reist der Mensch“

Auszeit, Pause, Atem holen, um sich des eigenen Tuns bewusst zu werden, nennen manche Entschleunigung und manche Meditation. Aber zu beiden Begriffen gehen wie Seiten im Internet mit ungefragter gekaufter Anpreisung von Sachbüchern, Trainern, Coaches, Therapeuten oder anderen Experten im echten Leben Assoziationen auf. Man erfährt nicht, was Entschleungiugng ist, aber man bekommt einen Link, um sich ein Buch zu kaufen, von dem nicht gewiss ist, ob es die Antwort auch enthält. Manchmal kommt man von einer Strömung gleich in den nächsten Sog statt ans Ufer, an welchem man gerne verschnaufen möchte. Vom Leben muss man nicht verschnaufen, aber von manchen willkürlichen und leider mitmenschgemachten künstlich erschaffenen Bedingungen. Das sind vor allem Arbeitswelten und die damit verbundenen Sozialwelten. Die Strömung reißt, gemächlich reist der Mensch. Wenn man dort verschnaufen mus, dann muss das Verschnaufen so einfach sein wie das Nein von Egon Matthiesens Affen Oswald. Die Affen in der

Versgeschichte „Der Affe Oswald“ hatten einen Oberaffen. Er war ein echter Fiesling. Wollte jemand schlafen, befahl der Alte Zweige zu sammeln, wollte jemand essen, nahm der Alte alles an sich und teilte seinerseits die Rationen zu. Alle Rationen waren immer ein Stück kleiner als der normale Mindestgrundumsatz für heranwachsende und etablierte Affen. „Etabliert“ bedeutete bei den meisten Affen, die Wünsche ihrer Jugend bedingungslos mit den Vorgaben des Oberaffen arrangiert zu haben. Keiner fühlte sich wohl dabei. Aber en Heranwachsenden Affen erklärten die Etablierten Affen, es sein Vernunft und Dienst am Gemeinwohl, die frühen Ideale gegen die Unterordnung zu tauschen. „Bei uns dient jeder Affe dem Gemeinwohl“, sagte der Oberaffe. „Warum nur dem, Euer Gemeinwohl?“, fragte der kleine Oswald, denn er war noch ein sehr kleiner heranwachsender Affe, dem solche Fragen nicht übel genommen wurden. Die Eltern aber wurden verwarnt. Das war der Moment, als Oswald mitten in die weitere Rede des Oberaffen hinein nur ein einziges Wort sagte, und schon war der Bann gebrochen, in dem sich die Affengesellschaft befand. Oswald sagte: Nein. Der Oberaffe fiel vor Schreck aus der Astgabel, in welcher er sein Gesäß zur dauerhaften Bequemlichkeit platziert hatte. „Wieso Nein?“, fragten die etablierten Affen den heranwachsenden Affen Oswald. „Weil es nicht reicht, zu sagen, der Alte steht im Mittelpunkt. Man muss auch seinen Namen nennen. Und wer den Namen nennt, kennt auch die Falschheit der Lehre.“
„Da hat er recht“, sagten die etablierten Affen. Und wensn sie fortan einem Oberaffenplan zustimmen sollten, warteten sie nicht, welche ihrer Entscheidungen als gut schlecht, richtig oder falsch von dem Oberaffen bewertet würden, sondern ließen sich von der Frage leiten: „Welche Auswirkungen hat die Entscheidung auf unser Leben, und gehen wir durch eine Zustimmung eine durch nichts zu begründende Abhängigkeit von Oberaffen ein?“

Und das ganze Affenvolk rief wie Oswald: Nein, nein, nein.

Der Oberaffe schlich von hinnen.

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