Gruppe 20: Gewohnheit

Gewohnheit

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Wenn die gute alte Tante

schon morgens mit dem Onkel zankt,

sagen Freunde und Bekannte,

das Verhältnis sei erkrankt.

Und sie sagen: „Lasst Euch scheiden

Fangt noch mal von vorne an.“

Aber keiner von den beiden

hat den ersten Schritt getan.

Ach, die Sozis. Wenn sie leiden

fühlen sie sich richtig wohl.

Sadomaso tun die beiden

von der neuen Großen Ko.

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das 123te Flugblatt ist fertig – Januar 2018

Liebe Leserinnen , liebe Leser, zum 123ten Male erscheint heut das Flugblatt. So soll es weiter gehen.

Hier ist der Link: Das Flugblatt 123-01-01-2018 neues Layout

 

Viel Spass beim Lesen und ein erfüllungsssattes menschliches 2018

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GRUPPE 20: Bald ist wieder Weimar

Bald ist wieder Weimar

Bald ist wieder Weimar. Das schau ich mir an.
Wie dann das Alltagsgeschehen zum Kampf werden kann.
Wie Kabarett und Schwarzmarkt dann Hand gehn in Hand
und selbsternannte Ordner durchstreifen das Land
und immer ein Thema lenkt eilig vom anderen ab
un zum Lernen, was vorgeht, sind die Lehrer zu knapp

8-Stunden -Tag zerschlagen, Lohn fort im Krankheitsfall
geblasen wird zum Einsatz an Waffen überall
Fern sind und weg ganz weit
Kultur und Menschlichkeit

Bald ist wieder Weimar. Und es gibt eine Chance,
Faschismus noch zu stoppen. „Diesmal gelangs“
so stehts dann in Geschichtsbüchern weit sowie breit
dann kommt auch die Kultur wieder rein in die Zeit
und alles nur weil man endlich wagt
sich des Verstands zu bedienen und nicht hilflos klagt

8-Stunden-Tag zerschlagen, Lohn fort im Krankheitsfall
Wir sind doch nicht bescheuert, Mensch habt Ihr einen Knall.

Straßenkämpfe, goldene zwanziger und am Ende Faschismus kennezeichneten die Weimarer Republik. Vergleiche mit Weimar sind zulässig, weil sie sich aufdrängen.

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FEUILLETON-REZENSION: Alle meine Kleider

Rezension „Alle meine Kleider“

„Ein Spiegel lügt, die Mode behauptet etwas anderes“

 Wenn Sie mal wieder Lust auf zeitlos-elegante Lektüre haben, die Sie mit Geist und Witz umplätschert, dann nehmen Sie doch mal Hannelore Schlaffers Büchlein „Alle meine Kleider“. Sie werden den Eindruck haben, einen schwarz-weißen Knisterfilm der UFA zu sehen und fühlen sich beinahe unangestrengt unterhalten. D as ist Seichtigkeit mit Tiefenbotschaft. Denn die Autorin beginnt ihr Büchlein damit, über die „Vor dem Spiegel“ verbrachte Zeit verbrachte Zeit zu sinnieren. Sie stellt fest, dass im Spiegel-Bild ein Vor-Bild gesucht wird. welches sonst nur im Geiste exitiert. Aber mit dem Geist sieht man ja nicht zum Vergleichen. Stundenlang kann man philosophieren über die Rolle des Vorbildes bei der Selbstverwirklichung, und manche machen sogar  – an Unis zum Beispiel – Vorlesungen daraus. Alle sind sich einig, dass es so etwas wie Selbstverwirklichung geben soll, muss und kann. Wenige sagen, dass zur Selbstverwirklichung auch das Frauwerden oder Mannwerden gehört. Ist eine Frau eine Frau, wenn sie ihr Rollenvorbild brav erfüllt? Kann eine Frau dem allgemeinen Rollenvorbild eine individuelle Note hinzufügen? Ja, schreibt die Autorin und schon ist das aufgeregte Geschnatter der Rollenspielerinnen über die Betonung der individuellen Rollengestaltung ein atemlos hingehauchter und neidisch beäugter Skandal. Wir Männer – welche Theateraufführung sehen wir am liebsten? Und welches führen wir am Liebesten selber auf? Das einige von Euch mit Uns zusammen kommen scheint bisweilen ein Wunder zu sein, weil wir gegen unseren willen ständig versuchen, das Zusammenkommen zu verhindern.

Am Ende hat die Autorin einen simplen Vorschlag: Selbstvertrauen. Lasst, Damen wie auch Herren, das Selbstvertrauen in Euch und Eure Fähigkeiten Euer Vorbild sein. Dann klappt das schon. Das Schönste an Hannelore Schlaffers Buch ist der Übergang vom Spiegel zur Kleidung und der Mode. Die Darstellung der Mode als Einheit von Funktion, Symbol und individueller Selbstbehauptung macht das Buch auch für Modemuffel äußerst lesenswert.

 (Hannelore Schlaffer, „Alle meine Kleider“, Stuttgart, Essay ohne Jahresangabe)

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BARON VON FEDER: Briefe vom Arbeitsmarkt (Januar 2018)

BARON VON FEDER

„Briefe vom Arbeitsmarkt (Januar 2018)“

Liebe Gefährtinnen und Gefährten aus der Hartz-Vier-Klasse, der Markt kann deutlich kalt und abweisend sein wie eine ungeheizte Turnhalle mit hoher Luftfeuchtigkeit. Ein Kuschelparadies ist er nicht. In dieser kalten, schlecht gelüfteten Turnhalle organisiert die Sportleitung beständig Wettkämpfe, und wer verliert, muss den Markt verlassen. Die Wettkampfbedingungen sind hart geworden. Wettkampfbedingungen sind nicht die Regeln des Wettkampfes, die aus den Kenziffern Kreativität, Produktivität und Absatz bestehen, sondern die Bedingungen Verfügbarkeit, Bereitschaft und Verzicht auf freie Zeit, bedarfsorientierte Pausen und Bewahrung der Privatheit. Wenn es nass, kalt und klamm ist, ist der Wettkampf kein unterhaltsames Volksfest. Im Sport kann man Wettkämpfe absagen. Zum Beispiel im Fussball, wenn der Rasen unbespielbar ist. Zum Marktkampf muss man immer antreten, ohne Rücksicht auf das Wetter oder das körperliche Befinden. Wenn Du auf dem Markt bist, hast du zu können. Wenn du nicht kannst, hast du nicht auf dem Markt zu sein. Ein Drittes gibt es nicht. Nur: Dein Marktstand wird dir nicht überall  ewig offen gehalten. Kannst Glück haben. Kannst aber auch erleben: Lohn fort, Zahlung im Krankheitsfall. Wissen was wird kannst du nicht. Neulich stand in vielen Zeitungen, dass „Wirtschaftsweise“ (deutsch etwa: „kluge, verantwortungsvolle Ökonomen“) den 8-Stunden-Tag für überholt halten. Sie sprachen sich nicht direkt für eine Sklaverei aus. Aber sie waren nah dran. Hätte Marx nicht so verquaast formuliert, hätte nman schon zeitnah verstehen können: die Verlängerung der Arbeitszeit insgesamt bei weniger Leuten, die sie verrichten, ist ein beschleunigter Verschleiß der Arbeitskraft. Wahrscheinlich um die Rentenkatastrophe sozial verträglich zu kaschieren. Es scheint derzeit, als sei das Ziel der Wirtschaft die globale Vernichtung der Ressourcen. Wir alle, liebe Gefährtinnen und Gefäfrten, sind auch Ressourcen. Uns droht genauso die Vernichtung wie dem Regenwald, dem Wasserkreislauf der Erde und der nachhaltigen Ernährung. Lasst uns retten, was noch zu retten ist.

„Wir haben viel zu tun, wir müssen eilen.
Denn Vorteil bringt dem Feinde alles Weilen.“

(Shakespeare)

Haltet durch

Euer Baron von Feder

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für Dezember 2017 ist da

Liebe Leserinnen, liebe Leser, das Flugblatt für Dezember ist fertig. Die Planug für die Januarausgabe läuft auch schon.

Und hier ist der Link zum Dezemeberflugblatt:

 

Das Flugblatt 122-01-12-2017 neues Layout

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FEUILLETON-ZEITGEIST: Unpassende Wahlen

Feuilleton-Zeitgeist
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„Unpassende Wahlen“

 Seit dem 24. September kaspern CDU, CSU, FDP und Grüne herum, statt sich wie Menschen, die von ihrer Aufgabe etwas verstehen, verantwortungsvoll um eine neue Regierungsbildung zu kümmern. aber nein – die Regierung bildet sich nicht. Statt dessen erklären die Sozialdemokraten, dass sie nicht mehr mitspielen wollen, weil ihnen das Ergebnis nicht passt. Kann das am Alter liegen? Geboren wurde sie im Mai 1875. Nun ist sie gegenüber ihren eigenen Idealen und den jungen Wählern ein wenig inkonsequent geworden. Mit iher absage an eine Große Koalition hat sie wie schon seit längerem auf einen anderen reagiert, statt mal aktiv zu werden. Die FDP hat den König gekippt, das Handtuch geworfen, das Pokerblatt niedergelegt – und von dieser kleinen Spezialpartei lässt sich die SPD rumführen. Wie das so ist mit 142 Jahren. Das liberale Trotzköpfchen will lieber nicht regieren als falsch – und da will die alte sozialdemokratische Tante dann auch nicht mehr. Die gerne wollen, können nicht, weil sie die am Abseits wandelnden Praktikanten der Alternative zu Rechtsstaat und Demokratie sind. Die Praktikanten haben gesagt, sie würden eine Regierung unter CDU tolerieren, wenn man ihr nur vorher Angela Merkel zum Frühstück überließe. Im Stück. Das ist ziemlich anmaßend für einen Praktikanten. Die Praktikanten rechnen wohl damit, dass ihnen bei Neuwahlen noch mehr Stimmen in den braunen Schoß fallen würden. Und nun ist überall die Aufregung groß. Große Koalition, Neuwahl oder Minderheitsregierung sollen die drei Entscheidungspunkte sein. Es sind nur zwei. Neuwahlen hieße. solange am Wahlergebnis herumzuwählen, bis es passt. Das ungleiche Brüderpaar FDP und AfD würde einen Morgenwind fühlen. Solch ein Aufschwung könnte Bundespräsident Steinmeier am Ende zum Hindenburg einer neoliberalen Tyrannei machen. In einer Minderheitsregierung wäre plötzlich jeder Abgeordnete nach seinem Gewissen verantwortlich. Das käme den Auftragsgebern der Volksvertretung, also dem Souverän, also uns, also Michel und Michaela, doch sehr entgegen. Aber auch wir würden uns wohl verdutzt die Augen reiben.
Neuwahlen aber sind wie der Witz aus dem Tanzsaal:

-Gnädige Frau, wollen Sie mit mir tanzen?
-Nein
-Gändige frau, könnten Sie sich das noch mal überlegen?

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BARON VON FEDER: Briefe vom Arbeitsmarkt (November 2017)

BARON VON FEDER

„Briefe vom Arbeitsmarkt (November 2017)“

Liebe Gefährtinnen und Gefährten aus der Hartz-Vier-Klasse, tie wichtigste Lehre aus den ersten fünf Monaten Arbeitsmarkt heisst: Ein Verkaufsstand ist kein Ladengeschäft und der Weg dahin eine Illusion, die von den Ladengeschäftsbesitzern genährt wird, um die Standbetreiber auf einen aussichtslosen Weg zu schicken, der sie verschleißt. Eine neoliberale Teufelei, wie im Kabarett „Die Anstalt“ am 07. November 2017 gezeigt wurde. Die haben viel Wissen und ein gutes Talent, es rüber zu bringen. Man wundert sich, dass sie das noch dürfen, aber diesmal haben sie die Frage gleich mit beantwortet: Weil niemand die Zusammenhänge glaubt. „Die da oben“, die noch viel oberer sind als wir hier unten es uns überhaupt vorstellen können, lachen nur. Der Geist, der nicht die Bodenhaftung verliert, reicht nicht so weit nach oben, um dort den Leuten gefährlich zu werden. Und mit dem Witz ist es genau so. Viele Menschen sehnen sich sozusagen nach der Verfolgung von Witz und Geist, nur um zu spüren, dass Witz und Geist irgendetwas bewirken. Der Siegeszug der neoliberalen Teufel mit einem tyrannischen Satan als Führer scheint durch nichts zu erschüttern zu sein. Nicht einmal durch den Terror. Obwohl Terror die Sprache des Protests und der Reaktion des Teufels ist. Hier kehrt der Wunsch nach Verfolgung um und bemerkt, dass er ja beinah dem Teufel auf den Leim gegangen wäre. Witz und Geist machen kleine Schritte, in die der Teufel mit seinem Stinkfuß nicht hinlatschen kann. Und wo der nicht ist, können wir sein. Denn irgendwer ist immer. Vakuum gibts nicht. Was genau wollen wir eigentlich ändern? Sagt mal: Ist denn das Ladengeschäft unser Ideal? Oder müssten wir dazu in teufelsfußgrossen Stiefeln übers Pflaster knallen wie ein Leutnant mit 5 Mann, die früh um vier einen Dichter ausm Bett zerren wollen? Ist es wirklich unsere größte Freude, Standbetreibern auf dem Markt Weisungen zu erteilen, die diese sich in uneren Ladengeschäftskontoren abholen müssen? Und wenn wir schon kein eigenes Ladengeschäft besitzen: Wozu brauchen wir dann die Anstellung in einem solchen, wo wir dann die Angelegenheiten der Standbetreiber besacharbeiten? Gefährtinnen und Gefährten, die uns besacharbeiten sind eigentlich noch die gleichen Standbetreiber auf dem Markt wie wir – nur vom Stinkfuß-Teufel etwas besser gestellt. Ich wünsche mir eigentlich nur, dass jeder, der sich etwas erschafft, dies auch erhalten kann. Das geht ohne anderen das Existenznotwendikum zu nehmen.

Denn nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss.

Alles Goethe –

Haltet durch

Euer Baron von Feder

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ZUEIGNUNG: Bequemlichkeit und Tyrrannei

„Die Bequemlichkeit der Tyrannei“

Wenn ich mich im Internet auf Medienseiten informieren möchte, möchte ich die Freiheit haben, zu entscheiden , was ich lese. Ich möchte nicht, dass mir der Zugang zu einer gewohnten Seite plötzlich durch einen digitalen Mauerbau verwehrt wird. Genau das haben aber die Onlineangebote von Spiegel, FAZ und Süddeutsche getan. Erst haben sie die jenigen Artikel, die wirklich gut waren, kostenpflichtig gemacht und für Nichtzahler gesperrt. Kann man machen, aber mit Vorankündigung und einer einvernehmlichen Regelung. Ich mache ja selbst eine Zeitung un´d weiß daher, dass man gerne Geld damit verdienen möchte, zumindest soviel, um von staatlichen Transferleistungen frei zu sein. Die andere Nacht-und-Nebel-Maßnahme ist die Zugriffsperre für Leser mit einem Werbeblocker. Wer Werbung blockt, muss für die Medien ein ziemlich gefährlicher Staatsfeind sein. Natürlich kann man sich die Trotzreaktion erlauben, auf die Störung einer Artikellösung durch Werbebanner oder ungefragt loskreischende Videos mit einer Blockade der Werbeblockade zu reagieren. Aber es bleibt kindischer Trotz. Daher kommt nun die Frage, wie vernünftig es ist, kindischen Tyrannen ihren Willen zu lassen. So groß muss der Schaden ja nicht sein, wenn er nicht durch künstliche Knebelparagraphen unüberwindbar hoch wird.

Wieviel Nachsicht ist vernünftig, und wann reicht ein Schluss jetzt nicht mehr, um Tyrannen zum Aufhören zu bewegen? Es wird die Unterbrechung der Lektüre durch Werbung hingenommen, weil die Lektüre dadurch billiger werden soll, es wird hingenommen, dass das Bargeld verschwinden soll, als wärs es Schnee im Sommer und das Ende des Geldes ein Naturgesetz. Wenn einer kommt und sagt Sorgt Euch nicht, wir kümmern uns um alles, was die Harmonie stört – will man dann bloss aus Bequemlichkeit noch wissen oder nicht mehr wissen, was die Reinigungsbrigade mit den störenden Menschen im Gesellschaftsbild macht? Können Menschen eine Tyrannei ertragen, wenn sie mit Härte gegen Arbeitslose, Ausländer, Unbekümmerte und Lachende vorgeht? Ist ein Mensch, welcher lacht, schon politisch andersdenkend? Wenn es der eigenen Bequemlichkeit dient: Nimmt man dann auch persönliche Einschränkungen in Kauf? Wachdienste im Wohnviertel? Mit Ausweiskontrolle? Wieviel Bequemlichkeit trägt dazu bei, dass sich eine Tyrannei etablieren kann?

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FEUILLETON-REZENSION: Casablanca 1943

Rezension „Casablanca 1943“

„Kultzeit geht nie vorbei“

 „Casablanca“ war ein Film, der beim Anschauen noch in den 80er Jahren den Eindruck erwecken konnte, dass die Aktualität von 1943 immer noch lebendig ist. Es ist ein Film über Krieg im Krieg sowie über Flucht , Widerstand und die Schwäche der Mächtigen angesichts der Sturheit entschlossener Menschen. Wenn man sich Verfolgung vorstellte, tauchten Filmszenen aus „Casablanca“ mit Humphrey Bogart, Ingrid Bergmann auf und aus“Le Train“ Jean-Louis Intrignant und Romy Schneider auf. Aber auch Musik und Literatur woben sich in die Assoziationen ein. Literarisch kann „Die Nacht von Lissabon“ des Schriftstellers Erich Maria Remarque nicht fehlen und musikalisch nicht die „Symphonie Patetique“ von PjotrTschaikowsky, das sich wie ein konspirativer Liebesabschied angesichts sich bald schließender Geheimdienstfallen anhört. Schade, dass man diesen Kultfilm nicht mehr via Fernsehen sehen kann. Er hätte es wegen seiner zeitlosen Aktualität verdient. Am Besten im Vergleich mit einer Neufassung auf der Basis von Norbert Pötzls „Buch Casablanca 1943“. Ohne jegliche Besserwisserei zeigt der Autor logische Fehler in der Handlung auf. Zum Beispiel die art der ominösen Visa, die nur noch mit einem namen zu versehen waren und niemand hätte je diese Visa kontrollieren dürfen. Viele haben lange gesucht um herauszufinden, was für ein Visum das war. Sie kamen nicht darauf, worauf der Autor kam, nämlich auf einen Regietrick von Alfred Hitchcock, der solche nichtexistenten Handlungsantreiber im Film einen „Mac Guffit“ nannte. Ein Mac Guffit kann auch eine Behauptung sein, die gar nicht mehr hinterfragt wird. Mac Guffitts brauchen keine Logik. Sie sind sozusagen das Orx im Fantasiefilm, wo die mit den Hörnern das Orx zur machtausübung benutzen und die sommerlich Gekleideten das Orx erobern wollen, weil sie die Eroberung des Orx für die Freiheit halten. Die zweite Überraschung des Buches ist die Deutung von Rick und Ilsa als Roosevelt und Churchill. Demnach ist der Film eine Parabel auf die Versuche Churchills, Amerika auch zum Schutz Großbritanniens zur Eröffnung der zweiten Front zu bewegen. Ilsa muss Rick beschwören, ihr und Victor Laszlo die Visa zu geben, Churchill muss Roosevelt beschwören, als Verbündeter in der Antihitlerkoalition mitzumachen. Von beiden hängt die Freiheit von Millionen ab – soviel Pathos muss sein. Die dritte Überraschung ist die Nennung des realen Vorbilds für den Filmwiderständler Victor Laszlo. Da kann man lange in Wikipedia oder Google suche – für solche Feinheiten braucht man echtes Wissen und keine gefundenen Algorithmen.

(Casablanca 1943. Das Geheime Treffen, der Film und die Wende des krieges, Siedler Verlag, München 2017)

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