Archive for November, 2009

Du sollst nicht töten

Montag, November 30th, 2009

Meinung und Kommentar

Quergedachtes

Montag, 30.11. 2009

Autor: Hannes Nagel

 

Du sollst nicht töten

 

Es beunruhigt mich, in einem Land zu leben, dessen Armee aktiv Krieg führt. Sie führt den Krieg derzeit noch weit weg vom eigenen Boden, auch die Nachbarn sind diesmal sicher vor den Militärtätigen Deutschlands. Das war nicht immer so. Militär und Massaker fangen mit M an, beginnen aber in den Köpfen von Politiktätigen.

Soweit, so so. Des Massakers Anlass war ein Tanklastzug, der angeblich von Terrortätigen der Gruppierung Taliban geplündert wurde, und dann hat ein deutscher Oberst das befohlen, was deutsche Oberste befehlen, wenn sie grade mal nicht attentaten. Soweit so kriegslogisch.

Nun berichtet Spiegel Online ( www.spiegel.de ), dass in einem Bundeswehrfeldlager T-Shirts auftauchten mit dem Bild des bombardierten Lastzuges und der Aufschrift: „Du sollst nicht stehlen“. Man hält sich wohl für Gottes rächenden Arm – Gott ist kein Gott der Rache, sondern der Liebe.

Und daher empfehle ich, Büßerhemden auftauchen zu lassen mit der Aufschrift „Du sollst nicht töten“

Apropos Kriegsakzeptanz

Sonntag, November 29th, 2009

 

Quergedacht

 

Sonntag, 2 9. November 2009

Hannes Nagel

Diesmal hat sich Jürgen Trittin von den Grünen beworben, ein Äußerung publizistisch gewürdigt zu bekommen. Er hat – und so weit war das auch richtig -gesagt, dass die Regierung eine Handlung vertuscht , für die sie sich schämt. Gemeint war der Angriff auf einen Tankwagen bei Kundus in Afghanistan, wo erst keine und dann doch fast nur Zivilisten ermordet wurden.

(was bei jedem Krieg so ist und als Kollateralschaden verharmlost wird. Es ist nicht nicht harmlos)

Und dann äußert sich der grüne Pazifist zum Kriegslügenskandal von Herrn Jung. „Das bringt die Arbeit der Entwicklungshelfer wie der Soldaten in Misskredit, und das senkt die Akzeptanz dieses Einsatzes in der Bundesrepublik“.

Gegen eine Senkung der Akzeptanz des Krieges gibt es eigentlich keinen Einwand. Die Senkung auf Null wäre eigentlich begrüßenswert. Nur: Wenn sich einer gegen den Frieden wehrt, weil er nicht akzeptabel ist, so fördert der den Krieg. Und sein Engagement für den Frieden ist zumindest unglaubwürdig.

Apropos Informationspanne

Donnerstag, November 26th, 2009

Quergedachtes

Donnerstag, 26. November 2009

Hannes Nagel

„Verteidigungsminister Guttenberg hat bestätigt, dass unter seinem Vorgänger Franz Josef Jung wichtige Informationen zu dem von einem deutschen Oberst angeordneten Luftangriff in Afghanistan zurückgehalten wurden“. Das meldete heute morgen die Nachrichtenagentur dpa unter der Überschrift „Guttenberg bestätigt Informationspannen nach Luftangriff“.

Guttenberg ist der, der auch den Krieg in Afghanistan als kriegsähnlichen Zustand bezeichnete. Da ist es konsequent, dass die Lüge nur eine Informationspanne ist.

Vielleicht aber auch nur ein wahrheitsunähnlicher Zustand.

Eine dreiste Frechheit bleibt es allemal, wie auch immer es bezeichnet wird. Und damit es noch einmal richtig deutlich wird: Es gibt keinen gerechten Krieg.

Neues von der Wespe (5)

Mittwoch, November 25th, 2009

Der Sensor für die Messung der sozialen Kälte schlug heute kurz an, als die Anreißerschlagzeile im Nachrichtenteil von yahoo (www.yahoo.de) hieß: „Alle deutschen Opel-Werke gerettet – 5.300 Jobs weg“.

Wie Opels 5.300 Lebensretter morgen leben werden, stand nicht in der Meldung. Auch der knallige yahoo-Anreißer tauchte nicht mehr auf. Es kam lediglich eine Agenturmeldung von dpa. Opel hat in Deutschland Produktionsstandorte in Eisenach, Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern. Medienmeldungen zufolge soll der Deutschlandchef von Opel die Zahl als „falsch und weit überzogen“ bezeichnet haben. Radio Jerewan erläuterte die Aussage: Im Prinzip ist die falsche Aussage richtig, es steht nur noch nicht genau fest, wieviele es sein werden. Vermutlich werden es beträchtlich mehr als nur einer sein. Und darum fröstelte es heute.

Übrigens sollen einer Boulevardzeitung zufolge in Hamburg die Mieten steigen. Wie gut, dass es in Hamburg kein Opelwerk gibt.

Wenn deftige Mieterhöhungen im Anflug sind, werden sie schmerzhaft stechen. Schmerzhaft sticht auch ein Wespenschwarm, wenn er im Anflug ist. Und dann kam noch eine Meldung von Spiegel Online: „Schwarz-Gelb beugt sich der Vermieterlobby“. Sie nennen es Mietrechtreform. Eigentlich sollte eine Wohnung unantastbar sein. Hebelt nun das Mietrecht die Unantastbarkeit des Wohraums aus? Spiegel online prophezeit: Die Mieter kommen schlecht dabei weg.

Das ist, nach allen Entwicklungen der letzten Zeit, auch ohne Beleg völlig plausibel.

Neues von der Wespe (4)

Dienstag, November 17th, 2009

Montag, 16.11.2009

Als die Wespe noch gar nicht im Nest war, gab es schon den Begriff „Selbsttragende Sicherheit“ in Bezug auf die politische Betätigung in Afghanistan, die ja ein Ziel haben muss, weil sie sonst ziellos wäre, und dann würde ja jeder sehen, was für ein verlogenes Vorhaben das Engagement dort ist. Und nun hat der rasch lernende Außenminister das Wort in sein Repertoire aufgenommen. Gleich fünf mal benutzte er es in nur einem einzigen Satz.

Übrigens: Selbstragende Sicherheit, das ist, wenn einer wie Merlin die Arme hebt, murmelt dazu einen unverständlichen Spruch, und Krieg, Konflikt und Widerspruch lösen sich auf. Und Statiker, wenn sie ein bautechnisches Problem haben, damit die Konstruktion nicht einstürzt, benutzen gerne mal Lufthaken, an denen sie das Bauwerk aufhängen.

Apropos Amtsdeutsch

Dienstag, November 17th, 2009

Hannes Nagel

Die unhöflichen Texte aus Amtsstuben grenzen an verbale Körperverletzung. Das war nicht immer so. Noch um 1990 herum gab es Behördenbriefe an Bürger, in denen bisweilen ein freundlicher Sprachgebrauch angewendet wurde. Wenn einem solchen schriftlichen Sprachgebrauch dann auch noch ein höflicher Umgangston folgt, wenn Bürger und Behörde sich Aug in Auge gegenüberstehen, könnte sogar eine kultivierte Kommunikation heraus kommen. (Wobei: Meist steht der Bürger und der Behördensachbearbeiter sitzt, und kaum kann er dem Bürger in die Augen schauen).

Die Höflichkeit ist vorbei. Wie so viele andere Umgangsformen, Rechte, Ansprüche, Möglichkeiten ist die Höflichkeit eingeschränkt, verweht, begraben, weg, perdu. Schade.

Eine Zeitung, die sonst eher als solides und biederes Behördensprachrohr auftritt, besann sich nun kürzlich auf ihre Kernkompetenzen. Sie erinnerte sich, dass eine der Aufgaben der Presse ist, Missstände in der Gesellschaft aufzugreifen, öffentlich zu machen und damit Voraussetzungen zu ihrer Korrektur zu schaffen. Und darum gab es einen ganzseitigen Artikel. Der hieß: „Deutschkurs für den Amtsschimmel“.

Darin ging es um Beispiele, wie in verschiedenen Regionen Deutschlands unverständliche Behördenschreiben umformuliert werden. Auf das sie verständlich werden. Denn Verständlichkeit ist die erste Stufe der Höflichkeit.

Weil Zeitungen nun aber auch den regionalen oder lokalen Bezug herstellen müssen, fragte die sie nach, was im Landkreis so für die Höflichkeit der Behörden getan wird. Im ganzen Land Mecklenburg -Vorpommern gibt es keine Versuche, die Behördensprache zu verbessern. Schrieb die Zeitung. Befragte Kommunen ließen extra gestelzt antworten, dass es keinen Grund gäbe und also alles gut sei, weil es der Vorschrift folge. Und das heißt frei übersetzt, dass die Behörden des Landes den Bürgern mitteilen, was sie sie können.

Zensurähnlicher Zustand, Kriegsähnlicher Zustand

Freitag, November 13th, 2009

Autor: Hannes Nagel

Zuerst sprach er vom Krieg. Es sei zwar keiner, wie auch sein Vorgänger schon wußte, aber die Lage werde so empfunden, und zwar vor den Militärtätigen vor Ort als auch von den Menschen an der Heimatfront, deren Interessen am Hindukusch verteidigt werden. Und weil das alle so empfinden, soll man das auch sagen dürfen.

Es ist bekanntlich so, dass es keinen gerechten Krieg gibt, und daher müssten alle Soldaten wieder nach Hause geholt werden. Das wäre auch für die Familien besser beziehungsweise für die Freundinnen und Partnerinnen, damit die Weihnachten nicht alleine sein müssen. Aber die Meldung kam nicht in den Nachrichten. Stattdessen kam: Verstärkung. Noch mehr Leute dahin, wo sie nicht sein sollten. Etwas später war der Hauptbegriff der Überschrift modifiziert. Statt Verstärkung hieß es plötzlich Truppenaufstockung. Das ist, wenn die Verstärkung dazu dient, die Truppen zu einem massiven Angriff aufzustellen. Truppenaufstockung klingt also viel martialischer als Verstärkung und ist insofern ehrlicher. Und darum gefährlich. Und heißt dann wieder: Verstärkung des Kontingents.

Der Verteidigungsminister sprach von „kriegsähnlichen Zuständen“. Die Sprachregelung für den Einsatz von Euphemismen zur Beschreibung des Krieges ist demzufolge ein „zensurähnlicher Zustand“.

Apropos Temperatur

Dienstag, November 10th, 2009

Meinung und Kommentar

Dienstag, 10. November 2009

Autor: Hannes Nagel

Manchmal muss man ein wenig Abstand zu den Zusammenhängen herstellen, um sie zu begreifen. Was am eigenen Land zum Beispiel schön ist, versteht man am ehesten, wenn man im Ausland ist. Die Sprache zum Beispiel ist schön. Freundschaften, die man hat und pflegt, sind schön. Es gibt schöne Literatur und schöne Kunst. Schön ist das.

Nicht so schön ist, dass das Land in einer Krise steckt. Sie ist eigentlich eine Wirtschaftskrise, beeinflusst aber die Lebensverhältnisse jedes Einzelnen viel mehr und vor allem eher, als sie die Verhältnisse der Wirtschaftsbosse beeinflusst. Es ist auch nicht schön, dass es kaum jemanden gibt, der gleichzeitig mit der Lösung des Problems beauftragt ist und dann auch noch die Fähigkeit hat, genau dies zu tun. Das hat hat seinen Grund: Man kann das Problem nämlich gar nicht am Ort lösen. Man kann eine juckende Stelle am Fuß nicht behandeln und hoffen, dass die juckenden Stellen am Rücken gleich mit verschwinden, nur weil man an den Fuß besser herankommt als an den Rücken. Auf Politisch heißt das: „ Es geht um weit mehr als nur um die Bewältigung der Krisenfolgen. Die Karten werden weltweit neu gemischt“.

Genau. Und wer in diesem Poker einen Platz an der Sonne kriegt, braucht in der sozialen Kälte nicht zu frieren. Die andern haben dann einfach die schlechteren Karten gehabt. Sozusagen die Arschkarte.

Es juckt mir im Fuß, ihn dorthin zu bewegen, wo der Abdruck seiner Sohle nachhaltige Wirkung zeigt.

Das Unwetterabschaffungsgesetz

Dienstag, November 10th, 2009

Meinung und Kommentar

Dienstag, 10.11. 2009

Autor: Hannes Nagel

 Gesetze tragen oft bombastische Namen. Das Wort „Telekommunikationsüberwachungsverordnung“ war noch harmlos im Vergleich. Die Meisten gehen an solchen Wortungetümen kommentarlos vorbei. Für die Praxis setzt sich sowieso eine Kurzform durch, die sich gefarhlos aussprechen lassen.

Jetzt hat wieder ein Gesetz das Licht der Welt erblickt. Die stolzen Eltern gaben dem Kindchen den Namen „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“. (Am Namen der Kinder erkennt man zuweilen die, wenn sie davon befallen sind, hochtrabende Eitelkeit der Eltern)

Als die Verwandten und Bekannten, die Nachbarn und die Freunde, von dem Kind und seinem Namen hörten, schrieben sie den Eltern Briefe. Seefahrt und Dachdecker, Landwirtschaft und Tourismus wünschten sich sofort, dass das nächste Kind bei der nächsten Zeugung Unwetterabschaffungsgesetz heißen möge. Andere gingen so weit, den Eltern einen Zeugungsauftrag für ein „Gesetz über die Aufhebung unlösbarer Widersprüche“ zu erteilen. Wenn es aber ein Mädchen wird, dann soll es „Gesetz über die Heranholung der Sterne in greifbare Nähe“ heißen.

Neues von der Wespe (3)

Montag, November 9th, 2009

Montag, 09. November 2009

Es regnet und im Haus ist es kalt. Das kommt davon, dass das Heizen rund um die Uhr unwirtschaftlich ist, also teuer, und auch unsinnig, weil es nicht im Einklang mit Mutter Natur und Vater Gott ist. Immerhin treibt Stimmung dem Schläfer Adrenalin ins Blut und sofort aus dem Bett. Mit Adrenalin geht es weiter, nämlich bei der morgendlichen Zeitungslektüre. „Krise trifft vor allem Geringverdiener“, steht da. Gutverdiener von der Bertelsmann-Stiftung haben das heraus gefunden und in einer Studie aufgeschrieben. Wie die Studie heißt, steht nicht dabei. Aber der Grund ist erkannt worden: Die Agenda 2010 ist die Ursache.

Also die Krise trifft die Armen, und der Grund ist die Agenda 2010, also der Verarmungsplan für Menschen ohne Arbeit. Soweit ist das alles klar, das verstehen Hartz – Vier – Opfer und Arbeitssklaven. Aber warum treffen die Gegenmaßnahmen gegen die Krise dann auch zuerst die Armen? Ich wollte gerade Hans Werner fragen, ob der den Sinn davon versteht, aber da fiel mein Blick bereits auf die nächste Überschrift: „Top-Ökonom fordert regional gestaffelte Hartz-Vier-Sätze“. Die Wespe hat, so scheint es mir, recht willige Helfer. Und sie hat gesagt, mit ihr käme keine Kälte. Dann hat sie aber die falschen Helfer. Alles nur Kühlaggregate. Und wer heizt den Kamin für die Behaglichkeit?