BARON VON FEDER: Briefe vom Arbeitsmarkt (1)

BARON VON FEDER

„Grüße vom Arbeitsmarkt“

Liebe Gefährten aus der Hartz-Vier-Klasse,

ich möchte Euch heute wie versprochen meine ersten Eindrücke vom Arbeitsmarkt schreiben. Was mich am alllermeisten erstaunt hat ist die Freundlichkeit und Kollegialität im Umgang miteinander. Das lustlose Gemecker vom Arbeitsamt ist vorbei wie ein böser Traum. Ich kann Euch natürlich nicht sagen, ob das überall so ist, hier an meinem derzeitigen Aufenthalt ist es jedenfalls so. Un d wenn einer am Anfang Schwierigkeiten hat, wird der mitgezogen wie damals in den sozialistischen Brigaden der DDR. Obwohl die hier auch nicht nur aus Nachsicht bezahlen, weil man 15 Jahre seines Lebens beschissen wurde. Liebe Gefährten, als die Firma das erste mal Sterntaler rieseln ließ, hab ich geweint. Einmal vor Glück, und einmal vor Leid. Ihr müsst auch da raus. Inzwischen redet man vom Bedingungslosen Grundeinkommen nur noch so, als sei es Hartz Vier auf menschenwürdigen Niveau. Bitte glaubt mir, ich werde Euch nicht vergessen, und das, was ich hier tue, dafür einsetzen, dass wir eines Tages gemeinsam feiern können. Das ist gar nicht so sicher, wie es scheint. Der ganze Segen kann schneller vorbei sein als mir lieb ist, und dann muss ich wieder Männchen vor dem triumphierenden Blick der Zahlungsabteilung machen. Wenigtens ein paar Jahre lang möchte ich Ruhe vor Ämtern haben. Es hängt an mir. Wenn es mir gelingt, jeden Tag zu zeigen, dass ich die Talerchen wert bin, rieseln sie auch.

Liebe Gefährtinnen und Gefährten, ich will mit den Talern die Freiheit aufbauen, damit Ihr wisst, wo Ihr willkommen seid, wenn sie Euch auch rauslassen.

Haltet durch

Euer Baron von Feder

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