BARON VON FEDER: Briefe vom Arbeitsmarkt (November 2017)

BARON VON FEDER

„Briefe vom Arbeitsmarkt (Oktober 2017)“

Liebe Gefährtinnen und Gefährten aus der Hartz-Vier-Klasse, langsam verstehe ich Menschen, die nach der Arbeit zu müde zum Lesen sind oder sonst ihr gesellschaftliches Interesse verlieren. Wenn die dann aber mehr denken und spüren als ich habe ich verschämt das Gefühl, im innersten zu versagen. Und dann hör ich die Teufel vom Arbeitsamt singen, weil sie meinen, sie könnten über einen Entkkömmling triumphieren, von dem sie mit der Sicherheit der hierfür geschaffenen Gesetze glauben, in jederzeit wieder dahin zu bringen, wo ihr, liebe Gefährtinnen und Gefährtinnen, nur bittere Tränen als Würze zum kargen Mahl habt. Soll sich jeder wirklich nur für sich selbst anstrengen und die Möglichkeiten aus den Augen verlieren des andern Last zu tragen? Aber liebe Gefährtinnen und Gefährten, wenn das so ist, hab ich was falsch gemacht.

Liebe Gefährtinnen und Gefährten, ich habe trotz allem etwas sparen können. Wollen wir zwischen Weihnachten und Silvester oder gar von Weihnachten bis Silvester  mehrere Gastmahle feiern? Einmal Frühstück in Form von „Brunch“, einmal Mittag, einmal zum Abend und ein Knabberbuffet mit Obst und so? Silvester als Stil-Vester? Mit auswärtiger Übernachtung? Ich wünsch es mir sehr, denn frei ist man nur in der Gesellschaft von Freien. Der Markt, selbst wenn er geordnet ist, ist kein Ort der Freiheit. Man wird jederzeit darauf hingewiesen, dass man sehr viel zu verlieren hat, wenn man die Regeln nicht einhält. Der Eintrittspreis erwies sich als Beitragsgebühr zwischen zwei möglichen aufeinander folgenden Kündigungsterminen. Das gilt auch für solche Marktteilnehmer, die es von der Marktbude zum Ladengeschäft gebracht haben. Das Fundament der Freundlichkeit ist hier das Mißtrauen, und so ist sie dann wohl auch zu bewerten. Man kann nur sich selber trauen. Allen andern darf man nichts sagen, was als Schwäche ausgelegt werden kann. Und so bleiben auch fröhliche und kollegiale Momente der Anerkennung am Ende etwas oberflächlich. Die Mindestverweildauer auf dem Markt muss so groß sein, dass man vom Ersparten ein Jahr lang leben kann, ohne wieder in die Hartz-Vier-Knechtschaft zurück gezwungen zu werden. Unterstützung erfährt man solange, wie man berechtigte Hoffnungen auf weitere Brauchbarkeit weckt. Aber die muss ehrlich sein. Ein Bluff auf dem Markt ist etwas für Teilnehmer, die bluffen können. ich habe das nie gelernt und will es auch nicht. Denn bluffen passt nicht zum ehrlichen Arbeitsethos, welches als Ziel noch den Nutzen der Gemeinschaften zun Wohle aller und der Gastfreundschaft kennt. Lasst mich wissen, wie Ihr Euch unsere „Klausurtagung“ vorstellt. Dann bereite ich alles vor. Wir sehn uns und pfeifen auf neoliberale Pfeffersäcke mit ihren nützlichen Idioten.

Haltet durch

Euer Baron von Feder

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