BARON VON FEDER: Briefe vom Arbeitsmarkt (Dezember 2018)

BARON VON FEDER

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 Briefe vom Arbeitsmarkt (Dezember 2018)“

 Liebe Gefährtinnen und Gefährten der Hartz-Vier-Klasse, unser aller Elend hatte begonnen, als Gerhard Schröder in sozialdemokratischer Tradition offen Wählerverrat beging und mit Peter Hartz, Franz Müntefering, Ulla Schmidt, Wolfgang Clement, willfährigen Intellektuellen, der Bildzeitung und gesellschaftlich Verantwortungslosen Lobbyisten im Gefolge Minilohnsektor und unentrinnbare Hartz-Vier-Armut planmäßig zielbewusst herbei führte. Das sein Vorgänger Kohl den Boden bereitet hatte, ist beinahe egal, wenn man bedenkt: Der Boden war bereitet, aber nicht bestellt und brachte auch noch keine bittre Frucht hervor. Die rot-grüne Aussaat des Sozialabbaus brachte dann den jeweiligen Regierungen und Koalitionen von Frau Angela Merkel eine satte Ernte ein. Satt jedenfalls für die Neoliberalen, nicht sättigend für die, die von den blühenden Landschaften von Herrn Helmut Kohl nicht einmal die Knospen gesehen haben. Ein Grund zum Erntedankfest liegt mithin nicht vor, wenn Frau Merkel nach ihrer letzten Ernte nicht noch mal an der Spitze eines Erntekommandos in die Ernteschlacht zieht. Es wird jemand anders ziehen – im Theater bleiben „Die Räuber“ „Die Räuber“, auch wenn sich die Rollenbesetzung ändert. Auf die Besetzung kommt es nicht an. Sie alle haben ja schon mal gespielt, man kennt ihre Stärken und Schwächen. Nur die Braunen Chargen, die vom Statisten zur Hauptrolle wollen ohne die wunderbare Vielfalt zu achten, die überall in Welt und auch auf Bühne das Menschsein bedeutet, die maßen sich an, sie könnten das Schauspiel von oben aus lernen. Nun sind sie aber sehr stark in allen Landesparlamenten drin. Liebe Gefährtinnen und Gefährten, das ist kein Grund zum erwartungsvollen Wedeln mit dem Schwanz, denn von der Alternative zu Rechtsstaat und Demokratie werden keine Leckerlies und erst recht keine Arbeitsplätz oder Lohnerhöhungen kommen. Höchstens Zwangsarbeitsplätze mit Taschengeld. Soll ich jetzt Reichsarbeitsdienst sagen? Ich lass es lieber, sonst gibts noch Ärger. Nicht mit den Nazis, denen glaube ich nicht einmal den Ärger, den sie eventuell verbreiten könnten. Denen glaube ich nur, dass sie dumm genug sind, soziale Spannungen der Gesellschaft mit der Ursachenvorstellung Migration zu erklären in Verbindung mit der Einführung des Begriffs „politischer Gegner“, den sie vernichten wollen, weil sie sich von der kulturell segensvollen Meinungsvielfalt der Gesellschaft bedroht fühlen. Worin bedroht? In ihrer Engstirnigkeit? Bildung erweitert den Horizont, Lesen gefährdet die Dummheit, und Textrollen am Theater bekommt man nicht als Statist.

 

 

Haltet Durch

Euer Baron von Feder

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