Archive for Mai, 2010

Glosse: Apropos Wirtschaftskrieg

Sonntag, Mai 30th, 2010

“Für ein Land wie Deutschland sind notfalls auch militärische Einsätze notwendig, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie handelswege” (Horst Köhler, zitiert nach Saarbrücker Zeitung 28. 5 2010)

 Wir müssen uns bei der Politik entschuldigen, wenn wir sie sonst bei jeder Lüge der allgemeinen Verlogenheit bezichtigt haben. Es ist gar nicht so. Manchmal fällt ihr auch die Wahrheit aus dem Gesicht. Zum Beispiel geschieht dies. wnn die Maske von demokratie und Menschenrchten verrutscht. Neulich ist Herrn Horst Köhler das oben genannte Zitat entglitten. Und mit dem Zitat eine höchst plausible und wahr klingende Begründung für das Kriegstreiben Deutschlands.

Die Reflexdemokraten haben Köhler vorgeworfen – ach so: Köhler – das ist der Bundespräsident. Hab ich vergessen, zu erwähnen. Verzeihung – jedenfalls haben die Reflexdemokraten gesagt, dass Köhler etwas brandgefährliches gesagt hat. Na klar: Im Grunde hat er ja gesagt: “Was wir hier machen, ist verboten”. Wenn das das Volk hört, dann brennt die Luft, haben die Refelexdemokraten wohl gedacht.

Eigentlich dürfte Herr Köhler sich nun irgendeinen Preis anheften. Oder anheften lassen. Weil er gesagt hat, dass der militärische Rabaukentrupp der Wirtschaft Wege durch fremde Gärten bahnen soll, auch wenn dort jemand meint, er will das nicht. Wo komm mer denn da hin, wenn sich jeder Krümel der Militärmaschinerie in den Weg stellen darf.

Übrigens:  Das mit den Handelswegen wurde erstmals vor zwanzig Jahren wieder laut geäußert. Da scharrte die Bundeswehr mit den Hufen, weil sie auch mal zeigen  wollte, was sie gelernt hat. Sie erfand dazu den “Krisenbogen von Marokko bis Indonesien”, wo Deutschland Handelswege und Rohstoffe sichern soll, weil Deutschland eine “kontinentale Mittelmacht mit weltweiten Interessen” sei. Der jetzige Krieg in Afghanistan ist das, was Detuschlands oberste Heeresführung seit zwanzig Jahren vorbereitet.

Und wie vor zwanzig Jahren schon hier noch mal: “Es gibt keinen gerechten Krieg”

Glosse: Die Wichtignehmer vom Kindergarten

Sonntag, Mai 9th, 2010

Es ist 18. Uhr. Im Speisesaal wird das Buffett eröffnet. Das Fernsehen eröffnet die Hochrechnungs-Spielereinen für die ganz ernste Auseinandersetzung , wer im Kindergarten von NRW künftig der Bestimmer in der großen Gruppe wird. Der weise Souverän schüttelt derweil gütig sein Haupt. Erstmal essen, sagt er mit Nachdruck , und der schmollende Kindergarten muss warten, bis Papi sagt: “Nun zeigt mal, was Ihr Schönes gemacht habt”. Gruppenclown Guido erzählt dem Onkel Ulli was: “Wir müssen das Ergebnis mit Würde und Anstand tragen”. Aber wo kriegt man soviel Anstand her? Bisher ging es doch auch ohne? Da kommt Claudia an. Fröhlich stupst sie Guido weg und will dem Onkel Ulli  auch was erzählen. Onkel Ulli winkt bereits ab. Die Tante vom Kindergarten versucht zu vermitteln. Sie schlägt dem Jürgen, der Claudia und dem Guido vor, doch zusammen zu spielen. Da lächelt der Guido. Er ist jetzt wieder wichtig.

Und wenn sie nicht erwachsen werden, spielen sie auch morgen noch im Kindergarten.