BARON VON FEDER: Der Wanderwitz

BARON VON FEDER

Der Wanderwitz
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Ohne Rucksack, ohne Geld
reisen Witze um die Welt.
Sie watscheln auf Poängten-Füßen
und lassen sich durch nichts verdrießen.

Denn sie sind Witz. Wärn sie verdrossen
wärnse Jammer-Zeitgenossen.
Sie sollln nicht Klagechöre leiten
Sie solln auf Ausweg Lust bereiten

Lust, dass unter freiem Lachen
die Lacher sich Gedanken machen
wie jeder Arbeit gibt und nimmt
so dass am Schluss die Rechnung stimmt.

Mit Witz erreicht der Plan Gestalt
in Form von Lebensunterhalt
und es grinsen teuflisch breit
Freiherr und Dame der Gerechtigkeit.

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Gruppe 20: Der Trotz

Der Trotz

Einst jammerte Faust, er habe nun, ach
Bildung und Wissen unter Dach, unter Fach
Doch das nützte ihm gar nichts, er stand wie zuvor
wie ein Schaf bei Gewitter vorm Scheunentor.

Es garantierte die ganze Magistergelahrtheit
und auch die naturwissenschaftliche Aufgeklartheit
zu keiner Zeit Anspruch auf Haus und auf Brot.
Dafür wußte man alles von den Gründen der Not.

Was hilft das Studieren von Geist und von Recht,
bleibt man trotz allem ein ewiger Knecht?
Die neoliberale Unmündigkeit
ist dieselbe Unfreiheit wie zu aller Zeit.

Doch würde Faust sagen: Ich habe nun, trotz
Ämterschikanen und Stolperungsklotz
durch Wissen gepartnert mit Behörde und Amt
dann geht Widerstand friedlich und streichelweich samt.

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für März 2017 ist fertig

Liebe Leserinnen, liebe Leser, „Das Flugblatt“ für März 2017 ist fertig. Ich wünsche Freude und Erkenntnis beim Lesen.

Das Flugblatt 113-01-03-2017 neues Layouted

D I E    Z W Ö L F : Ältesten- und Wissenschafts-Rat bei den Vereinten Nationen

Friedliche Grüße und bitte lesen Sie auch Folgendes:

https://www.openpetition.eu/petition/online/d-i-e-z-w-oe-l-f-aeltesten-und-wissenschafts-rat-bei-den-vereinten-nationen

 

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FEUILLETON-ZEITGEIST: Zwei Konferenzen

FEUILLETON-ZEITGEIST
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Zwei Konferenzen

Die Münchner Sicherheitskonferenz
Seit 1963 treffen sich jährlich im Februar Politiker und andere Einflussgrößen im Münchner Hotel „Bayrischer Hof“. Ihre Veranstaltung trägt den offiziellen Namen „Münchner Sicherheitskonferenz“. Beim ersten Treffen hieß sie noch „Wehrkundetagung.“ Jahr für Jahr legen die fähigsten Analytiker aus Militär, Krieg, Rüstung und Sicherheit dar, aus welchen Orten der Welt Gefahren und Bedrohungen kommen. Die wichtigsten Entscheider planen dann, wie sie die Gefahren und Bedrohungen vom eigenen Bereich fernhalten können. Das tun sie durchaus logisch, aber das Problem ist: Sie tun es kriegslogisch. Die Logik von Kriegen besagt: Es gibt kein besseres Mittel als Abschreckung und Drohung mit der Vernichtung des Gegners, um die Sicherheit im eigenen Einflussbereich zu bewahren.

Ein Programm der Konferenz ist vorab nicht zu erhalten. „Nur für akkreditierte Pressevertreter“, bedauert die Pressestelle. Die Frist endete aber schon am 10. Januar. Eine Nachakkreditierung ist nicht mehr möglich. Pech gehabt. Nein, denn die Webseite der Münchner Sicherheitskonferenz enthält ein paar gezielte Herauslassungen an Informationen, dosiert wie eine mehrteilige Fernsehserie. Am 14. Februar ließ die Münchner Sicherheitskonferenz einen englischsprachigen „Münchner Sicherheitsbericht 2017“ heraus. Der Bericht trägt den Titel: „Post-Faktum, Post-West, Post-Ordnung“. Also in etwa: Die Zeit nach den Tatsachen, die Zeit nach dem Westen, die Zeit nach der bisherigen Weltordnung“. Wenn also der Neoliberalismus seine Felle wegschwimmen sieht, dann fühlt er sich bedroht. Darum beginnt der Bericht mit einem Angstruf:

„Die Welt erlebt gerade eine unfreie Phase. Rings um den Westen breiten sich Unfreiheits-Kräfte aus. Innerhalb des Westens sind die Gesellschaften populistischen Bewegungen ausgesetzt, welche Elementen des liberalen demokratischen Zustands der Gesellschaft gegenüber kritisch eingestellt sind. Die westlichen Gesellschaften  werden von unfreien Regimen herausgefordert, die Zweifel an der liberalen Demokratie sähen wollen und versuchen, die internationale Ordnung zu stören.“

 Das ist sozusagen die Manöveraufgabe, die den versammelten Staatslenkern, Sicherheitsberatern und Militärtätigen gestellt wird. Sie kommen gemäß ihrer erlernten Sicherheitslogik, die eine Kriegslogik ist, zu dem Ergebnis, dass ein Abweichen vom neoliberalen globalen Wirtschaftskurs eine Bedrohung für den Westen ist. „Der Westen“ besteht aus seinen Konzernen und „Global Playern“, seinem Politikpersonal, seinem Machtpotential in Form von Polizei, Justiz und Militär sowie aus Heini und Erna, Heikki und Anna-Inari, Maurice und Chantal, Bolek und Loreena, Kjeld und Ivonne, James und Margret, Umberto und Laura, Dir und mir und vielen anderen, nach deren Namen die politischen Geschickelenker nie fragen, wenn sie ihre Pläne schmieden und umsetzen. Die Menschen fühlen sich hauptsächlich vor dem Verlust der sozialen Sicherheit bedroht. Wenn die garantiert wäre, würden sie viel abgeklärter auf die Einredungen einer antiwestlichen Migrationsgefahr reagieren. Politische Gelassenheit bedeutet, sich manchmal auch dezent an die Stirn zu tippen.

Die Internationale Münchner Sicherheitskonferenz
Seit 2003 – also zum 15. Mal – findet zeitgleich auch eine internationale Friedenskonferenz statt. Jahr für Jahr legen Kriegsgegner, Vertreter der christlichen Friedensethik und – im besten Sinne – Utopisten einer friedensfähigen Welt dar, was die vielen Friedensbewegungen von Deutschland, Europa und der Welt für Friedegen und soziale Gerechtigkeit tun können. Die wichtigsten Inititatoren wollen mobilisieren, aktivieren und argumentieren, um das Thema Frieden nicht wie bisher der Politik und dem Militär alleine zu überlassen. Das tun sie durchaus logisch, aber das Problem ist: Sie tun es friedenslogisch. Die Logik des Friedens besagt: Wenn ich den Arm des Gegners festhalte, kann ich eventuell Sicherheit vor einem Schlag ins Gesicht haben. Ich kann ihm aber auch die Hand reichen und wahlweise tanzen oder am Gemeinwohl bauen. Dann kann ich mir sowohl dessen sicher sein, dass er mir nicht ins Gesicht schlägt, und ich mache zukünftige Drohungen mit Schlägen überflüssig. Abrüstung und gemeinsames Wirken zur Bewahrung der Schöpfung gehen über Sicherheit hinaus, denn sie bedeuten Frieden. Einer auf Bitte zugeschickten Pressemappe kann man den Ablauf der geplanten Gegenveranstaltung zur Münchner Sicherheitskonferenz entnehmen.

Zuerst geht es um die Frage, ob die NATO mit Russland kooperieren sich „mit ihm“ konfrontieren soll. Danach wird eine Folgenabschätzung von Kriegen, also des Kommenden, wenn er nicht verhindert wird, vorgenommen: „Wie werden wir zukunftsfähig angesichts von Krieg und Umweltzerstörung?“ heißt die Frage dann kommt das nächste Thema: Ist es möglich und wenn ja wie gewaltfrei Drohnenkriege zu verhindern? Am zweiten Tag stehen dann Friedenserziehung und Friedensethik auf der Tagesordnung. Am Ende steht ein gemeinsames Friedensgebet.

Ich fürchte, beten allein ist wie eine Online-Petition zu unterschreiben. Man hat was getan, aber es wirkt nicht so ganz. Darum kommt hier noch eine unvollständige Liste von Handlungsgruppen:

Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsgegner
Future Zwei – Stiftung Zukunfstfähigkeit
Netzwerk III
Codepink
Internationaler Versöhnungsbund
Pax Christi

 

 

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REZENSION: NATO-Aufmarsch gegen Russland

Rezension

Jürgen Wagner: „NATO-Aufmarsch gegen Russland oder Wie ein neuer kalter Krieg entfacht wird“

„Der Neoliberalismus bringt seine Räubertruppen in Stellung“

Selbst ohne ein Militärbeobachter, Reservestabsoffizier oder sicherheitspolitischer Analytiker zu sein, konnten auch militärisch nicht ausgebildete oder interessierte Menschen Anzeichen dafür sehen, dass die Mitglieder der NATO in viel größerem Maße gegen die relativ gewaltfreie Stabilität des Friedens in Europa stänkern als Russland, welches im Idealfall der Vorstellungen der meisten Menschen ein Märchenland weit im Osten ist. Der einzige Kratzer auf dem Hochglanzbild des Märchenlandes ist seine reale Anwesenheit in den Ländern des Warschauer Vertrages. Russland ist weder das Märchenland seiner Literatur noch der Gräuelbär, als der sich sein Besatzungsregime im Ostblock in der öffentlichen Wahrnehmung eingeprägt hat.

Man musste 1990 kein Experte sein, um eine Militarisierung der Außenpolitik, eine „Deregulierung“ genannte Phase des Sozialabbaus und der Schaffung von Niedriglohnsektoren und eine immer schwierigere Rückkehr in Arbeits-und Lohnbezugswelten festzustellen. Die Frage nach dem Sinn ließ sich 1990 bestenfalls mit Verschwörungstheorien beantworten. Seit der Flüchtlingsabwehr der Grenzschutzagentur „Frontex“ im Mittelmeer, den vielfältigen „Antiterrorkriegen“ in der Welt und der dadurch wiederum zunehmenden Anzahl von Menschen auf der Flucht, die ihr Heil in der Europäischen Union suchen, kann man zumindest ahnen, dass die einzige Erklärung für alles dieses in der Vorbereitung des dritten globalen Krieges seit 1914 ist. Viele Publikationen sind seit Terrorkriegen, neoliberalem globalem Sozialabbau und existenziellen und den existentiellen Bedrohungen Klimawandel, Wassermangel und unbezahlbar werdende Gesundheitsfürsorge erschienen. Jürgen Wagners Buch „NATO-Aufmarsch gegen Russland oder Wie ein neuer Kalter Krieg entfacht wird“ beginnt mit einem neuen, aber nicht wirklich überraschendem Blick auf die neoliberale „Wirtschaftsordnung“ und die Deutung des „Freihandelsabkommens“ TTIP zwischen Amerika und der Europäischen Union als Teil einer gigantischen globalen Kriegsvorbereitung.

Der erste große Test des Einsatzes der NATO als Angriffsbündnis statt als Verteidigungsbündnis war für den Autor die Beteiligung am Bürgerkrieg in Jugoslawien. Der Krieg auf dem Balkan und die vielen Versuche von Waffenstillstandsverhandlungen bzw. Friedensverhandlungen bezeichent Wagner übereinstimmend mit der Zeitgeschichtsschreibung als „Neoliberale Eroberung der Südostflanke“.
Wagner kommt auf drei Motive, die einen hinreichenden Tatverdacht für einen kriegsvorbereitenden Kurs der NATO begründen:

Erstes Motiv: Ziel des NATO-Einsatzes in Kosovo war es, einen Angriffskrieg zu üben, ohne vom VETO-Recht Russlands und Chinas im UNO-Sicherheitsrat daran gehindert zu werden. Wagner zitiert dazu eine Aussage des Bundeswehrgenerals Klaus Naumann:

„Wir haben ihnen während des Kosovokrieges gezeigt, dass sie keine Chance haben, Interventionen der NATO durch ein Veto Russlands zu behindern. Und ich hoffe, Moskau hat das verstanden.“ (Seite 31)

Klaus Naumann war der General, der als Generalsinspekteur der Bundeswehr Deutschland als „kontinentale Mittelmacht mit weltweiten Interessen“ bezeichnete, die hauptsächlich im „Krisenbogen von Marokko bis Indonesien“ durchzusetzen seien. (Ausdrücke in Klammern sind zitierende Wiedergaben von Originaläußerungen des Generals)

Zweites Motiv: Der NATO fehlte an der Südostseite ihres Bündnisgebietes. Dort wollte sie sein, um ihren Lieblingsfeind Russland zu umklammern wie eine Anakonda ein Wildschwein oder einen Wasserbüffel. Über die Erweiterung des NATO-Bündnisgebietes zitiert Wagner einen Dozenten der Bundeswehr-Stabsakademie in Hamburg. Der sagt Wagner zufolge:

„Durch eine Beseitigung des jugoslawischen Riegels wird die Ausdehnung des europäischen Geltungsbereiches der NATO erleichtert, wodurch sich die direkte Einflusssphäre der USA erweitern würde.“ (Seite 32)

Heißt: Jugoslawien liegt für militärische geoppolitische Ziele – also für Kriege – gegen Russland im Weg, wenn man von Süden kommt, was aber naheliegt, wenn Jugosllawien der einzige Abschnitt ist, um den südlichen Bogen zu schließen. Also um Russland einzukesseln. Daher musste Jugoslwawien nach Ansicht der Kesselflicker von der NATO zielführend destabilisiert werden, woraus sich das dritte Motiv für den Jugoslwawienkrieg ergibt:

Drittes Motiv: Der NATO-Angriff auf Jugoslawien war möglicherweise ein „Pilotprojekt“, so ähnlich wie Spanien 1936 als Testfall für den zweiten Weltkrieg gilt. Wagner zitiert hierzu als Zeugen einen ehemaligen amerikanischen Vizeaußenminister namens Strobe Talbott:

„Während die Länder überall in der Region ihre Volkswirtschaften zu reformieren, ethnische Spannungen abzubauen und die Zivilgesellschaft zu stärken versuchen, schien Belgrad Freude daran zu haben, beständig in die entgegengesetzte Richtung zu gehen. Der Widerstand Jugoslawiens gegen den umfassenden Trend zu politischen und wirtschaftlichen Reformen bietet die beste Erklärung für den Krieg der NATO.“ (Seite 32)

Wenn man nun unter „Reformen“ die neoliberale Profitgier samt gnadenlosem Verdrängungswettbewerb in Tateinheit mit Sozialabbau versteht, dann wird Wagners Motivdarlegung einigermaßen klar. Wagner versäumt auch nicht, bezüglich des Zusammenhangs zwischen Neoliberalismus und Krieg auf das Buch „Das Ende der Geschichte“ des früheren amerikanischen Sicherheitsberaters Francis Fukuyama zu verweisen. Der schrieb 1990, mit dem Ende des von der Sowjetunion dominierten Machtbereiches sei das „Ziel der Geschichte“ erreicht. Es werde von nun an keinen Krieg mehr geben, „höchstens ein paar kleine Scharmützel, die der wirtschaflichen und politischen Verteidigung des Westens“ dienen. Das Buch wurde schon 1990 bei sehr hellwachen Lesern als programmatische Ankündigung von eben jenem großen globalen Krieg gesehen, dessen Gefahr seit 2016 ziemlich deutlich geworden ist.

Erst gegen Ende des Buches  auf den Seiten 184 bis 187 greift Wagner seine Anfangsdeutung des Freihandelsabkommens TTIP als Wirtschaftswaffen im Rahmen der von neoliberalen Politikvorgaben geprägten NATO-Strategie. Neoliberale politische Denkfabriken – Wagner nennt sie an dieser Stelle nicht einzeln oder mit Namen – bezeichnen daher das Freihandelsabkommen als „Wirtschafts-NATO“. Für Leser mit einem Faible für historische Parallelen mag dies wie der „Generalplan Ost“ des nationalsozialistischen Deutschlands klingen, mit dem die besetzten oder zu besetzenden Gebiete im Osten wirtschaftlich den Erfordernissen der deutschen Kriegswirtschaft und dem Profitinteresse deutscher Konzerne unterstellt werden sollten.
Wagner schreibt:

„So kommt eine Untersuchung zu den geopolitischen Auswirkungen und Zielsetzungen des Abkommens zu dem Ergebnis, es gehe ganz allgemein um die Neuformierung und Stärkung des westlichen Machtblocks gegen Rivalen wie China und Russland. und ganz besonders darum,  neoliberale globale Standards zu setzen und zu stärken, um so das eigne Ordnungsmodell gegenüber dem angeblich grassierenden Staatskapitalismus besser in Stellung zu bringen.“ (Seite 184-187).

Neoliberale Standard sind die, die in Deutschland zu Hartz Vier, Niedriglohnsektor, Altersarmut, Afd und Pegida sowie einem zerstörerischen Konkurrenzdruck im Gesundheitswesen oft z Lasten der Patienten geführt haben. Übrigens ist der Unterschied zwischen Neoliberal und Staatskapitalistisch der Anteil der Staatsquote am Besitz von Unternehmen. Neoliberalismus hat das Ziel der totalen Privatisierung alles wirtschaftlichen Ressourcen, inklusive Natur, Wasser, saubere Luft. Staatskapitalismus hält immerhin noch wichtige gesellschaftlich wichtige Bereiche der Wirtschaft verstaatlicht. Im Prinzip gehören dazu die kommunalen Einrichtungen, die ohne Profitmaximierung den Bürgern erträgliche Lebenshaltungskosten gewähren könnten.

Und wenn man das alles gelesen hat – und man sollte es trotz einiger Holprigkeiten des Textes tun – scheint es so auszusehen: Die Machteliten bringen alle Ressourcen in Stellung für einen geplanten Krieg, von dem sie bereits jetzt schon mehr wissen, als sie vor den einfachen Menschen verschweigen.

(Jürgen Wagner, „NATO-Aufmarsch gegen Russland oder Wie ein neuer Kalter Krieg entfacht wird.“, edition berolina, Berlin 2016)

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BARON VON FEDER: Einen vom Pferd und einen vom Reiter

Einen vom Pferd und einen vom Reiter
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Wenn Klein Fritzchen zu spät zur Schule kam, verlangte der Lehrer eine Entschuldigung. Von den Verhängnissen auf dem Schulweg, die zur Verspätung geführt hatten, hing es ab, ob der Lehrer gnädig war oder tadelnd reagierte. Um die Strafe zu vermeiden, legte Klein Fritzchen dann los: „Die Katze wuselte durch die Küche, wo Oma grad an der Kaffemaschine stand, aber Oma ist morgens immer so wackelig auf den Beinen, Herr Lehrer, ohne Kaffee, Pappa sagt auch, ohne Kaffee morgends krieg ich keinen aufrechten Gang hin, Herr Lehrer, da hat sich die Oma über die wuselnde Katze an den Beinen erschrocken und ich hab müssen die Scherben aufsammeln, weil Oma sich doch nicht bücken kann, und sie hört auch so schwer, ich hab mich ja beeilt, aber ich musste Oma alles dreimal sagen, weil sie mich sonst nicht versteht, und das dauerte eben etwas länger. Als Oma verstanden hatte, war der Bus schon abgefahren.“
Der Lehrer nickte bedächtig. Dann sprach er feierlich; „Fritzchen, Du erzählst mir einen vom Pferd.“

Fritzchen hatte nicht besonders viel in der Schule gelernt. Aber später im Öffentlichen Dienst und in der Kommunalpolitik erinnerte er sich immer daran: Indem er einen vom Pferd erzählte, konnte er Disziplinarverfahren, Untersuchungsausschüsse und allzu tiefgehende Nachfragen der Presse daran hindern, nachteilige Auswirkungen auf die eigene Karriere zu entfalten.

Niemand weiß so genau, wo man es lernt, einen vom Pferd zu erzählen, aber viele können es. Handelsvertreter, Lösverkäufer, Marktschreier, Finanzanlageberater und Pressesprecher. Für einen Pressesprecher in einer Pressekonferenz ist die Pressekonferenz eine Erfindung des Teufels, mit der er eine Art „Geheimhaltungstransparenz“ betreibt. Er sagt offen und frei heraus, dass es in der Hölle sehr, sehr heiß ist. Aber er vermeidet jegliche Information über Messergebnisse, Messgeräte und die Art und Weise der Hitzeerzeugung. Stattdessen erzählt er einen vom Pferd.

Überall wird dreist versucht, die Aufmerksamkeit der Menschen von den Vorgängen abzulenken, die ihr Leben beeinflussen könnten. Wenn Sie also merken, dass Sie statt der Sie interessierenden Informationen nur ausweichend einen vom Pferd erzählt bekommen, scheuen Sie sich nicht, die andere Seite einen vom Reiter zu fragen.

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FEUILLETON-REZENSION: Der Tod eines Zwangsarbeiters

Rezension „Tod eines Zwangsarbeiters“

„Einmal keilt jede Aktenlüge auf den Lügner zurück“

Es ist weiß Gott keine angenehme Arbeit, Dokumente von Gestapoleitstellen, nationalsozialistischen Behördenschriftwechsel und Vorschriften aus diversen Reichsgesetzblättern zu lesen. Aber es ist eine wichtige Aufgabe. Denn der mit dieser Arbeit einhergehende beinahe körperliche Kontakt mit der Vergangenheit schärft den Blick und verfeinert die Bewertungskompetenz. Wenn man in Leitzordern blättert, die einmal in einer Gestapodienststelle geführt wurden, ist man so dicht an einem Geschichtsthema dran als wäre man ein direkter Beteiligter gewesen. Auf jeden Fall kommt man dem Sachverhalt oder einer Tat aus der Vergangenheit näher als würde man ausschließlich Zeitzeugen und bereits bestehende Abhandlungen als Informationsquelle zur Verfügung haben. Zeitzeugen haben Opfererinnerungen  – Originalakten in den Händen sind unmittelbar an der Täterseite dran. Aber durch die Zeitzeugen bekommt man Hinweise darauf, in welchen Archiven unter welchen Suchkriterien das Originalmaterial gefunden werden kann. Und dann braucht man Nerven, Fleiß und Zeit zur Beruhigung emtotionaller Erregungszustände, um den Stoff zu verarbeiten.

Dem Historiker Andreas Seeger ist das recht gut gelungen, als er ein Buch über den „Tod eines Zwangsarbeiters“ schrieb. Der polnische Zwangsarbeiter Andrzej Szablewski wurde im März 1942 auf einem landwirtschaftlichen Gut bei Hamburg gehängt. Die Hinrichtung begründete die Gestapoleitstelle Hamburg auf der Grundlage einer Anzeigendenunziation des Gutsverwalters mit den Nürnberger Rassengesetzen von 1935 und zweitens mit den im Rahmen des Generalplans Ost erlassenen Vorschriften über die Behandlung polnischer und anderer östlicher Zwangsarbeiter, die wiederum „ganz oben“, bei Heinrich Himmel im Miefkreis, erlassen worden waren. Der polnische Zwangsarbeiter wurde getötet, weil ihm und einer aus Deutschland stammenden Frau eine sexuelle Beziehung unterstellt wurde. Offenbar war das schon als Behauptung eine Straftat nach der perversen NS-Justiz und der ausführenden Behörden.

Andreas Seeger hat sehr detailliert und plausibel herausgearbeitet, wie das Zusammenwirken der Behörden und Dienststellen beim Uumgang mit Arbeitskräften war, die „ins Reichsgebiet“ deportiert wurden. Der Ausdruck Arbeitskraft erscheint angesichts der Arbeitswelt verharmlosend. Sklave trifft es präzis, aber auch Zwangsarbeiter bringt die gleiche Assoziation über Lebensbedingungen und Ernährtungsverhältnisse hervor. Seegers besondere Stärke liegt darin, die großen politischen, juristischen, administrativen, miöitärischen  und aus späterer rückblickender Sicht historischen Planungen und Umsetzungen von Schicksalsschlägen vom Massenschicksal auf einen einzelnen individuellen persönlichen Schicksalsschlag zu beziehen. Beide Aspekt –das Große Ganze und das individuelle Schicksal – stellt Seeger auf seinen 107 Seiten in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander dar.

(Andreas Seeger, „Der Tod eines Zwangsarbeiters“, Donat-Verlag, Bremen 2017)

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FEUILLETON-ZEITGEIST: Emau ohne Arndt

Feuilleton-Zeitgeist

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„EMAU ohne Arndt“

 Im Januar 2017 hatte der Senat der Universität Greifswald im zweiten Anlauf entschieden, den Namen Ernst-Moritz-Arndt aus der Bezeichnung der Bildungseinrichtung zu streichen. Vor sieben Jahren stimmte die Mehrheit der Entscheider für den Behalt des Namens. Die Zeiten ändern sich.
Ernst Moritz Arndt wurde EMA abgekürzt; die Univerität als Ganzes EMAU –und so stehts in vielen Papieren, Zeugnissen, Bescheinigungen als Arbeitgeber, Absolventenbewerbungen und in akademischen Lebensläufen.
Ernst Moritz Arndt wirkte in einer von „vaterländischen“ und „nationalistischen“ Bestrebungen in Europa geprägten Zeit. Seine Lebensuhr tickte von 1769 bis 1860. 91 Jahre sollten für einen Historiker ein großzügig eingeräumter Zeitrahmen sein, um als Chronist Zeuge der Zeit und als Historiker Sachverständiger in der Bewertung der Zeit zu sein. Aber den Idealfall erreichen nur Wenige. Bei Arndt war so etwas wie eine Weitblickverengung Schuld an der Reduktion der Wahrnehmung auf das nationalistische und vaterländische Geschrei.
Der Theologe hatte diese Art zu denken tief verinnerlicht. Aus dem Gedicht „Des Deutschen Vaterland“ bricht diese Innerlichkeit wie der Wortschwall eines Pegiden im Jahre 2016 heraus:

Was ist des Deutschen Vaterland?
Ists Preußenland? Ists Schwabenland?
Ists, wo am Rhein die Rebe blüht?
Ists, wo am Belt die Möwe zieht?
Oh nein nein nein
Sein Vaterland muß größer sein“

Der Peitschenrhythmus der ersten Strophe setzt sich in den folgenden acht Strophen fort. Über Bayern, Steiermark, Brandenburg, Pommern, Westphalen, Österreich kommt das Gedicht zu der an geopolitischer Kühnheit kaum zu überbietender Schlußfolgerung:

Was ist des Deutschen Vaterland?
So nenne endlich mir das Land.
Soweit die deutsche Zunge klingt
und Gott im Himmel Lieder singt
Das soll es sein
Das, wackrer Deutscher, nenne dein.

 

(zitiert nach

„Die Lieder aller Völker und Zeiten“,
Zusammengestellt und herausgegeben
von Hans Grabow
Verlag G. Kramer, Hamburg 1880)

Eine Universität ist eine Bildungseinrichtung. Zum Lernen möge es still zugehen, damit niemand in seiner Konzentration beim wissenschaftlichen Arbeiten gestört wird. Da kann auch ein Schreihals nicht Namenspatron der Hochschule sein.

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Gruppe 20: Dunnerlütt Trampel

Dunnerlütt Trampel

Es poltert im Hause, es klirrt Porzellan.
Ein Wüterich hat ganze Arbeit getan.
Es weint Frau und Kind, es jault Katz und Hund
und das Kind fragt verängstigt: Ist Pappi gesund?

Da kommt schon der Doktor mit wehendem Kittel,
spricht den Wüterich an, sagt: Na, my dear Little?
und bringt ihn mit sanftem Druck seiner Hand
zumindest im Ansatz ein Stück zu Verstand.

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BARON VON FEDER: Vertrauenspartner für Menschen in Not

BARON VON FEDER

Vertrauenspartner für Menschen in Not
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Welch ein Glück, dass bald wieder Sommer ist und die Tage länger heller bleiben. Dann muss man weniger häufig die Lampe anschalten und verbraucht weniger Strom. Weniger Strom bedeutet theoretisch weniger Nachzahlungskosten. Das ist wichtig, wenn man als Hartz-Vier-Opfer an einen Sozialpartner namens Jobcenter gebunden ist, der sich eher als Hindernis denn als Partner erweist. Denn Nachzahlungskosten kann man weder als Hartz-Vier-Opfer noch als ungnädig geduldeter Flüchtling aufbringen.
Das Jobcenter schrieb auf die Bitte, die Nachzahlungskosten der Stadtwerke zu übernehmen: „Diese Kosten sind schon im Regelsatz enthalten“. Wahrscheinlich im virtuellen Teil. Im reellen Teil, der sich auf demm Konto abspielt, war nichts dabei.
Allerdings ergibt sich da noch eine zweite Frage: Wie können ein Laptop, ein nicht ununterbrochen genutzter Drucker, zwei Schreibtischlampen, die Nutzung der Waschmaschine einmal wöchentlich und ein nur im Sommer genutzer Kühlschrank eine Nachzahlung von 42,45 Euro verursachen? Und warum senkt es den Stromverbrauch nicht, wenn der Kühlschrank wegen der natürlichen Kälte im Winter nur im Sommer genutzt wird?
Das Jobcenter übrigens, wenn ein Mensch in seinen Klauen (hier passt der Ausdruck) hängt, fordert von den Menchen, eventuelle Rückzahlungen von Stromversorger und Vermieter zu melden, damit es ihnen abgezogen werden kann. Das ist nicht rechtslogisch.
Denn wenn das Geld im Falle einer Nachzahlung schon im Regelsatz drin war, muss es auch im Falle einer Rückzahlung schon drin gewesen sein.
Die Menschen in Not haben einen vertrauenswürdigen Sozialpartner verdient.

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