BARON VON FEDER: Zueignung Oktober 2018

ZUEIGNUNG

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Immer im Oktober ist es, dass ich an Fontane denke. Obwohl ich lieber Boskopp statt Birne esse. Boskopp, Walnuss, Schafskäse ist etwas ganz Feines. Davon ein Salatschüsselchen zum Abend kann nur Nutzen sein. Man kann diesen Salat sogar noch mit Minitomaten kombinieren. Minitomaten haben die Größe einer herkömmlichen Halorenkugel, aber sie enthalten keinen Zucker, kein Fett und keine Schokolade. Man hat sogar noch lange nach dem Genuss eine angenehme Empfindung an Zunge, Gaumen, Rachen. Die goldene Herbsteszeit genießt sich selbst mit Buch, Meer, Stille und den Früchten, die in Verzückung auf den Moment ihrer edelsten Erfüllung warten. Die Kürbisse sind noch ein wenig misstrauisch. Sie erinnern sich, dass ihre runde Form manchen an einen Hintern erinnert, nd dann finden es Kürbisse nicht lustig, wenn man sie dort hinein piekt. Der Herbst ist auch die Zeit der Getränkegewinnung aus Obst. Viel Geheimnis wird um einen immer im Herbst durch die Ernte ziehenden Fremden gemacht. Der Fremde heißt Herr Hefe und und erzählt dem jungen Most solange betörende Geschichten, bis der Most sich mit der Hefe einlässt. Schon am Morgen danach blubberts in ihm, und der Most denkt: Aber von einmal, da kann es doch nicht sein? Es ist aber oft schon von einmal gekommen und nun hat man als Mostverantwortlicher zwei Möglichkeiten: Man schimpft mit ihm und macht ein ansonsten vielversprechendes Leben zum Essig. Oder man sagt dem Most: Na dann ist es eben jetzt so, und macht ein vielversprechendes Leben zum Edlen Tropfen. Das ist der Zauber des Herbstes, und wenn eines Tages die Haare Grauen wie dem Morgen, dann schnalze mit der Zunge, fühle Boskopp, Walnuss, Schafskäse und Tomate, und träufle einen edlen Tropfen über Deine Lippen.

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