Rezension Tödliches Fahrwasser

  Helene Musfedder

Rezension „Tödliches Fahrwasser“

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Mimis kleine Bettlektüre

Mimis Bettlektüre“, frozzelt mein Freund immer, wenn er sieht, dass ich abends wie eine hungrige Lesekatze um unsere Bücherregale streune und mir ein paar Lesehappen vor dem Einschlafen hole. Sobald ich gefunden habe, was ich suche, mauze ich „Gute Nacht“ und husche ins Körbchen. Kürzlich gehörte „Tödliches Fahrwasser“ zu meiner Beute. Das Buch erschien in der Reihe Ostsee-Krimi im Hinstorff-Verlag (Rostock 2012, knapp 14 Euro gloobe). Es ist einer von bisher sechs Krimis, die alle die Ostseeküste als Lokalkolorit gemeinsam teilen. Pro Halbjahr wächst die muntere Schar der Ostseekrimis um zwei neue Mitglieder. (Für Mathefans: Wann also hat Hinstorff mit der Reihe begonnen? Die anderen Krimis heißen „Mörder im Zug“, „Mörder im Gespensterwald“, „Der Teufel vom Ryck“. „Herrentier“ und „Sokops Rache“. „Tödliches Fahrwasser“ kann man aber vor dem Einschlafen lesen, ohne mit klappernden Zähnen angstvoll unter der Bettdecke zu liegen und und vor jedem knarzenden Geräusch schrecklich gruselige Angst zu bekommen. Der Handlungsort ist Stralsund, die Straßennamen, Baustellen, selbst das Mittwochs-Anzeigenblatt und die Krähen am Sund beim Krankenhaus am Sund sind bis ins Detail präzise und unterhaltsam geschrieben. Es geht also DOCH, dass Präzision unterhaltsam sein kann. Die meisten denken ja, Präzision bedeutet unendliche Detailfülle, die den roten Faden einer Handlung unter sich begräbt wie Pompeji unter der Asche des Vulkans. Sehr originell und keine Minute lang Ungeduld erzeugend wird die Offenbarung der Tatwaffe bis knapp vor Buchende zurück gehalten und dann ebenso orignell präsentiert. Eigentlich war ich nur ein einziges Mal verstimmt. Das war die Stelle, wo der Ermittlungsleiter mehr wusste als alle andern und ihnen dies mitteilte, auch den Lesern, und es gab keinen dramaturgischen logischen Hinweis darauf. Aber vielleicht sehen Sie das ja nicht so, wenn Sie sich die Lektüre kaufen, oder sie finden den versteckten Hinweis, wer weiß? Zwei Leser verstehen mehr als einer.

 Kim Lansky, „Tödliches Fahrwasser“, Hinstorff-Verlag, Rostock, 2012

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