BARON VON FEDER: Briefe vom Arbeitsmarkt (Februar 2018)

BARON VON FEDER

„Briefe vom Arbeitsmarkt (Februar 2018)“

Liebe Gefährtinnen und Gefährten aus der Hartz-Vier-Klasse, heute möchte ich Euch von Markt und Aufstieg erzählen. Manche zeigen, dass sie einen Aufstieg wollen, andere zeigen es nicht, aber man spürt es und es gibt manche, die wissen es noch gar nicht. Alle drei bilden eine verschworene Gemeinschaft. Denn irgendwas eint sie bereits jetzt: Besonderes Wissen oder besondere Aufgaben, zu denen sie heran gezogen werden, aber nicht alle. Da ist es schön, wenn so etwas nicht ohne gegenseitige Zerfleischung vor sich geht. Jeder ist bereits durch den Mist von Kundenbeschimpfungen gegangen, die man geduldig erträgt. Und zwar um zu lernen: Menschenkenntnis, Selbstbeherrschung und Fachwissen. Manchmal kommt es einem vor, als wären Kunden bezahlte Sparringspartner aus der Hölle, um den jungen aufstrebenden Fachkräften Berufserfahrung zu vermitteln. Neulich war ein Kunde da mit einem Akzent aus Tausendundeiner Nacht. Der behauptete von sich, er spräche sehr gut deutsch. Wenn ich ihn also schlecht verstünde, so läge das an meinen Srachkenntnissen. Er wolle daher sofort mit jemandem reden, der deutsch spricht oder eine andere Sprache, in der er, der Mann aus dem Morgenland, sich verständlich machen könne. Ich war mal Sprachlehrer, wisst Ihr, und daher hab ich auch eine engelsgleiche Geduld mit diesem schwierigen Schüler aufgebacht. In seine Zeugnisbeurteilung würde ich schreiben: Er spricht schon sehr geflossen deutsch, nur manchesmal bricht er noch etwas Rad.

Ich hab das Lehrerbeispiel erwähnt, um zu sagen, dass man aus fast allem was man jemals gelernt hat gutes machen kann und will und man dazu auch den nötigen göttlichen Beistand bekommt, wenn man sich nur auf sich selbst und Gott verlässt. Vergleicht mal das evangelische Glaubenskenntnis in den Worten des Pfarrers Dietrich Bonhoeffer: Ich glaube dass Gott aus allem, auch aus dem Schlimmsten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür benötigt er UNS. er gibt uns die Kraft, alles zu erreichen. Aber er gibt uns die Kraft nicht im Voraus, sondern wenn es nötig ist, damit wir uns ganz auf ihn verlassen.

Dietrich Bonhoeffer wurde wegen Mitwirkung am Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 von der deutschen Henkerjustiz getötet.

Von manchen Erfahrungen im Leben verstehen wir erst dann, wenn sie gebraucht werden, welchen Sinn es hatte, dass wir sie machten. Heute ist es kein Trost , wenn man immer noch in der Hartz-Vier-Gosse steckt, morgen ist es vielleicht schon das Wissen, eine schönere Gegenwart zu bauen mit Tragfähigkeit bis in die mehr oder wenige ferne Zukunft. Also das Wissen dafür, die Utopie in der Gegenwart beginnen zu lassen, ohne den Reiz der Zielsetzung zu entzaubern.

Selbst militärisches Tötungswissen lässt sich noch nutzbar machen, indem man bewusst zum aktiven Pazifisten wird, für den Demokratie nicht wehrhaft sein soll, sondern friedensfähig.

„Der Ruhm ist nichts, die Tat ist alles“ – Goethe, zweiter Teil

Haltet durch

Euer Baron von Feder

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