DER RÜGENER FOTOJUNGE: Demokratie als Mißverständnis

von KLAUS ENDER, Rügen
Demokratie – als Mißverständnis

Die politische Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, dass sich viele Bürger nicht mehr von den Politikern verstanden fühlen und auch nicht glauben, dass sich durch Einsicht etwas ändert.

Weil kritische Leserbriefe von der Tagespresse oft nicht mehr veröffentlicht werden, wächst die Zuwendung zum Internet – in der Hoffnung – auf eine breite Leserschaft.

Weil ich auch zunehmend einer „Zensur“ zum Opfer falle; Beiträge nicht – oder verfälscht – gebracht werden, zu kritische Fotos ausgetauscht werden, wende ich mich zunehmend von der Presse ab.

Mir ist es egal, ob einem übereifrigen Chefredakteur die Meinungsfreiheit nicht passt, oder ob es von „ganz oben“ eine Anweisung gibt – für mich ist bedrückend, dieser Entwicklung ausgeliefert zu sein.

Ich bin nicht 78 Jahre alt geworden, um noch einmal so bevormundet zu werden, wie es in der DDR an der Tagesordnung war.

Ich habe seit 1966 meine Zulassung als Journalist – und werde das, was einen ehrlichen Journalismus kennzeichnet, stets beherzigen. Eine ehrliche Widergabe der Wirklichkeit in Wort & Bild – ohne Ansehen der Person oder einer Gefälligkeit zu berichten. Bei diesen Reportagen fiel mir auf, dass (zu) viele Bürger
besorgt sind, wenn sie ihre Meinung zu einem kritischen Problem sagen sollen, die dann veröffentlicht wird.

Zwei Drittel von ihnen können nicht über ihren Schatten springen,- sie sind besorgt, dass ihnen daraus  Nachteile erwachsen! Ich halte diese Tatsache für Besorgnis erregend – weil uns offiziell aufoktruyiert   wird, dass die Demokratie stets beachtet wird. Meine Erfahrung sagt mir; „beachtet ja – geachtet nein.“ Die alten (und) neuen Ängste der Bürger haben ihre Ursachen.Sie sind  nicht nur als Wähler verloren – sie werden latente Gegner der Demokratie, weil sie unter dieser real nicht existierenden Demokratie leiden. Sie suchen manchmal „rechts“ der Mitte nach dem, der ihnen zeigt, „wo es lang geht “ und manche suchen Seelenverwandte im zeitgemässen Internet. Ich gehöre dazu, denn Verbesserungen und Wendepunkte werden nicht von gleich geschalteten Medien oder Lobbyisten der Politik geschaffen, sondern von klugen Kritikern und kontrovers denkenden und unbeqemen Menschen.

Ich denke dabei an Vaclaw Havel, der Gefängnis, Studienverbote und Verfolgung hinnahm, um seinem Volk zu dienen. Er sorgte sich auch über die Entfremdung des heutigen Menschen von seiner Lebenswelt ( der Idealvorstellung des Menschen auf Erden). Ihr gab er die Schuld an der grenzenlosen Umwelt-Zerstörung. Die – durch die Wissenschaft hervorgerufene, Technisierung der Ökonomie hat diesen Zustand erzielt. Nach Havels Meinung ist eine auf Lügen aufgebaute Gesellschaft, Schuld an der Situation, dass Worte ihren Sinn verlieren, so wie im einstigen Ostblock das inflationär gebrauchte Wort Frieden. Ich füge (für mich) hinzu, dass es bei uns das Wort Demokratie ist, das seinen Sinn verliert

weil sich jeder dieses Wortes bedient, der von vornherein ausschließen will,dass man ihn des undemokratischen Verhaltens beschuldigt. Und davon gibt es eine ganze Menge. 

Leider hat das Internet – wie jedes andere Medium auch – an Glaubwürdigkeit verloren, und bräuchte ein unumstössliches Maß an Ethik. Aber mit der notwendigen Kontrolle käme Mißtrauen und Mißbrauch  – in jeder Form hinzu –  so dass uns nur wie den Politikern  auch – die Alternative bleibt, sich ein neues Volk – und uns Usern ein anderes Internet zu wählen.   

Aber bis dahin bleibt uns der Apell; Beachtet die Würde des Menschen, schliesst wahre Freundschaften, kritisiert das Notwendige und seid menschlich – auch zu  

den Tieren!   

 Klaus Ender

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