FEUILLETON-ZEITGEIST: Bundeswehr fängt Kanonenfutter mit Youtube

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„Bundeswehr fängt Kanonenfutter mit Youtube“

 Die Wegzeichen der Zeit werden auf Krieg umgestellt. Manöver finden statt, beim Katastrophenschutz schleicht sich die Bezeichnung Zivilverteidigung ein, die damals in der DDR üblich war, in Syrien werden die ungeahnten Möglichkeiten des hybriden Krieges für Mord und Profit ausprobiert, und das Verteidigungsministerium teilte im Oktober mit, dass die Bekämpfung von Computern mit Computern nun auch in die Ausbildungsphase der „Cyberkrieger“ übergehen könne. Cyberwar bedeutet, dass militärische Einheiten eines Landes mit sonst üblichen Ganovenmethoden von Hackern in Computersysteme eines andern Staates eindringen. Wenn man sich unerkannt in fremden Netzen tummelt, kann man zum Beispiel ferngesteuert die gesamte vernetzte Technik eines Krankenhauses übernehmen – von der Telefonanlage über die Aufzüge bis hin Aufnahme von Daten und Patienten in der Notaufnahme, der Intensivstation oder in Operationsraum. Man kann aber auch den gesamten Straßenverkehr lahmlegen, in dem man die Steuerung von Ampelanlagen übernimmt oder dasselbe im Schienenverkehr tut, indem man die Fahrpläne und Signale völlig durcheinander bringt. Das alles ist Cyberwar, der noch eine Steigerung kennt: Wenn nämlich die Störung der elektronischen Infrastruktur der vernetzten Computer keine Aussicht auf den Endsieg bietet, nimmt man noch eben die eigenen herkömmlichen Waffensysteme oder auch Drohnen und „schlägt mit der Faust auf den Tisch“. Wenn sich die Cyberkrieger behackern, wird man nicht viel mitbekommen, solange die eigenen Strukturen unangetastet bleiben. Vielleicht lässt man sie unangetastet, damit keiner etwas merkt. Das kann sehr wahrscheinlich sein. In jedem Fall braucht die Bundeswehr Leute, die derlei Aufgaben erledigen können. Das ist schwierig in einer Zeit, in der längst nicht so viele junge Leute wie vom Staat gewünscht trotz Lehrstellenmangels „zum Bund gehen“, um dort ein „attraktives Bildungsangebot“ zu bekommen. „Lerne Deine Grenzen kennen“, heißt ein Programm, ein anderes schlicht „Ja. Dienen“ – und am erste November starteted eine Videoserie der Bundeswehr auf der Internet-Videoplattform „Youtub“ mit dem Titel „Die Rekruten“. Acht Millionen Euro sollen eine Handvoll Filme über 12 Leute kosten, die in die Marineschule Parow bei zwischen Stralsund und Barhöft eine militärische Grundausbildung in der Länge von 12 Wochen absolvieren. Acht Millionen Euro, von denen der gebührenfinanzierte Sender ARD auf seiner Webseite fragte, ob das keine Geldverschwendung sei. An den bishewr gezeigten Folgen gab es im Grunde nichts auszusetzen – wenn man die Gattung Propagandafilm als eigenständiges Merkmal anerkennt. Die Kameraführung ist genau so chaotisch wie die Reihenfolge der einezlnen Folgen, bei denen keine Überleitung zur nächsten Folge erkennbar ist. Propagandafilme der DDR waren zwar auch keine lobenswerten dokumentaristischen Leistungen, aber immerhin konnte man Wissenswertes aus dem gezeigten Bildmaterial ableiten. Diese Sendung hier scheint bislang einfach nur Unsinn zu sein. Sie ist so unsinnig, dass man ihr nicht einmal vorwerfen kann, sie habe ihr Ziel verfehlt, weil sie ihr Ziel gar nicht nennt. Was die Webserie zeigt, hat mit der wahrnehmbaren Realität nichts zu tun. (Siehe Einleitung). Weil sie alles weglässt, was an Wissen und Zusammenhänge denken lässt, scheint sie sich an Menschen zu richten, deren Lebenserfahrung noch keine kritischen Vergleiche erlaubt. Die Serie wendet sich also hauptsächlich an Kinder, deren Berufsorientierung kräftig manipuliert werden soll. Nimmt man dies als Zielsetzung an, erscheint der ganze filmische Unsinn plötzlich logisch. Nämlich Ideo-Logisch.

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