BARON VON FEDER: Briefe vom Arbeitsmarkt (November 2017)

BARON VON FEDER

„Briefe vom Arbeitsmarkt (November 2017)“

Liebe Gefährtinnen und Gefährten aus der Hartz-Vier-Klasse, tie wichtigste Lehre aus den ersten fünf Monaten Arbeitsmarkt heisst: Ein Verkaufsstand ist kein Ladengeschäft und der Weg dahin eine Illusion, die von den Ladengeschäftsbesitzern genährt wird, um die Standbetreiber auf einen aussichtslosen Weg zu schicken, der sie verschleißt. Eine neoliberale Teufelei, wie im Kabarett „Die Anstalt“ am 07. November 2017 gezeigt wurde. Die haben viel Wissen und ein gutes Talent, es rüber zu bringen. Man wundert sich, dass sie das noch dürfen, aber diesmal haben sie die Frage gleich mit beantwortet: Weil niemand die Zusammenhänge glaubt. „Die da oben“, die noch viel oberer sind als wir hier unten es uns überhaupt vorstellen können, lachen nur. Der Geist, der nicht die Bodenhaftung verliert, reicht nicht so weit nach oben, um dort den Leuten gefährlich zu werden. Und mit dem Witz ist es genau so. Viele Menschen sehnen sich sozusagen nach der Verfolgung von Witz und Geist, nur um zu spüren, dass Witz und Geist irgendetwas bewirken. Der Siegeszug der neoliberalen Teufel mit einem tyrannischen Satan als Führer scheint durch nichts zu erschüttern zu sein. Nicht einmal durch den Terror. Obwohl Terror die Sprache des Protests und der Reaktion des Teufels ist. Hier kehrt der Wunsch nach Verfolgung um und bemerkt, dass er ja beinah dem Teufel auf den Leim gegangen wäre. Witz und Geist machen kleine Schritte, in die der Teufel mit seinem Stinkfuß nicht hinlatschen kann. Und wo der nicht ist, können wir sein. Denn irgendwer ist immer. Vakuum gibts nicht. Was genau wollen wir eigentlich ändern? Sagt mal: Ist denn das Ladengeschäft unser Ideal? Oder müssten wir dazu in teufelsfußgrossen Stiefeln übers Pflaster knallen wie ein Leutnant mit 5 Mann, die früh um vier einen Dichter ausm Bett zerren wollen? Ist es wirklich unsere größte Freude, Standbetreibern auf dem Markt Weisungen zu erteilen, die diese sich in uneren Ladengeschäftskontoren abholen müssen? Und wenn wir schon kein eigenes Ladengeschäft besitzen: Wozu brauchen wir dann die Anstellung in einem solchen, wo wir dann die Angelegenheiten der Standbetreiber besacharbeiten? Gefährtinnen und Gefährten, die uns besacharbeiten sind eigentlich noch die gleichen Standbetreiber auf dem Markt wie wir – nur vom Stinkfuß-Teufel etwas besser gestellt. Ich wünsche mir eigentlich nur, dass jeder, der sich etwas erschafft, dies auch erhalten kann. Das geht ohne anderen das Existenznotwendikum zu nehmen.

Denn nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss.

Alles Goethe –

Haltet durch

Euer Baron von Feder

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