REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für den Mai 2017 ist da

Liebe  Leserinnen, liebe Leser, das neue Flugblatt für den Monat Mai ist da. Die Arbeit an der Juniausgabe hat schon begonnen.

Das Flugblatt 115-01-05-2017 neues Layout

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Gruppe 20: Freuen

Freuen
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Gründe, die zum Freuen führen
kann man jeden Tag verspüren.
Die Missgunst dann vergleicht die Gründe
und redet schlecht. Welch eine Sünde.

Die Freude, die im Mitmensch summt,
führt dazu, dass der Neider brummt,
und sucht, ob er nicht etwas findet,
was im Andern Trauer zündet.

Wenn Freude man im andern sieht,
ists Freude, die einem selbst passiert.

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BARON VON FEDER: Arsch der Welt ist auch eine Personenbezeichnung

BARON VON FEDER

„Arsch der Welt ist auch eine Personenbezeichnung“

Anus Mundi ist frivoles Latein für den Begriff „Arsch der Welt“. Diesen Beinamen tragen verlassene, aufgegebene, unbewohnbare oder trostlose Orte. Zuweilen passt er auch auf Personen, die es in der Geschichte zum Arsch gebracht haben. Neulich war an einer Hauswand der vom Wetter fast ausgeblichene Rest einer Huldigung zu sehen. Sie zeigte das Konterfei einer nicht auf Anhieb identifizierbaren männlichen Person, das Datum 17. August 1987 und die Parole „Mord verjährt nie“.

 

 

Ach du Scheiße, entfuhrs mir später beim Nachschauen in Büchern. Ich hatte nicht gewusst, dass die Parole kackbraun und das Konterfei einem am 17. August 1987 verstorbenen Gesäßantlitz aus der Nazizeit gehörte. Nazigeschmier an einer Hauswand sieht im Anblick einer Stadt aus wie eine umgestoßene Mülltonne, um deren Dreckbeseitigung sich keiner kümmert.

Ein paar Straßen weiter hatten Kinder die Dreckbeseitigung auf ihre Weise in die Hände genommen. Sie hatten ein Plakat zum sauber halten der Stadt gemalt.

 

 

Unter diese Aussage gehört das Bild von der Hauswand. Dann verbleicht der Rest im Licht der Menschlichkeit.

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GRUPPE 20: Die Rente

Die Rente

Es sprach der Michel sehr verwundert:
„Es bleibt nicht viel von jeweils hundert.“
Er fragt: „Ist der Prozenteschwund
für die Gesellschaft denn gesund?

Darauf sprach das Kapital:
„Ich erklärs Dir noch einmal.
Jeder Euro auf die Rente
schmälert unsere Dividente.

Du kannst statt Weines Wasser trinken.
Dann wird Dein Geldbedarf stark sinken.
Und dieses Geld, das Du nicht nutzt
wird dann von unsereins verputzt.

Michel, hör mir einmal zu:
Wir habens nötiger als Du.
Wir sind schließlich nicht gewohnt
dass man uns schlecht, teils nicht entlohnt.“

„Mir wächst der Wunsch, wenn ich Dich seh
dass ich flugs den Spieß umdreh“,
sprach Michel zu dem kolossalen
verstummten Herrn des Kapitalen.

„Den dreisten Raub tätst Du nicht wagen
würdst Du die Kosten selber tragen.
Steuern sind kein Kapital –
merke Du Dir das einmal.“

Und Michel sprach zu Michaela
„Schatz wir gehn, es war ein Fehla.
Man erkennt zu spät und ist verbiestert
wenn man zum Wohl der Rente riestert.

Die Menschen sein, so wärs integer
ab jetzt ihr eigner Rententräger.“

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FEUILLETON-REZENSION: Mörderisches Schwerin

Rezension „Mörderisches Schwerin“

„Üppig wächst die Fantasie auf engem Raum“

Mit Erstaunen kann man zur Kenntnis nehmen, dass die Reihe Ostseekrimi aus dem Hinstorff-Verlag nichts unversucht lässt, um immer wieder frische Darstellungsformen von Krimis hervorzubringen. Die Anprobe verschiedener Darstellungskleider bekommt der literarischen Garderobe der Reihe ausgesprochen gut.
Jetzt im März 2017 hat Diana Salow den Krimi „Mörderisches Schwerin“ vorgelegt. Ähnlich wie die englische Autorin Dorothy Sayers mehrere Kriminalerzählungen um ihren Ermittler Lord Peter herum aufgebaut hatte, lässt Diana Salow die mörderische Fantasie Schwerins um die Person ihres Ermittlers Kommissar Thomas Berger kreisen. Thomas Berger muss im mörderischen Schwerin vier Fälle lösen. Deshalb heißen die Fälle mit Obertitel „Bergers erster Fall“, „Bergers zweiter Fall!“, „Bergers dritter Fall“ und „Bergers vierter Fall“. Zu besseren Unterscheidung bekommen sie noch einen Untertitel.
Der Berger wird im ersten Fall wie ein beinahe normaler Krimi-Ermittler mit Macken und Schrullen dargestellt. Er hat eine Assistentin, die um ein fehlendes h im Familiennamen fast genauso heißt wie eine Fernsehmoderatorin: Ellen Arnold. Mit der hat der Komissar etwas zu laufen. Die Menschen im Fall sind leicht ein spießig, die Sprache Standard und die Autorin scheint hier sozusagen sprachlich die Scheu vorm Formulieren abzuschreiben.
Des Bergers zweiter Fall ist dann schon der Übergang der Sprache vom zaghaften Formulierungstest zur üppigen Pracht der Elemente, die Krimis zu Krimis machen. Aber es vertieft sich auch der Eindruck, dass Diana Salow die Position des „allwissenden Erzählers“ bevorzugt. Wenn die Erzählung ein Witz gewesen wäre, so käme dies einer Erläuterung der Pointe noch vor ihrer Zündung gleich.
Dem Berger schlägt es im dritten Fall fast den Boden unter den Füßen weg. Er glaubt, ihn durch Alkohol zurück gewinnen zu können. Daher gibt es beklemmende Suff-Szenen und Einblicke in die gnadenlose Unumstößlichkeit der alkoholischen Fremdbestimmung. Der dritte Fall wirkt wie eine Fratze im Fieberwahn.
Den Berger kriegt das Schicksal dann doch nicht unter, sondern er im vierten Fall die Kurve. Diana Salow steigert sich von Fall zu Fall und wagt sich an immer handfestere Sachverhalte heran. Ihre vier Fälle sind Episoden eines von Mordtaten gefüllten Zeitraums. Die verbindende Linie zwischen den Fällen bekommt Diana Salow durch die außerordentlich stark hervorgehobene Beziehungsebene von Ermittler und Personen in seinem persönlichen Umfeld. Die Idee ist gut, könnte aber sprachlich verfeinert werden. Insgesamt sind Idee, Umsetzung und Originalität stellenweise hervorragend und ab und zu eine vielversprechende Fingerübung.

(Diana Salow, Mörderisches Schwerin, Hinstorff-Verlag, Rostock 2017)

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FEUILLETON-REZENSION: Seebrücke in Flammen

Rezension „Seebrücke in Flammen“

„Wenn Totgeglaubte Mörder suchen“

 Die Insel Usedom scheint die kriminelle Fantasie von Buchautoren und Filmmachern gleichermaßen anzuregen. Aber die die bisher fünf auf Usedom handelnden Ostseekrimis von Elke Pupke haben nicht mit der bisher dreiepisodigen Reihe Usedomkrimi des Fernsehens zu tun. Ähnlichkeiten wären rein zufällig und nicht beabsichtigt, sagt der Hinstorff-Verlag. Einer von Elke Pupkes Krimis heißt namlich „Das Mörderhaus am Wald“ und einer der Filme vom Fernsehen heißt „Das Mörderhus“. Die Verlockung, eventuell die erste Verfilmung eines Buches der Ostseekrimi-Reihe zu sehen weicht vor der Glotze dann aber schnell der Erkenntnis darüber, dass Film und Buch inhaltlich nichts miteinander zu tun haben. Es muss wohl an der Gegend liegen, dass sie kriminelle Ideen weckt, und an den kreativen Umsetzerköpfen, die spinnengleich ihre Handlungsfäden auspacken, um Leser oder Zuschauer darin zu fangen.

Von Elke Pupkes fünftem Ostseekrimi ist man durch die Furcht gefangen, dass sich die Handlungsfäden verheddern könnten und Elke Pupke sich hoffnungsvoll im eigenen Gespinst verstrickt. Aber das geschieht nicht. Elke Pupke erzählt, was passiert, wenn Totgeglaubte Mörder suchen und Rollstuhlfahrer laufen können. Wenn man den Krimi durchgelesen hat und sich drei Wochen lang nicht mit der Lektüre befasst, hat man das Gefühl, einen Krimi ohne Polizei gelesen zu haben. Das ist zum Teil eine große Überraschung und zum Teil der Punkt, an dem sowohl Lob als auch Kritik ansetzen können. Lob, weil es ziemlich wenig Krimis ohne Polizei gibt. Im echten Leben bekommt man ja möglicherweise mit, dass in der Gegend Straftaten stattfanden, aber Interna aus der Polizeiarbeit naturgemäß nie. Das ein Fall trotzdem so erzählt werden kann, dass seine Lösung logisch ist, wäre das Lob an dem Krimi. Zu kritisieren ist daran, dass man dann einen  unglaubwürdigen Zufall braucht, um die fehlenden Polizeiinformationen zu ersetzen. Man merkt dem Krimi mit Hochachtung die Mühen dieses Spagats an. Wen Kenner von Pupke-Krimis womöglich vermissen, ist die Dame mit dem Talent der kreativen Vermischung von Sprichwörtern. Sie taucht nur einmal auf. Da versucht sie sich in der Anwendung des Sprichwortes von der Relation der Intelligenz von Landarbeitern zur Größe einer von Friedrich dem Großen flächen deckend zum Zwecke der Volksernährung zum Anbau verordneten Feldfrucht. „Die dümmsten Bauern“, sagt die Dame, „haben die dicksten Eier.“ In Heringsdorf mag das so sein.

(Elke Pupke, „Seebrücke in Flammen“, Hinstorff-Verlag, Rostock 2017)

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FEUILLETON-REZENSION: Der tote Reformator

Rezension „Der tote Reformator“

„Druckerschwärze und Lettern helfen dem Frieden“

 Frank Schlößer hat mit dem Hinstorff-Verlag den Ostseekrimi „Der tote Reformator“ veröffentlicht. Nach den zwei Greifswaldkrimis „Der Teufel vom Ryck“ und „Aufruhr am Ryck“ von Emma Wittenstein ist dies der dritte Mittelalterkrimi und der fünfte historische Krimi insgesamt nach Frank Pergandes „Inselkrähe von Mirow“ und Frank Goykes „Doppelmord: Reuters erster Fall“. Frank Schößers Krimi ist eine erzählung in einer erzählung. Ein Bettler erzählt einem Unbekannten, der in jedem Fall der jeweilige Leser des Krimis ist, die Hintergründe eines Mordfalls, so wie der Bettler die Dinge erlebt hat. Also quasi eine Zeugenaussage. Es geht um einen einen protestantischen Prediger in Rostock, den jemand ermordet hat, sowie tatverdächtige Bürgermeister, Professoren und Kirchenleute, und ein für die Herstellung der Rechtszufriedenheit vorgesehenes Justizopfer. Einige Namen sind historisch verbürgt, die Handlungen der Namensträger entspringen der Fantasie des Autors. Es ist ein solide erzählter Mittelalterkrimi mit einer bemerkenswerten Zentralstelle auf Seite 140 und kurz danach noch. Dort wird ein Treffen des Druckers Ludwig Dietz mit dem Zeugen der Geschichte erzählt. Wenn man alles weg – und nur die Worte von Druckermeister Ludwig Dietz übrig lässt, erhält man ein hochaktuelles Credo für den Frieden und die friedensstiftende und erhaltende Wirkung der Meinungsvielfalt. Ludwig Dietz spricht im Krimi darüber, warum er konkurrierende einander bekämpfende Texte veröffentlicht und damit jedem der Lesen kann zur Verfügung stellen will:

„Wenn zwei mit Worten streiten, dann müssen sie einander verstehen wollen. Deshalb ist es mir wichtig, heute die Anklage und morgen die Verteidigung zu drucken. Das verhindert Scheiterhaufen. Die meisten Scheiterhaufen in Deutschland brennen, wenn nicht mehr gedruckt und geschrieben wird. Diese Druckerschwärze, diese Lettern, helfen dem Frieden. Schon weil einer Lesen lernen muss, wenn er schreiben will.“ (Seite 140 ff)

Wenn aber also Meinungen andere Meinungen widerlegen sollen oder zu Tode überzeugen, dann werden für dieses Ziel notfalls auch Kriege geführt. Das scheint eine so langzeitgültige Wahrheit zu sein mit einer Grundbedingung für den Frieden: Wenn man verschiedene Meinungen gelten lässt, kann man die sonst anfallende Bekämpfungsenergie für gesellschaftliche und kulturelle Zwecke einsetzen. Das ist ein verlockendes Ziel.

„Der tote Reformator“ wirkt auf an dieser Stelle wie eine Mahnung der Vergangenheit an die Gegenwart, die von „Kampf gegen islamistischen Terror“, „Kampf gegen Populisten“ und „Verteidigung der Demokratie“ geprägt ist statt eine gemeinschaftliche Vielfalt mit muslimischen Kulturen, Nischen für Populisten und der Abkehr der Demokratie vom Dogma der Verteidigungsfähigkeit zum Gebot der Friedensfähigkeit zu gestalten.

(Frank Schlößer, „Der tote Reformator“, Hinstorff-Verlag, Rostock 2017)

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REDAKTIONSMITTEILUNGEN: Das Flugblatt für April 2017 ist da

Liebe Leserinnen, liebe Leser, das neue Flugblatt ist fertig:

Das Flugblatt 114-01-04-2017 neues Layout

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BARON VON FEDER: Schichtwechsel im Bundesgarten

ZUEIGNUNG
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„Schichtwechsel im Bundesgarten“

Am 19. März verließ Joachim Gauck die Präsidialkanzel im Bundespräsidentenamt Bellevue. Rechtzeitig zum Frühlingsanfang beginnt die Saison Steinmeier. Frank Walter Steinmeier will als 12. Präsident nach Theodor Heuss, Heinrich Lübcke, Gustav Heinemann, Walter Scheel, Karl Carstens, Richard von Weizsäcker, Roman Herzog, Johannes Rau, Horst Köhler, Christian Wulff und Joachim Gauck den Garten Deutschland im Glanze seines Glücksfalls blühen lassen. Die Kleingartenanlage „Sellerie und Rosen“ schickte daher dem neuen Saisongärtner folgenden Brief:
„Lieber Saisongärtner, Du und Dein Garten habt Vorbildfunktion. Ihr müsst Ort und Meister sein, damit alles Wachsende gedeihen kann. Wo Pflanzen verkümmern, musst Du Meister mit kluger Hand und grünem Daumen eingreifen. Gib allen Pflanzen die Chance, Früchte zu tragen, damit der Erntedank zum Volksfest werden kann. Bedenke bitte: Wucherkräuter und Ranken bahnen sich oft vom Zaun her ihren Weg Richtung Mitte. Heckenrosen und Liguster können sie ein wenig bremsen. Jeder gute Gärtner aber weiß: Kleinhalten geht. Beseitigen nicht. Versteh uns richtig: Es geht nicht gegen exotische Kräuter, die die Vielfalt bereichern, sondern um den Umgang mit stürmisch Wachsendem, welches bereits innerhalb unseres Gartens ist und aus und auf unserem Boden wächst. Und ist nicht der Begriff vom Unkraut wertend und mißachtend, niemals aber objektiv? Wildwuchs ist bei allen Pflanzen möglich. Da braucht man
einen Gärtner, der das gesamte floristische Wohl für die Erschaffung eines Gartens Eden vor Augen hat. Sehr geehrter Saisongärtner: Können Pflanzen sich gegenseitig als Konkurrenten betrachten und vernichten? Kann man nicht sogar Disteln, Giersch und Brennnessel zum gärtnerischen Gemeinwohl einsetzen? Und im nächsten Ratgeber geht es um den Unterschied zwischen Haufen und Kompost.“

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Lesermitteilungen: Mein Michel was willst Du noch mehr

`Diese Lieder hinter folgenden Links kamen gerade in der Redaktion an. Sie gehören gehört-

"Mein Michel, was willst du noch mehr"
   https://www.youtube.com/watch?v=4_yuQeQE5rY

"Die neoliberale Litanei"
   https://www.youtube.com/watch?v=X7mIx4MwA3M
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