Archive for the ‘Quergedachtes’ Category

Kultur: Schachkonstrukte aus Apolda

Dienstag, August 31st, 2010

 

Kultur

Donnerstag 26. August 2010

Schachkonstrukte aus Apolda

Autor: Hannes Nagel

Schachkonstrukte aus Apolda

Es ist August. In Apolda wird Schach gespielt. Schach ist ein altes Spiel und Apolda eine Stadt in ihren besten Jahren. Apolda ist wie eine reife attraktive Frau, die mit Pflege und Kosmetik immer noch Herzklopfen bewirken kann. Frauen und Städte sind sozusagen das, was sie aus sich machen. Apolda wurde, wie Apolda ist, durch das lebhafte Gewerbe, welches hier seit dem 14. Jahrhundert betrieben wurde. Die Tendenz ist zur Zeit leider abflauend. Stat dessen gibt es in Apolda aber lebhaftes Schachspiel. Schach wird seit 1992 gespielt. „Open Schach“ heißt die Veranstaltung, seit es sie gibt, und ebenso lange hat Lutz-Dieter Gruber mit dem Open Schach von Apolda zu tun.

Lutz-Dieter Gruber ist einer von den Schachspielern, die sich am Ende eines Spieles mit den Möglichkeiten befassen, wie das Spiel auch hätte ausgehen können. Eine Schachfigur hat mehrere Optionen, aber der Spieler kann sich nur für eine einzige entscheiden. Schach ist die Reduzierung der Möglichkeitsvielfalt auf eine einzige EntscheidungDas kann zum Sieg führen oder auch nicht, und dann kommen Lutz-Dieter Gruber und die Schachfreunde von der Disziplin Schachstudien-Entwicklung zusammen und denken die nicht genutzten Möglichkeiten durch. Das Militär würde dazu „Manöverkritk“ sagen. Vielleicht sind deshalb so viele Politiker, Staatsmänner, Wirtschaftsführer und Machtinhaber vom Schachspiel fasziniert. Die „Deutsche Schach Zeitschrift“ befragte einmal berühmte Schachspieler nach den typischen Charaktereigenschaften von Spielern. Manchen Spielern bescheinigten die Befragten „einen Hang zum Zynismus, der Abschrecken kann“. Andere hatten in der Schachszene „viele freundliche, offene und beeindruckende Menschen kennengelernt“. Es konnte auch beobachtet werden, dass „die meisten Spieler recht intelligent sind, aber nicht alle von ihnen nutzen diese Fähigkeiten auf sozialem Gebiet“. Das müssen vermutlich die Politiker und Staatsmänner unter den Schachspielern gewesen sein. Wenn einmal die Schachfiguren selber Spieler wären, dann wären sie bestimmt aus ihrer Erfahrung heraus daran interessiert, die andere Seite zu erreichen, ohne die jeweils andersfarbigen Figuren vom Brett zu schlagen. Lutz -Dieter Gruber meinte, eine solche Spielweise sei nur dann möglich, wenn die Regeln zuvor geändert würden. „Es liegt an den Bauern. Alles hängt von den Bauern ab. Und immer werden sie geopfert“, sagt er. Das ist wie im wahren Leben. Wenn man einmal im Reglement zuließe, dass die Bauern auch dann schräge Züge machen dürften, um den Andersfarbigen aus dem Weg zu gehen oder um sie herum, und das Ziel des Spieles nicht wie im kriegerischen Sinne im Sieg bestünde, sondern im humanistischen Sinne darin, dass Weiß Scharz besucht und Schwarz Weiß, dann könnte man so spielen. Aber das wäre ein anderes Spiel. Und wenn Weiß nicht will, braucht Schwarz es gar nicht erst zu versuchen, Regeln und Ziele ändern. Das ist beinahe schon revolutionär.

Arbeitswelten: Fit für den Job, Spaß bei der Verarschung

Sonntag, August 15th, 2010

Quergedachtes

Sonntag, 15. August 2010

Fit für den Job, Spass bei der Verarschung

Autor: Hannes Nagel

Fit für den Job, Spaß bei der Verarschung

Schreib doch eine Beschwerde“, sagte Sandor Sanddorn, „denn die haben Dich doch völlig verarscht“. „Besser als eine Beschwerde wirkt eine publizistische Würdigung“, sagte ich. Nachdem wir beide dann eine Weile verständnisvoll unsere weisen Häupter gewiegt hatten, sagte ich: „Aber helfen tut das auch nicht. Helfen könnte bestenfalls eine Revolution“.

Revolutionen fangen an, wenn Franzosen kein Brot zu Essen haben und ihre Königin sagt bloß: „Puh, sollen sie doch Kuchen essen, wenn sie kein Brot haben“. Oder wenn Matrosen auf Kriegssiffen meutern, weil in dem Zwieback, den sie zu essen kriegen, Maden so dick und wohlgenährt wie ihre Offiziere herum krabbeln. Kürzlich sagte jemand, dass die Wirtschaftskrise eigentlich keine Krise ist, sondern sondern eine Umwälzung, also eine Revolution.

Eine V erarschung alleine ist also kein hinreichender Grund für eine Revolution. Jedenfalls nicht, wenn man sie mit Maden im Zwieback und Hunger im Gedärm vergleicht. Einen Tritt in den Arsch haben die Damen und Herren von der behördlichen Verscheißerung allemal verdient.

Die Verarschung begann, als man mir nach den Maßstäben der Gesetze und dem Maßstab der Menschlichkeit zugestand, durch eine geförderte Maßnahme mit einem am Bürgergeld orientierten Quasigehalt in die Arbeitswelt zurück integriert zu werden. Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsmarkt heißt das und soll dazu beitragen, die durch Arbeitslosigkeit, Einkommenslosigkeit und Hartz Vier verursachten gesundheitlichen Folgen zu überwinden und eine bezahlte Arbeit zu erhalten, die den unterdrückten Fähigkeiten entspricht. Unbezahlt gearbeitet habe ich lange genug.

Zwei Jahre lang verzögerten die Ämter eine Entscheidung. Dann kam das Arbeits-und Therapiezentrum Saarbrücken. Es testete sechs Wochen lang soziale, geistige und körperliche Fähigkeiten durch und befand, es sei zwingend erforderlich, mich sofort mit Gehalt, beruflicher Umschulung und Arbeitsplatz auszustatten. Es fehlte nur noch die Zustimmung der Rentenversicherung. In der Rentenversicherungsanstalt funktionierte die Klimaanlage nicht, die Chefs piesakten die Sachbearbeiter, die Luft war stickig, der Schweiß rann in Strömen, und die Aktenberge waren so hoch, so hoch. Und die Sachbearbeiterin stand kurz vor Eisprung und Urlaub. Ihr rechter Arm nahm Kampfhaltung ein und schrieb NEIN auf den Antrag.

Zwei Jahre Hinhaltetaktik mit Verarschung. Ein Glück, dass ich so ungeduldig bin und inzwischen schon mit der Freilegung eines übrigbleibenden Weges begonnen hatte. So können sie wenigstens die publizistische Laudatio ihres grandiosen Versagens entgegen nehmen.

Als würden Lippen knutschen

Dienstag, August 10th, 2010

Quergedachtes

Dienstag, 10. August 2010

Als würden Lippen knutschen

Autor: Hannes Nagel

Als würden Lippen knutschen

Ärger gibt es immer mal. Ärgernisse sind genauso vielseitig wie die Möglichkeiten, den Grund des Ärgers zu beseitigen. Oder zu beenden. In Freude umzuwandeln. Unzählige Möglichkeiten gibt es. Umso ärgerlicher ist es, dass nur einer Berufsgruppe die Kompetenz zugesprochen wird, die brodelnden Emotionen des Ärgers zu beschwichtigen: Die Juristen. Die Juristen sind überall. Wo immer eine Entscheidung getroffen werden soll oder eine Aufgabe zu lösen ist, wo Klugheit und Verstand gefragt sind, hat irgendein Jurist die Position des Bevollmächtigten Beauftragten eingenommen.

Ein Rechtsstaat ist ja von der Idee her etwas Schönes. Wenn jedoch der Rechtsstaat zum Juristenstaat wird, entsteht ein Zerrbild der schönen Idee. Es findet eine Wandlung vom Engelsbild in eine Teufelsfratze statt. Juristen übersetzen die Umgangssprache in justitiable Äußerungen, gegen die sie dann im Auftrag von Mandanten vorgehen. Aus „Lassen Sie mich doch zufrieden“ wird etwas, was keiner gesagt hat. Also eine behauptete, aber nie getätigte Äußerung, gegen die man Paragraphen schwingen kann.

So dämlich kann man gar nicht denken, bevor man spricht, dass man juristischen Wortverdrehern keinen Verdrehungsspielraum mehr lassen muss. An sich wäre das nicht weiter schlimm. Man könnte mit5 den Schultern zucken und sich sagen: „Red’ Du man, red’ Du man, wat Du seggst, geiht mi gor nix an“. Wenn da nicht die spaßlose Allmacht wäre, mit der Juristen die Sprache in einen Maßregelvollzug stecken würden. Wenn erst mal ein Gericht sich mit einem behaupteten Sachverhalt befasst, ist alles zu spät. Sie reden vielleicht von einem harmlosen Satz, einem Blick, einer Geste, Ihre Gegenseite, von der Sie bis heute nicht wissen, wo die plötzlich her gekommen ist, redet von Nötigung, Beleidigung, Betrug. Wenn Ihre Gegenseite solche Worte in den Mund nimmt, wertet sie, und ein Gericht kuckt ins Lexikon, da steht, wenn einer nötigt, gehört er bestraft, was soll das Gericht anderes machen? Bloß weil man Ihnen was in die Umgangssprache rein interpretiert, was Sie nicht mal im Entferntesten gedacht haben, stehen Sie da wie Max in der Sonne.

Zum Glück hat der umgangssprachliche Kriegsminister Guttenberg mit der Formulierung vom umgangssprachlichen Krieg die Möglichkeit gezeigt, dass Sie sich in allem, was gegen Sie unternommen wird, auf die Umgangssprache zu berufen. Ob Sie damit durchkommen, hängt davon ab, ob das Gericht außer Juristendeutsch auch noch normales Deutsch versteht. Normales Deutsch ist das, was in den zwischenmenschlichen Sprachbereichen gesprochen wird. Also in den Bereichen Liebe, Freundschaft, Solidarität, Nachbarschaftshilfe, Satire, Kunst, Kultur, Geist, Witz. Sprache kann zärtlich sein. Freundlich. Stundenlang anhaltende gute Stimmungen hervorrufen. Alles nur mit den Lippen und der Zunge. Beim Küssen und beim Sprechen benutzt man die gleichen Organe. Küssen ist nur deshalb nicht das gleiche wie Sprechen, weil man beim Sprechen zusätzlich noch andere Organe benötigt. Stimmbänder. Zum Küssen sind sie nicht nötig.

Es kann doch daher nicht so schwierig sein, das Sprechen so freundlich zu gestalten, als würden Lippen knutschen. Einen jeglichen würdigte man so, wie er gewürdigt zu werden wünscht. Über einem Vormittag bei Ämtern und Behörden würde der Geist der Nächstenliebe schweben. Das wäre schön. Bussi.

Apropos Gezielte Tötungen

Donnerstag, August 5th, 2010

Donnerstag, 05. August 2010

Autor: Hannes Nagel

Apropos Gezielte Tötungen

Diesbezüglich geht es nicht um Legitimität, sondern um Legalität. Wir müssen wissen, dass gegnerische Kämpfer … gezielt bekämpft werden können und dürfen“ (Giedo Wästerwelle)

Legitimität ist, wenn einer sich ein Gesetz schafft, welches ihm erlaubt, anderen das zuzufügen, was ansonsten verboten ist. Also eine Ausnahmeregelung im Anschein geltenden Rechts, damit man das Verbrechen nicht erkennt. Im Falle Afghanistan ist es der militärische Mord. Den erklärt Bundesrechtsaußen für Legal. Kein Verbrechen wird durch Legitimierung legal. Gezielte Tötungen von Kriegsgegnern ist etwas, was seit Jahren regelmäßig als Methode Israels bei sich um die Ecke vorgeworfen wird und zumindest gemissbilligt wird. Dem vernehmen nach funktioniert gezieltes Töten so, dass es eine Liste gibt, auf die jeder der Beteiligten die Namen schreibt, die ermordet werden sollen, und dann wird bestimmt, wer es machen soll. Ob und wie die Mordliste noch mal überprüft wird, ob nicht vielleicht doch wieder einer ein paar Zivilisten mit drauf geschrieben hat, die böse gekuckt haben und also gleich mit erschossen werden sollen, habe ich in keinem Bericht lesen können. Für Herrn W ist es legal. Was ist, wenn diese Wahsinnsmethode auch nach Innen angewendet wird, im eigenen Land? Bei Demonstrationen zum Beispiel? Sage keiner, der Gedanke ist absurd. Wo doch die Politik spätestens seit 2005 absurde, früher undenkbare Ideen umsetzt.

Menschenrechte: Das Manöver Kachelmann

Mittwoch, August 4th, 2010

Mittwoch, 04. August 2010

Autor: Hannes Nagel

Das Manöver Kachelmann

Niemand soll lauter schreien, als der Skandal groß ist. Wenn man nicht einmal weiß, worin der Skandal besteht, soll man die Klappe halten. Wer schreit, soll schon wissen, worüber. Das Manöver Kachelmann zeigt, dass alle über Kachelmanns Männlichkeit als Bedrohungspotential für Alice Schwarzer und andere schreien. Sie schreien am Thema vorbei. Der erste Schrei muss der nicht mehr wiederholten Aussage der Polizei gelten, die sich brüstete, einen Prominenten in aller Öffentlichlichkeit verschwinden zu lassen, ohne dass die Bevölkerung etwas mit bekommt. Das war offenbar die Manöverlage, die durchgespielt werden sollte, um zu sehen, was eventuell als nächstes kommen könnte.

Seit kurzem ist Kachelmann wieder frei. Er gab ein Interview. Er sagte, die Behandlung war gut, und das Personal ging respektvoll mit den Gefangenen um. Der Satz erinnert an einen politischen Witz. Da wurde einer aus dem KZ entlassen und sagte, man konnte den ganzen Tag Sport machen, es gab genug zu essen, und mit Problemen konnte man sich vertrauensvoll an das Personal wenden. Ein Zuhörer entgegnete, seinen Nachbarn hätten sie auch entlassen, der hat aber das Gegenteil gesagt. „Aber der ist auch schon wieder drin“, sagte der soeben Entlassene. Aufschrei Nummer zwei: Sind alle öffentlichen Äußerungen zum Fall Kachelmann getürkt? Warum? Wer vertuscht hier was? Was kommt noch nach?

In einer Talkrunde bei Anne Will quatschten kürzlich ein Haufen Leute darüber, ob Kachelmann ein Vergewaltiger sei. Das waren ganz geniale Leute, denn sie alle sprachen, als ob sie in Kachelmanns Seele stecken würden und daher alles ganz genau wüssten. Nur der eigentlich Betroffene, der war nicht dabei. Die medialisierte Dummheit scheint der kümmerliche Geist der heutigen Zeit zu sein. Sozusagen der Letzte Schrei.

Eine Sache der Menschlichkeit: Befreit Kachelmann

Sonntag, Juli 11th, 2010

Sonntag, 11. Juli 2010

Autor: Hannes Nagel

Befreit Kachelmann

Als es noch kalt war und nicht wärmer werden wollten, schmissen sie Jörg Kachelmann, den Wettermann, in den Kerker. Heute stöhnen sie unter der Hitze. Die noch in Freiheit sind, können zur Abkühlung wenigstens baden gehen. Für einen Moment hilft das. Wie aber ertragen die ins Eisen Gehauenen die hohen Temperaturen? Kümmert es die Justiz überhaupt, was sie ihnen antut? Wohl nicht. Früher, wenn bei Dürren oder Missernten Schuldige gesucht wurden, klagte man schöne Frauen als Hexen an. Wenn das Wasser nicht schmeckte und Mensch und Vieh verdursteten, fand man die Schuldigen in den Juden. Bei Kachelmann heißt das Delikt Vergewaltigung, er wurde von vornherein für schuldig befunden, weil er prominent ist und seine Waffen ungeniert mit sich herum trägt: Zwei Eier und einen Schwanz. Das reicht für eine Vorverurteilung.

Kachelmann verschwand aus der Öffentlichkeit und die Behörden rühmten sich, weil es „gelungen ist, einen prominenten Bürger verschwinden zu lassen, ohne dass die Öffentlichkeit etwas mit kriegt“. Was ja eigentlich schon als Geständnis der Zielrichtung der Operation Kachelmann gelten muss.

Befreit Kachelmann. Denn man weiß noch nicht, wer die nächsten sind.

Heiße Sache: Der 900 Euro Testballon

Freitag, Juli 9th, 2010

Freitag, 09. Juli 2010

Autor: Hannes Nagel

Heiße Luft: Der 900 Euro Testballon

Nichts wäre sozialer und menschlicher als ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden Bürger. Nichts verursacht Regierenden aus konservativen, liberalen und ihren jeweiligen neo-istischen Lagern mehr Wahnvorstellungen, als wenn dieser Wunsch von linken Träumern vorgetragen wird. Daher ist es bemerkenswert, dass Ursula von der Leyen nun 1 Komma 3 Milliarden Euro in die Hand nehmen darf, um einem schwarz-gelben Testballon drei Jahre lang am Fliegen zum halten. Es soll gestestet werden, ob die Kohle reicht, um Hartz-Vier-Opfer mit 900 Euro im Monat zu bezahlen, wofür sie dann „Bürgerarbeit“ machen. (Übrigens: Kommunalpolitik ist eigentlich auch Bürgerarbeit). Als Optimist könnte man den Plan von der Menschlichkeit trotz Ausbeutung, juristischer Drangsalierung und mangelndem Schutz der Verbraucher vor Betrug und Westerwellen als Schritt in die richtige Richtung betrachten.

1 Komma 3 Milliarden geteilt durch 900 sind 144.444 Hartz-Vier-Opfer von 7 Millionen. 3 Jahre lang bekämen sie 900 Euro. Der Weg zum bedingungslosen Grundeinkommen ist beinahe frei. Wir müssen bloß dem Vorbild der Regierenden folgen, die die Dinge benennen, wie es ihnen gefällt, und das Arbeitsprogramm als Versuch zur allgemeinen Einführung des menschenwürdigen bedingungslosen Grundeinkommens bezeichnen.

Von Sparkursen und offenen Rechnungen

Dienstag, Juli 6th, 2010

Dienstag, 06.Juli 2010

Hannes Nagel

Von Sparkursen und offenen Rechnungen

Vor das Apropos ist das Zitat zu setzen: „Rüttgers hatte diese Zerstrittenheit als Vorsitzender überwunden. Natürlich nicht immer mit dem Einverständnis aller Beteiligten. Rechnungen, die dabei offen geblieben sind, sollten jetzt offenbar beglichen werden“. So analysierte ein Politikwissenschaftler im Focus (www.focus.de) den Rückzug von Jürgen Rüttgers aus der Politik. Offene Rechnungen spielten Analysten zufolge auch bei der Wahl von Christian Wulff zum Bundespräsidenten eine Rolle. Als er erst beim dritten Versuch in dass für ihn demokratisch vorbestimmte Amt gehauen werden konnte wie ein Gang ins Getriebe ohne Kupplung, fand man die Ursache im Abstimmungsverhalten von Leuten mit offenen Rechnungen, die Frau Merkel zeigen wollten, dass der längste Schalthebel nichts taugt, wenn unten im Getriebe der Macht die Kupplung nicht mitspielt. Die Legende der gewissenlosen Rechnungsbegleicher war geboren. Aber immerhin: Die faire Demokratie blieb im Felde unbesiegt.

Vielleicht entsteht aus dem Begriff eine neue politische Mode. Wenn also auch in Zukunft mal wieder etwas nicht klappt, dann wollte wohl jemand eine Rechnung begleichen. Das gute an beglichenen Rechnungen ist, dass die Zinsgeschwüre bewirkende Last von den Schultern des Zahlers verschwindet. Das ist beim Rechnungen begleichen der Fall. Aber das ist nicht beim Sparen der Fall. Sparen will die Regierung, aber sie will keine offenen Rechnugen begleichen. Wahrscheinlich kennt sie keine Zinsgeschwüre, weil sie die Last auf andere Schultern verteilt . Sie kann also ohne Sorgen von einem Sparkurs faseln, den sie einschlagen will. Sie sollte ihn nicht einschlagen. Die Regierung sollte vielmehr einen Sparkurs belegen.

Eine Frage von Ida L. aus M. A. A

Montag, Juni 28th, 2010

Montag, 28. Juni 2010

Autor: Ida Lobenstein

Sachleistungen für Griechenland

Wie kommt das eigentlich, dass die Politik für unsereins ungeniert erörtert, ob und wann die Sozialleistungen in reine Sachleistungen ungewandelt werden, aber für Griechenland steht ausreichend Geld zur Verfügung? Griechenland darf nicht pleite gehen und zu Hause geht ein Volk vor die Hunde. Wenn die griechische Wirtschaft im Hades ist, warum soll man sie nicht auch mit Sachleistungen da heraus holen? Geht das etwa nicht? Und wenn Sachleistungen nicht geeignet sind, jemand aus der sozialen und wirtschaftlichen Misere raqus zu holen, warum wird es dann am eigenen Volk versucht? Kann mir das jemand erklären?

Mit freundlichen Grüßen – Ida L aus M am A

Asoziales: Kein Postgeheimnis für Arbeitslose

Freitag, Juni 25th, 2010

Freitag, 25. Juni 2010

Autor: Hannes Nagel

Asoziales: Kein Postgeheimnis für Arbeitslose

Langzeitsarbeitslose Ex-Stasi-IMs können ab dem ersten Oktober auf Vollbeschäftigung bis Überbeschäftigung hoffen, wenn wahr wird, welchen Terroranschlag auf die Privatsphäre der Bürger die Bundesagentur für Arbeit verüben will. Wie verschiedene Medien berichten, will die Bundesagentur für Arbeit Postmitarbeiter für das Öffnen, Lesen, Scannen und Weiterleiten der Korrespondenz von Hartz-Vier-Opfern mit der zuständigen Behörde dienstverpflichten. Die Dienstverpflichteten solen zunächst in Halle und Berlin Briefe von Arbeitslosen öffne. Dies stelle keinen Verstoß gegen die Grundrechte dar. Vermutlich deshalb, weil Hartz-Vier-Opfer sowieso keine Grundrechte mehr haben. Das Recht auf Privatsphäre ist ihnen genommen, jeder Cent in ihren Taschen wird ohnehin zuerst von der Agentur begutachtet, bevor sie entscheidet, ob der Cent die letzen Schritte zum Hartz-Vier-Opfer machen darf oder nicht. Wie die Post die Dienstverpflichtung erfüllen will, weiß noch keiner. Ebensowenig ist bekannt, ob sie das Recht auf Zivilcourage kennt und anwendet, indem sie nur eine Frage stellt: „Sagt mal, piepts bei Euch unterm Pony?“Mit dem Fingerchen an Schläfe tippen geht auch.

Also könnten und sollten die Hartz-Vier-Opfer künftig ihre Behördenkorrespondenz über einen gewählten persönlichen Sendboten erledigen. Die Behörde ist dann nämlich verpflichtet, die Briefe anzunehmen oder ihre Annahme schriftlich zu verweigern. Dann kann sie auch keine Sanktionen verhängen. Vielleicht könnte der Arbeitslosenverband die Anregung aufgreifen und sehen, was man praktisch daraus machen kann.

Einstweilen ein schönes Wochenende trotz alledem.